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Aus der Stadt Staatsballett tanzt im Wohnzimmer
Hannover Aus der Stadt Staatsballett tanzt im Wohnzimmer
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00:15 04.02.2013
Verklärte Nacht: Denis Piza und Catherine Franco vom Staatsballett Hannover tanzen auf der ganz kleinen Bühne in einer Privatwohnung in der List. Quelle: Körner
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Hannover

Zwei Frauen stehen unschlüssig vor dem Eingang eines Gründerzeithauses in der List. Es ist dunkel und ein nasskalter Wind zerzaust das Papier der Blumensträuße in ihren Händen. Prüfend schaut eine von ihnen nach oben. Nur im obersten Stockwerk sind die Fenster hell erleuchtet. „Los, wir klingeln“, sagt sie schließlich beherzt. Noch ehe die Haustür aufspringt, kommen drei weitere Frauen herbeigeeilt. „Nehmen Sie uns mit“, rufen sie, und kichernd wie Teenager, die zu einer verbotenen Party gehen, drängt das Quintett ins Treppenhaus. Auf halbem Weg nach oben erlischt plötzlich das Licht. „Huch“, tönt es. Ein Kreischen, ein Gackern, ein nicht wirklich ernst gemeintes „Pssst“ – so beginnt die „Verklärte Nacht“.

Gudrun Pätzold empfängt an diesem Abend nicht nur rund zwanzig Freunde und Nachbarn in ihrer weitläufigen Altbauwohnung, sondern auch den Direktor des Niedersächsischen Staatsballetts, Jörg Mannes, in Begleitung seiner Frau Monica Caturegli sowie den niederländischen Choreografen Nils Christe mit seiner Frau Annegien Sneep. Ein Tanzabend sollte bei ihr zu Hause stattfinden, so viel hatte Gudrun Pätzold, die auch öfter mal zu Hausmusik einlädt, ihren Gästen verraten. Doch dass dieser Abend eine Art Preview der nächsten Premiere des Staatsballetts sein würde, damit hatte niemand gerechnet.

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Gudrun Pätzold empfängt nicht nur rund zwanzig Freunde und Nachbarn in ihrer weitläufigen Altbauwohnung, sondern auch den Direktor des Niedersächsischen Staatsballetts, Jörg Mannes. Dass dieser Abend eine Art Preview der nächsten Premiere des Staatsballetts sein würde, damit hatte niemand gerechnet.

Der zweiteilige Ballettabend „Verklärte Nacht / Augen. Spiegel. Seele“ startet am Sonnabend, 9. März, 19.30 Uhr, in der Oper. Das erste Stück ist von Mannes, das zweite hat Christe extra für Hannover kreiert. Es sind abstrakte Stücke, es geht um Gefühle und Beziehungen, die Musik stammt  von Arnold Schönberg sowie Sergej Prokofjew und Arvo Pärt. Beiden Produktionen haftet nicht nur im Titel etwas Geheimnisvolles an. Und so hatten Mannes und sein Betriebsdirektor Steven Markusfeld die Idee, im Vorfeld der offiziellen Premiere ein paar Ausschnitte des Programms an verschwiegenen Orten außerhalb der großen Opernbühne zu zeigen. „Damit wollen wir uns noch stärker nach außen öffnen und Tanz buchstäblich unter die Leute bringen“, sagt Markusfeld.

Das ist auch für die Tänzer selbst eine ganz neue Erfahrung. „Ich habe vor meiner Bühnenkarriere schon in Restaurants und Shoppingcentern getanzt, aber noch nie in einem Wohnzimmer, wo das Publikum so hautnah dabei ist“, bekennt Catherine Franco. Die gebürtige Brasilianerin zählt zu den herausragenden Mitgliedern des Ensembles, ebenso wie ihre Landsleute Denis Piza und Cássia Lopes, die sich bei Gudrun Pätzold in Jeans und Turnschuhen aufs Parkett wagen.

Alle drei sind etwas nervös. Ihre größte Sorge ist, dass sie bei ihrer zehnminütigen Darbietung einem der Umstehenden das Sektglas aus der Hand treten könnten. Doch das passiert nicht. Zwischen Bücherwand und Puppensammlung bewegen sich die Tänzer so geschmeidig und vorsichtig wie nachts umherschleichende Katzen. Nils Christe lehnt am Türrahmen und lugt ins Wohnzimmer wie ein Kind kurz vor der Bescherung. „Ich habe schon viel gesehen, aber so was noch nicht“, raunt er. Und was genau wurde da nun geboten? Das bleibt geheim. Bis zur nächsten Vorstellung.

Sie möchten auch einen geheimen Gratis-Hausbesuch vom Staatsballett mit Gästen ihrer Wahl? Der nächste ist für Donnerstag, 21. Februar, 20 Uhr, geplant. Bewerben Sie sich mit einem Bild Ihres Aufführungsortes bis zum 14. Februar unter geheime.vorstellung@staatstheater-hannover.de.

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