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Aus der Stadt Stadt arbeitet antisemitische Attacke im Sahlkamp auf
Hannover Aus der Stadt Stadt arbeitet antisemitische Attacke im Sahlkamp auf
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22:27 19.03.2011
Von Felix Harbart
Die jüdische Tänzerin Tatiana Ilchenko wurde im vergangenen Jahr mit ihrer Tanzgruppen attackiert.
Die jüdische Tänzerin Tatiana Ilchenko wurde im vergangenen Jahr mit ihrer Tanzgruppen attackiert. Quelle: Christian Burkert (Archiv)
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Der Vorfall hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. „Wir werden nicht akzeptieren, dass man nach einem solchen Vorfall zur Tagesordnung übergeht“, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil am Freitag zu Beginn eines sogenannten Stadtteilworkshops mit dem Titel „Respekt und Würde“.

Bei der anderthalb Tage dauernden Tagung sollen Projekte gegen Rassismus und Antisemitismus erarbeitet werden, die in den kommenden drei bis vier Jahren im Stadtteil umgesetzt werden sollen. Unter den mehr als 80 Teilnehmern sind Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wohnungswirtschaft sowie von Schulen und Kindertagesstätten. Das Projekt sei ein Experiment, sagte Weil und kündigte ein starkes Engagement der Stadtverwaltung in der Sache an: „Wir werden einen langen Atem haben.“

Zur Eröffnung des Workshops erinnerte Weil an die Vorfälle vom Sommer 2010. „Das Ereignis hat nur Verlierer zurückgelassen“, sagte Weil und sprach von einem „Vorgang, der mir wirklich unter die Haut gegangen ist“. In der Folge habe er auch in anderen Stadtteilen Gespräche geführt und nachgefragt, wie ausgeprägt Rassismus und Antisemitismus dort seien. Das Ergebnis: „Es gibt aus meiner Sicht in diesen Stadtteilen keinen spezifischen Antisemitismus, aber einen alltäglichen Rassismus gegenüber bestimmten Gruppen“, sagte Weil. „Ich glaube nicht, dass wir es hier mit einem speziellen Sahlkamp-Problem zu tun haben, aber eben auch mit einem Problem des Sahlkamps.“

Auch Bezirksbürgermeister Hans Battefeld sprach im Zusammenhang mit den Steinwürfen von einem „nicht akzeptablen Vorfall“. Dabei spiele es keine Rolle, dass es Kinder und Jugendliche gewesen waren, die die jüdische Tanzgruppe attackiert hatten. „Wir wollen keinen Rassismus in Hannover oder im Sahlkamp, egal, ob von Jugendlichen oder Erwachsenen oder von Deutschen oder Ausländern.“

Bei dem Vorfall vom Juni 2010 hatten rund 30 Kinder und Jugendliche meist arabischer Herkunft bei einem Stadtteilfest die Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover mit Steinen angegriffen. Dabei skandierten sie antisemitische Parolen. Im Februar verurteilte das Amtsgericht einen damals 14-Jährigen, der an der Tat beteiligt gewesen war, zu einer Arreststrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Allerdings spielten die Steinwürfe für das Strafmaß nur eine untergeordnete Rolle, schwerer wog etwa ein Fall von schwerer räuberischer Erpressung.

Mathias Klein 19.03.2011
Sonja Fröhlich 18.03.2011