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Aus der Stadt Stadt will in der Nordstadt neue Hauptfeuerwache bauen
Hannover Aus der Stadt Stadt will in der Nordstadt neue Hauptfeuerwache bauen
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09:51 30.08.2011
Von Vivien-Marie Drews
Die Werkfeuerwehr der Conti gliedert Teile ihrer Aufgaben an die Feuerwehr Hannover aus. Dafür überweist das Unternehmen ab 2014 jährlich 2,25 Millionen Euro an die Stadt. Quelle: Insa Catherine Hagemann
Hannover

Wenn es in den Einsatz geht, drehen sich in der Feuer- und Rettungswache 1 am Goetheplatz die roten Alarmleuchten. Mit einem schwungvollen Satz klammern sich die Feuerwehrleute dann an die blankgeriebenen Stangen, die das Obergeschoss der Wache mit der Garage verbinden. Mit gekreuzten Beinen rutschen sie durch den Schacht in die Tiefe, direkt vor die Fahrzeuge. Im Sekundentakt. Einer nach dem anderen.

Das Prinzip Rutschschacht wird ihnen wohl erhalten bleiben. Auch auf der neuen Wache. „Wenn es schnell gehen soll, gibt es keine patentere Lösung“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Gemeinsam mit Oberbürgermeister und Feuerwehrdezernent Stephan Weil hatte er vor einigen Tagen Neuigkeiten zu verkünden: Die Feuer- und Rettungswache 1 am Goetheplatz wird bald Geschichte sein. Im Sommer 2014 sollen der Löschzug, die Rettungsfahrzeuge und die Mitarbeiter eine neue Wache in der Nordstadt beziehen, die bis dahin auf einem Grundstück an der Ecke Weidendamm/Kopernikusstraße entsteht. Das Grundstück gehört der Deutschen Bahn AG, die Preisverhandlungen laufen. Derzeit lässt die Stadt Gutachten zu den Altlasten im Boden erstellen.

Der Plan hat einen Clou: Oberbürgermeister Weil spricht von einem bisher bundesweit einmaligen Vorhaben. Die Stadt Hannover geht eine Kooperation mit der Continental AG ein. Das Unternehmen gliedert die Brandbekämpfung an den Standorten in Stöcken, Vinnhorst und Vahrenwald aus. In den Werken wird künftig die Feuerwehr Hannover für den Brandschutz zuständig sein und nicht mehr die unternehmenseigene Werkfeuerwehr. Teil der Vereinbarung ist, dass sich das hannoversche Traditionsunternehmen mit insgesamt zehn Millionen Euro an dem Bau der neuen Feuer- und Rettungswache 1 in der Nordstadt beteiligt. Ab 2014 wird die Stadt der Continental AG außerdem Jahr für Jahr für Personal- und Sachkosten einen Betrag von 2,35 Millionen Euro in Rechnung stellen. „Für die Stadt rechnet sich die Kooperation gut“, sagt Stadtsprecher Andreas Möser.

„Es ist an der Zeit, dass etwas passiert. In der alten Hauptfeuerwache stoßen wir räumlich immer mehr an Grenzen“, sagt Feuerwehrsprecher Hintz. Die Backsteingebäude liegen inmitten der Calenberger Neustadt. Rundherum stehen Wohnhäuser; eine Erweiterung ist nicht mehr möglich. „Aber eben dringend notwendig“, sagt Hintz. In den Garagen wird es langsam eng, die Löschfahrzeuge sind im Laufe der Zeit größer geworden, und alle paar Jahre kommen neue Maschinen dazu. Die Technik entwickelt sich weiter. Die jüngste Anschaffung ist eine Art ferngesteuerte Löschkanone für den Einsatz in U-Bahn-Tunneln – das Gerät samt Anhänger beansprucht nun einen ganzen Garagenplatz für sich.

Seit 1892 hat die Hauptwache ihren Sitz in der Calenberger Neustadt. Der damalige Branddirektor Adolf Ebeling ließ die Wache ganz nach seinen Vorstellungen bauen. Zur Eröffnung sprach er mahnende Worte: Er werde jeden „zerschmettern“, der an ihr rüttele. Wenn der werte Herr Branddirektor nun sähe, wie die Löschfahrzeuge knapp 120 Jahre später gerade noch so eben und nahezu auf den Zentimeter genau in ihre Parkboxen passen, zeigte er sich sicherlich einsichtig.

Für die Anwohner rund um die Feuer- und Rettungswache 1 wird im Juli 2014 nun ein sehr viel ruhigeres Leben beginnen – im wahrsten Sinne von weniger laut. Jedes Mal, wenn der Löschzug ausrückt, erschallen die Martinshörner, egal, ob am Tag oder mitten in der Nacht – und im vergangen Jahr immerhin rund 12 750-mal. „Das lässt sich an diesem Standort nicht anders regeln“, sagt Feuerwehrsprecher Hintz. Am Goetheplatz herrscht Kreisverkehr, eine Ampelanlage, die im Alarmfall auf Vorrang für die Feuerwehrfahrzeuge schaltet, gibt es nicht. Vor den anderen Wachen im Stadtgebiet ist das längst so geregelt. „Am Goetheplatz ist es technisch einfach nicht umsetzbar“, sagt Hintz. Um Kollisionen mit Fußgängern, Radfahrern, Autos oder der Stadtbahn zu verhindern, muss das Martinshorn erklingen. Bei der Planung der neuen Feuerwache in der Nordstadt fließt der Aspekt Ampel- und Vorrangschaltung von Anfang an mit ein. Es soll ruhig bleiben, auch im Notfall.

26.000 Quadratmeter ist das Grundstück groß, das die Stadt in der Nordstadt im Auge hat. Das ist ausreichend Platz, um dort in Zukunft nicht nur die Hauptfeuerwache unterzubringen. Oberbürgermeister Stephan Weil spielt mit dem Gedanken, eines Tages auch die Regionsleitstelle und die Verwaltung der Berufsfeuerwehr Hannover dort anzusiedeln. Beides soll vorerst noch in den Gebäuden am Goetheplatz bleiben.

Die Mitarbeiter der Feuerwehr hängen an ihrer alten Hauptwache, an dem geschlossenen Innenhof und der alten Feuerwehrschule mit den weißen Sprossenfenstern. „Es ist ein besonderes Ambiente“, sagt Feuerwehrsprecher Hintz. Auch in Zukunft soll die Feuer- und Rettungswache 1 nicht in einem Gebäude unterkommen, das allein der Zweckmäßigkeit unterworfen ist. Die Stadt wird einen Architektenwettbewerb ausloben. Aber wie attraktiv die neue Wache am Ende auch sein mag, bei der Anschrift werden die Feuerwehrleute wohl Abstriche machen müssen. Feuerwehrstraße 1 lautet ihre Adresse am Goetheplatz. Schöner geht es nicht.

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