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Aus der Stadt Stadt stellt Lärmstudie infrage
Hannover Aus der Stadt Stadt stellt Lärmstudie infrage
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08:07 21.09.2011
Von Andreas Schinkel
Foto: Die Stadt Hannover hat die Lärmstudie des Frauenhofer Institutes in Frage gestellt.
Die Stadt Hannover hat die Lärmstudie des Frauenhofer Institutes in Frage gestellt. Quelle: Herzog
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Hannover

„Ein Vergleich der 27 aufgeführten Städte nur hinsichtlich der von Lärm betroffenen Fläche hat sehr eingeschränkte Aussagefähigkeit über die tatsächliche Lärmbelastung in einer Stadt“, sagte Baudezernent Uwe Bodemann. Ein Großteil der Hannoveraner lebe in ruhigeren Vierteln abseits der Hauptverkehrsadern. Verärgert reagierte Hans Nolte, Hannovers Marketingchef. „Das Fraunhofer Institut geht fahrlässig mit Daten um und nimmt in Kauf, dass eine ganze Stadt ins schlechte Licht gerückt wird“, sagte er.

In der Ratspolitik stieß der Befund auf ein geteiltes Echo. Während die SPD riet, nicht in Aktionismus zu verfallen und zunächst die beschlossenen Maßnahmen zur Lärmminderung abzuwarten, dringen die Grünen darauf, rasch zu handeln. „Wir wollen, dass die hannoversche Bevölkerung gesund lebt“, sagte Fraktionsvize Michael Dette. Die CDU forderte, das Ergebnis der Studie durch eigene Messungen zu überprüfen. „Wir sollten selbst verlässliche Daten an neuralgischen Punkten der Stadt sammeln“, sagte Fraktionschef Jens Seidel.

Im vergangenen Jahr hatte der Rat einen „Lärmaktionsplan“ verabschiedet, der die Geräuschkulisse in der Stadt eindämmen soll. Der Plan sieht folgende Maßnahmen vor:

  • Flüsterasphalt: Die Stadt testet derzeit einen geräuscharmen Straßenbelag in der Hermann-Bahlsen-Allee. Ergebnisse liegen noch nicht vor.
  • Radverkehr stärken: Das Radwegenetz soll weiter ausgebaut werden, sodass immer mehr Hannoveraner aufs Auto verzichten.
  • Verkehrsfluss: Straßen sollen baulich so verändert werden, dass der Verkehr langsam aber stetig fließt. Auch die sogenannte Grüne Welle will die Stadt weiter vorantreiben, doch stößt diese Maßnahme dort an Grenzen, wo Stadtbahnen Vorfahrt haben.
  • Tempolimit: Die Stadt prüft, ob auf Hauptverkehrsstraßen nachts ein Tempolimit von 40 Kilometern pro Stunde sinnvoll ist, bisher ohne Ergebnis.

Initiativen gegen Lärm

Die in jüngster Zeit wohl lauteste Bürgerinitiative gegen Lärm hat sich in Misburg formiert. Dort protestierten Anwohner gegen die Stadtbahnlinie 7, die unmittelbar an ihren Häusern vorbeirauscht und die Gläser in den Vitrinen erzittern lässt. Mit Erfolg, denn die Bahnen fahren nun mit verringerter Geschwindigkeit und die Infra, zuständig für den Gleisbau, überlegt, wie die Trasse gedämmt werden kann. In verschiedenen Stadtteilen sind für kurze Zeit immer wieder Gruppen entstanden, die sich gegen den Krach gewehrt haben.

Etwa im Stadtteil Bult, wo Anwohner den Bau einer Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke erkämpften. „Die Wand hat aber nicht viel gebracht“, sagt Walter Feldt, der beim BUND zu den Lärmexperten zählt. Er geht davon aus, dass sich künftig mehr Bürgerinitiativen bilden, die gegen ratternde Güterzüge vorgehen. „Niemand tut etwas gegen den Schienenlärm“, sagt er, am allerwenigsten die Deutsche Bahn. Eine stadtübergreifende Plattform für alle Lärmgegner ist der Verein Forum Lärmschutz.

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