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Aus der Stadt Wer abreißt, bekommt eine Million Euro Rabatt
Hannover Aus der Stadt Wer abreißt, bekommt eine Million Euro Rabatt
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07:51 20.08.2013
Von Conrad von Meding
Teile des Borgentrickturms sind in das Foyer der Volkshochschule am Friedrichswall integriert. Quelle: Surrey
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Hannover

Das baufällige Gebäude der Volkshochschule (VHS) am Friedrichswall wird meistbietend verkauft. Ungewöhnlich an dem von der Stadt konzipierten Verfahren: Ein Mindestgebot von drei Millionen Euro ist aufgerufen; wenn der Käufer aber das bestehende Gebäude abreißt, muss er nur zwei Millionen Euro bieten. Mit der Differenz werden die Abrisskosten kompensiert. Fachleute glauben aber, dass diese viel zu hoch veranschlagt sind. „Der gesamte Abriss der ehemaligen AOK-Betonburg am Pferdeturm kostet doch nur eine Million Euro, und die ist viel größer“, sagt ein Manager aus der hannoverschen Baubranche. „Es sieht eher so aus, als sei es politischer Wille, den VHS-Bau abreißen zu lassen.“

Das 1965 errichtete Gebäude vis-à-vis vom Rathaus ist seit Jahren eingerüstet, weil Fassadenteile herabzufallen drohen. Für die Volkshochschule wird jetzt am Hohen Ufer ein ehemaliges Schulgebäude umgebaut, sie zieht im nächsten Jahr um. Das rund 1500 Quadratmeter große Filetgrundstück gegenüber vom Rathaus will die Stadt zu Geld machen. Für das angrenzende Gebäude der städtischen Galerie Kubus muss der Erwerber einen neuen, eigenständigen Zugang schaffen und sicherstellen, dass die Galerie während der Bauphase nutzbar bleibt.

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Eine besondere Herausforderung für Architekten aber sind die Relikte der Stadtgeschichte, die mit dem bisherigen VHS-Bau verwoben sind. Ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer zieht sich quer durch das Gebäude, er umfasst die beiden Grundetagen des Borgentrickturms von 1310. Er ist außer dem Beginenturm der letzte noch bestehende Turm der inneren Stadtbefestigung. Sein Erdgeschoss besteht aus grob behauenem Kalkstein, darüber ist noch eine mit Ziegelsteinen aufgemauerte Etage aus dem 15. Jahrhundert erhalten, die rückwärtig einen Zugang im VHS-Haus hat. Die gesamte Anlage ist Teil des ältesten Stadterbes und muss erhalten bleiben. Auch das große Buntglasfenster, das sich direkt an den Turm anschließt, steht unter Denkmalschutz, es wurde 1964 vom durch den Künstler Gerhard Wendland geschaffen.

Bis zum 2. November haben Firmen Zeit, Konzepte für die Nutzung des Grundstücks einzureichen. Die Stadt erhofft sich von Abriss oder Totalsanierung des Gebäudes auch städtebauliche Impulse für das Areal im Übergang von der Altstadt zum Neuen Rathaus. Derzeit werden die Pläne zur Neugestaltung des Trammplatzes diskutiert, mit denen der Vorplatz des Rathauses wieder aufgewertet werden soll. Auch soll künftig ein Übergang geschaffen werden, der direkt vom Köbelinger Markt am bisherigen VHS-Gebäude vorbei und über den Friedrichswall hinweg zum Rathaus führt.

Gespräche über Maritim-Fassade: Teil des Aufwertungskonzepts für den Bereich sind auch Überlegungen, die Fassade des Maritim Grandhotels am Friedrichswall zu erneuern. Seit 2011 laufen diese Gespräche, auch in diesem Monat soll man wieder zusammengesessen haben. „Es gibt keinen Zeitdruck, wir wollen lieber ein gutes Ergebnis“, sagte Maritim-Geschäftsführer Gerd Prochaska am Montag. Das Grundstück gehört der Stadt, sie hat es der Maritim-Kette langfristig verpachtet. Die würde offenbar gerne investieren, dem Vernehmen nach geht es um vier Millionen Euro. Weil der Pachtvertrag aber 2023 ausläuft, will sie Rechtssicherheit über eine Vertragsverlängerung. Nach Prochaskas Aussagen hat sich die Auslastung des Hotels zuletzt wieder verbessert: „Wir würden sehr gerne in diesen Standort investieren.“

Tobias Morchner 22.08.2013
Michael Zgoll 22.08.2013
Mathias Klein 22.08.2013