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Aus der Stadt Staatsanwaltschaft beantragt Berufsverbot für Zahnarzt
Hannover Aus der Stadt Staatsanwaltschaft beantragt Berufsverbot für Zahnarzt
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13:18 30.11.2012
Von Veronika Thomas
Gegen den Zahnarzt Ralf L. wird wegen Abrechnungsbetrugs ermittelt. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Das computergestützte Navigationssystem „Robodent“ überzeugte jeden Patienten. Das 3-D-Verfahren, um Zahnimplantate mit höchster Präzision in den Kiefer zu setzen, war viele Jahre ein gewichtiges Aushängeschild des hannoverschen Zahnarztes Dr. Ralf L. Eine zwar teure, aber sichere Methode, glaubten seine Patienten, die für dieses Extra im Schnitt 1000 bis 2000 Euro zahlen mussten. Der Haken an der Sache aber ist: Patienten wurden zwar zur Kasse gebeten, aber der „Robodent“ war nach Auskunft der hannoverschen Staatsanwaltschaft schon seit längerer Zeit nicht mehr im Einsatz - nach HAZ-Informationen mindestens seit Anfang 2010. Aber dies ist nur ein Detail umfangreicher Ermittlungen von Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei und Gutachtern gegen den umstrittenen Zahnarzt.

Der Vorwurf gegen ihn lautet auf Abrechnungsbetrug. Am 13. September hatten Strafermittler, darunter auch Computerexperten, dessen Praxis- und Privaträume durchsucht. Beschlagnahmt wurde umfangreiches Material, darunter Patientendaten, EDV und die „Robodent“-Festplatte zur comuternavigierten Zahnimplantation. Auf Basis der bisherigen Erkenntnisse beantragte die Staatsanwaltschaft im September ein vorläufiges Berufsverbot, das aber vertagt wurde, um Ralf L. bis heute Gelegenheit zu geben, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften.

Mit Ablauf dieser sogenannten Einlassungsfrist wartet die Staatsanwaltschaft jetzt auf eine Entscheidung des hannoverschen Amtsgerichts, den Antrag auf ein Berufsverbot durchzusetzen. Seit der Razzia wurden unter anderem Praxismitarbeiter und Anästhesisten befragt, mit denen der Zahnarzt zusammenarbeitet. Die Anwälte von Ralf L, die Strafverteidiger Manfred Parigger und Matthias Waldraff, haben ihrerseits eine mehrere Hundert Seiten umfassende Stellungnahme erarbeitet, die dem Amtsgericht heute zugehen wird. „Es ist eine hochkomplexe Erklärung voller medizinischer Details, die keinen Punkt, der unserem Mandanten vorgeworfen wird, auslässt“, sagt Waldraff. „Wir haben die Hoffnung, damit alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräften zu können.“

Seit etwa zehn Jahren ermittelt das Fachkommissariat Abrechnungsbetrug gegen den umstrittenen Zahnarzt. Anfangs nur in Einzelfällen, seit Ende 2010 häuften sich die Anzeigen von Patienten, die ihm Abrechnungsbetrug, überteuerte Honorarforderungen und Körperverletzung vorwerfen. Bisher hat die sechsköpfige Ermittlergruppe in Zusammenarbeit mit Gutachtern mehr als 50 Fälle aufgearbeitet, um dem Abrechnungssystem des Dr. Ralf L. auf die Spur zu kommen.

Bis zu 220.000 Euro soll der Zahnarzt, der eine noble Praxis in der List betreibt, für eine Zahnsanierung verlangt haben. Um die zum Teil üppigen Honorare bezahlen zu können, opferten Kassenpatienten mitunter sämtliche Ersparnisse. Wer keine hatte, sah sich auch gezwungen, einen Kredit aufzunehmen oder Privatinsolvenz anzumelden.

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