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Aus der Stadt Sprengel-Museum ist Deutschlands schönster Betonbau
Hannover Aus der Stadt Sprengel-Museum ist Deutschlands schönster Betonbau
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20:04 11.08.2017
Von Andreas Schinkel
Bezaubernder Beton: Besonders angetan ist die Fachjury von dem Relief auf der Außenwand. Quelle: Thomas
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Hannover

167 Bewerber gab es für den Preis. Stolz hat Dezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) die Auszeichnung gestern verkündet. Der Anbau sei ein großes Projekt gewesen, das von vielen öffentlichen Diskussionen begleitet war.

Der Anbau des Sprengel-Museums wurde am Freitag mit einem großen Fest eröffnet. Am Eröffnungswochenende haben Kunstbegeisterte freien Eintritt in den Erweiterungsbau.

Damit liegt sie nicht falsch. Zunächst sollte die Fassade des Sprengelanbaus verspiegelt werden, doch aus ästhetischen, aber auch finanziellen Gründen mussten Meili + Peter ihre Pläne überarbeiten. Heraus kam eine Fassade aus grauem Sichtbeton, hochwertig verarbeitet und mit einem Relief versehen. Die Architekten sprachen von „Werkstein“, der an historische Bauten erinnere, andere Baukünstler und viele HAZ-Leser fühlten sich an Hannovers schlimmste Bauphase erinnert, den Brutalismus, auf dessen Konto etwa das alte, inzwischen abgerissene Kröpcke-Center geht.

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Am 18. September soll der Erweiterungsbau des Sprengel-Museums offiziell eröffnet werden. Etwa 20 Gewinner einer HAZ-Aktion konnten sich den umstrittenen Bau schon am Mittwoch ansehen.

Was von dem musealen Anbau wirklich zu halten ist, schreibt die Jury des Beton-Preises in ihrer Urteilsbegründung: „Die Schweizer haben einen lang gestreckten, eleganten Quader aus anthrazitfarbenem Sichtbeton angefügt, der sich an den hohen, geböschten Sockel des Altbaus anschließt und auf einem tief eingezogenen verglasten Sockel vorkragt.“ Besonders angetan ist die Fachjury von dem Relief auf der Außenwand. „Die Bänderung, die teils poliert, teils im Rohzustand des Betons belassen wurde, zieht sich als nicht eindeutig interpretierbares „all over“ um das gesamte Gebäude.“ Heißt im Klartext: sieht schick aus, erschließt sich aber nicht.

Viele schöne Worte verliert die Jury auch über die verglasten Loggien, die in die Fassade eingelassen sind. Sie seien der „kommunikativen Teil“ der Fassade, „der das bewegte Innere auf geistreiche Weise mit dem stillen Relief der Außenhaut verbindet – vielleicht eine Antwort auf eine heute noch zu selten gestellte Frage.“ Noch Fragen?  

  

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