Nach Kirchenbrand in Garbsen - Staatsanwalt soll zum Behördengespräch – HAZ – Hannoversche Allgemeine
Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Staatsanwalt soll zum Behördengespräch
Hannover Aus der Stadt Staatsanwalt soll zum Behördengespräch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 12.08.2013
Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer (l.) und Polizeichef Polizeichef Ulrich Knappe wollen härter gegen Straftäter vorgehen. Quelle: Kleinschmidt
Anzeige
Garbsen

Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer hat die Staatsanwaltschaft für nächste Woche zum Behördengespräch gebeten. Anlass ist der wachsende Unmut darüber, dass eine Gruppe Jugendlicher einen ganzen Stadtteil tyrannisiert, die Täter aber stets nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß kommen, wenn sie von der Polizei überführt wurden. Angeregt hat das Gespräch der Leiter der Polizeiinspektion Garbsen, Ulrich Knappe. Der betonte am Freitagabend in einer Bürgerversammlung, dass er den Vorstoß nicht als Justizschelte verstanden wissen will.

In der Versammlung direkt neben der durch Brandstiftung zerstörten Kirche schilderten zahlreiche Bürger, mit welchen Ängsten sie leben. Eine junge Mutter berichtete, dass 20 Jugendliche vor wenigen Tagen ihren Balkon mit Steinen beworfen hätten. Als die alarmierte Polizei nach zehn Minuten gekommen sei, seien die Täter weg gewesen. Eine andere Frau ärgerte sich darüber, dass ihre angezündete Gartenhecke als Lappalie abgetan worden sei: „Musste erst eine Kirche brennen, damit die Politik versteht, welche Angst wir hier haben?“

Anzeige
Viele Garbsener können den Brand der Willehadi-Kirche im Stadtteil Auf der Horst immer noch nicht fassen. Brandstifter hatten das Gotteshaus in der Nacht zu Dienstag angezündet.

Seit Jahren gibt es Brandstiftungen im Stadtteil Auf der Horst, aber auch in Nachbarstadtteilen. Polizeidirektor Knappe betonte, dass unbewiesen sei, ob die Jugendgruppe, die Angst und Schrecken verbreitet, dafür verantwortlich ist. Die Polizei ermittele „mit allen Kräften“. Ob die Belohnung von 15.000 Euro inzwischen zu hilfreichen Hinweisen geführt habe, wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Das Publikum reagierte auf diese Aussage mit Hohngelächter.

Die Stimmung bei den rund 150 Versammlungsteilnehmern war aufgeheizt. Immer wieder erhielt die Forderung nach konsequenterem Einschreiten spontanen Applaus. Bürgermeister Heuer und Sozialdezernentin Iris Metge berichteten ausführlich, dass jetzt vier zusätzliche Sozialarbeiter eingestellt würden, Präventionsrat und Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit dem Problem. Metge räumte aber auch ein: „Den harten Kern der Jugendlichen erreichen wir nicht mehr.“ Es gehe vor allem darum, Mitläufern eine Perspektive zu bieten.

Beim Brand einer Kirche und eines Gemeindehauses in Garbsen ist ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden. Es war mutmaßlich Brandstiftung.

Mehrere alteingesessene Garbsener berichteten aber auch, dass sich die Situation im Bereich Auf der Horst gebessert habe. Der Stadtteil sei grüner, das Miteinander intensiver geworden. „Wir dürfen uns das nicht von einigen Jugendlichen zerstören lassen“, sagte eine Frau. Quartiersmanagerin Monika Dehmel stellte klar, dass 6000 Stadtteilbewohner nicht vor 25 Randalierern kapitulieren müssten. Auch das gab Applaus.

Mehr zum Thema

Es sollte so etwas wie der Aufstand der Anständigen werden. Die Bürgerversammlung nach dem Brand der Willehadi-Kirche hat sich am Freitagabend aber vor allem als ein Forum für tief sitzende Ängste und Misstrauen gegen die verantwortlichen Institutionen erwiesen.

Sven Sokoll 09.08.2013

Es war kein böser Traum. Das Gotteshaus von Willehadi ist am 30. Juli wirklich abgebrannt. Viele wollen nun helfen. Die Gemeinde und die CDU Garbsen haben Spendenkonten eingerichtet. Ab Montag lädt die Zeitung mit der Aktion Steine für Willehadi ein, auf andere Weise beim Wiederaufbau zu helfen.

Markus Holz 09.08.2013

Wird Fördergeld für Problemstadtteile richtig investiert? Nach der Brandstiftung in Garbsen wird Kritik daran laut, dass zu wenig Sozialarbeiter im Einsatz sind.

Tobias Morchner 11.08.2013
Aus der Stadt Veranstaltungen am Wochenende - Wohin am Sonntag?
11.08.2013
Conrad von Meding 17.10.2013