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Aus der Stadt Stadt will „return“ nicht mehr fördern
Hannover Aus der Stadt Stadt will „return“ nicht mehr fördern
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06:32 10.11.2015
Von Martina Sulner
In der Region Hannover leben rund 7000 Mediensüchtige. Quelle: dpa
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Hannover

Sie beraten Jugendliche, die süchtig nach Computerspielen sind, und (junge) Männer, die ihren Drang nach Internetpornos nicht mehr kontrollieren können. Sie führen Gespräche an Schulen, mit Eltern und bilden Mitarbeiter anderer Beratungseinrichtungen weiter: Seit mehreren Jahren ist die hannoversche Fachstelle „return“ eine wichtige Adresse rund um das Thema Mediensucht. Im städtischen Haushaltsentwurf für 2016 wird die Einrichtung jedoch nicht mehr bedacht. Die SPD, sagt Fraktionsgeschäftsführer Marc-Dietrich Ohse auf Anfrage der HAZ, favorisiere Sozialprojekte, die die Nachbarschaftshilfe stärken.

„return“-Leiter Eberhard Freitag ist entsetzt - und versteht diese Politik nicht. In diesem Jahr habe „return“ an die 800 Gespräche in den Beratungsräumen an der Kirchröder Straße geführt. Man betreue im Jahr 2015 rund 100 Fälle von Computerspielsüchtigen und 50 Süchtige von Internetpornografie. Bei der Fachstelle - Träger ist das Diakoniewerk Kirchröder Turm - sind neben Freitag zwei Vollzeitmitarbeiter angestellt; zudem hat Tabea Freitag, Psychotherapeutin und Ehefrau des Leiters, dort einen Minijob. Die städtische Förderung von zuletzt 35 000 Euro jährlich macht laut dem Chef rund ein Viertel des Etats aus. Geld kommt zudem von der Region (17 500 Euro pro Jahr) und vom Land (50 000 Euro) oder wird über Fortbildungsangebote und Beratungen in öffentlichen Einrichtungen selbst erwirtschaftet.

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Die städtische Förderung war auf drei Jahre angelegt; dieser Zeitraum ist Ende 2015 beendet. Der „return“-Chef befürchtet, dass ein möglicher Rückzug der Stadt auch Signalwirkung an die anderen Förderer haben könne. Das wäre fatal: In der Region Hannover leben laut Eberhard Freitag rund 7000 Mediensüchtige. Und es sei leider nicht absehbar, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Computerspielsüchtigen abnehmen werde.

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