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Aus der Stadt Vermummt zum Opernball
Hannover Aus der Stadt Vermummt zum Opernball
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00:16 20.02.2015
Von Rüdiger Meise
Vermummt vor der Staatsoper: Der Darsteller einer Kamelfarm aus Visselhövede sollte Lust auf den Ball machen. Quelle: Petrow
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Hannover

Vermummt mit schwarzem Beduinentuch blickt der Wüstensohn in die Kamera. Neben ihm steht ein Kamel, hinter ihm die Staatsoper Hannover. Das Bild zeigt keinen islamistischen Terroristen, sondern es wirbt für den Opernball und sein Motto: „Tausendundeine Nacht“. Kurz nachdem in Braunschweig der Karnevalsumzug wegen Terrorgefahr abgesagt wurde, feiert Hannover die märchenhafte Seite des Islams. Das hatte man sich sicher anders vorgestellt, als die Idee entstand.

Wüstenpanorama, Gewürze, goldene Fußböden, Bauchtänzerinnen, Datteln und Klänge aus der arabischen Kurzhalslaute Oud: Für die beiden Bälle am 27. und 28. Februar verwandelt sich die Staatsoper in den Palast des orientalischen Königs Schahryar. „Eine Reise durch eine fantastische Welt, die auch einst die Wiege unserer westlichen Kultur war“ verspricht die Staatsoper. Im realen Leben ist diese Reise momentan kaum möglich: Der Palast des (fiktiven) Sassanidenkönigs in der Erzählung „Tausendundeine Nacht“ lag im heutigen Irak.

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Keine Politik, nur „Dekor“

Als vor einem Jahr das Ballmotto festgelegt wurde, habe man nicht wissen können, dass es wegen der aktuellen Lage deplatziert wirken könnte, sagt Olaf Roth, Sprecher der Staatsoper. Intern sei in den vergangenen Wochen darüber diskutiert worden, allerdings sei eine Veränderung oder gar Absage der Veranstaltung nie in Frage gekommen. „Wir nehmen keinen Bezug zur Tagesaktualität“, sagt Roth. „Das Ballthema ist lediglich Dekor.“ Und der Aufwand, der dafür betrieben wird, ist enorm. Es gibt also keinen Weg zurück.

Angst vor einem Anschlag hat man im Organisationsteam nicht – von welcher Seite auch? Muslime könnten doch wohl kaum kritisieren, dass ihre Kultur positiv dargestellt wird, sagt Roth. Avni Altiner, Vorsitzender der Moscheegemeinschaft Schura in Niedersachsen, fordert die Oper auf, sich nicht einschüchtern zu lassen: „Wenn man sich in unserer offenen Gesellschaft ein solches Fest vorgenommen hat, dann sollte man es auch feiern.“ Die Polizei sieht bislang keine Gefahr, sagt ein Sprecher.

So ganz gewaltfrei ist die märchenhafte Welt aus „Tausendundeine Nacht“ übrigens nicht: In der Erzählung aus der Mitte des ersten Jahrtausends lässt König Schahryar jede Frau töten, die eine Nacht mit ihm verbracht hat. Die schöne Scheherazade entgeht diesem Schicksal nur, weil der König wegen ihrer 1001 betörenden Erzählungen von seinem finsteren Vorsatz abrückt.

Restkarten verfügbar: Zwei Wochen vor dem Termin sind nur noch Restkarten verfügbar. Der Opernball am Freitagabend, 27. Februar, ist bereits ausverkauft, für Sonnabend (28.) gibt es vor allem noch preisgünstige Flanierkarten. Besonders für junge Menschen sind diese interessant: Besucher, die jünger sind als 30 Jahre, zahlen 55 Euro. Karten gibt es an den Tageskassen im Opern- und Schauspielhaus oder im Internet auf der neu gestalteten Seite www.opernball-hannover.de. Hier finden Interessierte Informationen zu dem zweimaligen Ball-Event.    

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