Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Warum Lotte für die Bahn nach Eidechsen sucht
Hannover Aus der Stadt Warum Lotte für die Bahn nach Eidechsen sucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 01.12.2016
Bloß keine Echse wecken: Hündin Lotte und Biologin Ina Blanke. Quelle: Samantha Franson
Anzeige
Hannover

Schon vor Betreten der Eidechsen-Schutzzone ist Lotte sehr aufmerksam, fiept und zieht an der Leine von Frauchen Ina Blanke. Der Pointermischling hilft der Biologin beim Aufspüren von Zauneidechsen rund um den Mega Hub zwischen Lehrte und Ahlten. „Wenn sich die Zauneidechsen verbuddelt oder in einem Loch versteckt haben, sehe ich sie mit dem bloßen Auge nicht. Aber durch Lotte finde ich sie trotzdem“, sagt Blanke. Die Artenschutzbeauftragte des Bauprojekts der Deutschen Bahn sucht seit 20 Jahren die Reptilien rund um die Bauflächen und setzt sich für den Lebensraumerhalt und den Verbleib der Tiere an der Gleisanlage ein.

Seit drei Jahren ist Lotte bei den Außeneinsätzen ihre treue Begleiterin. Der Vorstehhund erkennt die Tiere am Geruch. „Das hatte sie ganz schnell drauf. Ich habe sie an alten Eidechsenhäuten schnüffeln lassen, und schon hat sie sich auf die Suche begeben“, erklärt Blanke. Und dass Lotte die Echsen nur meldet und nicht frisst, hängt nicht nur damit zusammen, dass diese nicht jedermanns Geschmack sind. Ihre Rasse ist speziell auf die Suche und nicht auf die Jagd gezüchtet - deshalb lässt Lotte die Tiere unberührt. Sobald Lotte also eine Eidechse aufgespürt hat, wedelt sie wie wild mit dem Schwanz und runzelt die Stirn. Nachdem ihre Besitzerin das Tier kartiert hat, bekommt Lotte ihre Belohnung: Ein Foto zusammen mit der Zauneidechse. „Das ist für sie das Größte“, behauptet Blanke. Alle Fotos werden auf dem Facebook-Account ihres Mischlings hochgeladen.

Anzeige

Auch in Zeiten des Winterschlafs können die Echsen machen, was sie wollen - Lotte spürt sie auf. Am liebsten würde sie sie auch wecken - das aber unterbindet ihr Frauchen. Das ist Lotte gar nicht recht. „Wenn sie auf ihrem Gebiet ist und nicht arbeiten darf, ist sie gelangweilt“, sagt die Blanke.

Gefunden hat die Biologin Lotte in einer spanischen Tötungsstation. Schon, als sie sie dort herausholte, hoffte sie, dass Lotte sich einst in den Dienst des Naturschutzes stellen würde. Mehrmals in der Woche sind die beiden in den Schutzzonen rund um die Bauflächen unterwegs. „Allerdings hängt vieles vom Wetter ab. Nicht bei jedem Wetter findet man Eidechsen“, sagt die Fachfrau.

„Ich wollte es erst nicht glauben, dass ein Hund bei der Suche behilflich sein kann. Aber dann habe ich es mit eigenen Augen gesehen und bin fasziniert“, sagt Andreas Witzel, Projektleiter des Mega Hubs. „Für uns ist es ein großer Gewinn, die Fachfrau vor Ort zu haben“, ergänzt er und lobt die gute Zusammenarbeit. „Bei den Schutzzonen kämpfe ich um jeden Meter“, sagt die freie Gutachterin Blanke.

An diesem Tag findet Lotte keine Eidechsen und darf das auch gar nicht. Aber ab Februar, wenn die Zauneidechsen aus dem Winterschlaf erwachen, wird sie sich mit Frauchen Ina Blanke wieder verstärkt auf die Suche begeben. „Sonst ist Lotte sehr verfressen, aber bei der Arbeit braucht man ihr mit Futter nicht zu kommen. Da ist sie total auf die Suche konzentriert.“ Für die Bahn, für die Echse, für den Naturschutz.

Von Julia Polley

28.11.2016
01.12.2016
Conrad von Meding 01.12.2016