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Aus der Stadt Tempo 30 bald auch nachts in Hannover?
Hannover Aus der Stadt Tempo 30 bald auch nachts in Hannover?
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00:23 24.11.2014
Von Mathias Klein
Quelle: Montage/HAZ
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Hannover

Grund für die Überlegungen ist der von der Europäischen Union vorgeschriebene Lärmaktionsplan, der die Bevölkerung vor Verkehrslärm schützen soll. Nächtliche Tempo-30-Zonen könnte es unter anderem auf der Marienstraße, auf der Podbielskistraße und auf der Friedrich-Ebert-Straße geben.

Derzeit prüft die Verwaltung verschiedene Möglichkeiten, wie der nächtliche Verkehrslärm verringert werden kann. Das Thema „Geschwindigkeiten in Hauptbelastungsbereichen“ steht ganz oben auf der Liste.

Tempobegrenzungen erzielten bei relativ geringem Aufwand eine vergleichsweise große Wirkung, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass sich der Lärm auf diese Weise tatsächlich deutlich reduzieren lasse. Rein rechnerisch ergebe sich bei einer Temporeduzierung von 50 auf 30 eine Verringerung des Lärms um drei Dezibel.

Tempo 30 könnte auf den Straßenabschnitten gelten, an denen derzeit die Höchstgeschwindigkeit besonders häufig überschritten wird. Diese Abschnitte werden von der Stadtverwaltung derzeit überwacht. Nach diesen Messungen sind beispielsweise nachts auf der Marienstraße in Richtung Aegidientorplatz 45 Prozent der Autofahrer zu schnell, auf der Friedrich-Ebert-Straße Richtung Deister-Kreisel sogar 73 Prozent.

Eine Entscheidung, wo und ab wann das Tempolimit gilt, sei noch nicht gefallen, betont Demos. Die Untersuchungen der Verwaltung seien noch nicht abgeschlossen. Letztendlich entscheide über die einzelnen Strecken und den Start des Tempolimits die Politik.

Die ist bereits der zweite Anlauf der Stadtverwaltung für eine nächtliche Tempobegrenzung: Im Jahr 2010 wollte die Stadt auf zahlreichen Straßen nachts die Geschwindigkeit verringern, damals sollte Tempo 40 gelten. Nach zahlreichen Protesten wurden diese Pläne jedoch wieder zurückgezogen.

Der ADAC lehnt ein nächtliches Tempolimit in Hannover als „objektiv nutzlos“ ab. Subjektiv empfänden manche Anwohner den Zustand nach Inkrafttreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung als leiser, sagt Sprecherin Christine Rettig. „Aber messbar ist der Unterschied zwischen Tempo 50 und Tempo 30 nicht.“ Möglicherweise könne sogar der gegenteilige Effekt auftreten, sagt Rettig: „Viele fahren bei Tempo 30 zu hochtourig, das ist lauter als im korrekten Gang bei 50 Stundenkilometern.“ Die Stadt solle stattdessen zu wirklich wirksamen Maßnahmen greifen - etwa den sogenannten Flüsterasphalt aufbringen, der die Abrollgeräusche reduzieren soll. „Aber das kostet natürlich mehr Geld, als ein paar Tempo-30-Schilder aufzustellen“, sagt Rettig.

Sabine Gurol 21.11.2014
Tobias Morchner 24.11.2014
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