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Aus der Stadt Stadtbahnstufen falsch geschaltet – Frau stürzt
Hannover Aus der Stadt Stadtbahnstufen falsch geschaltet – Frau stürzt
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00:22 02.05.2015
Von Michael Zgoll
So ist es richtig: Am Hochbahnsteig sind die Stufen nicht abgesenkt. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ein einfacher Knopfdruck im Führerstand einer Stadtbahn zieht jetzt einen Rechtsstreit zwischen der Üstra und einer Frührentnerin nach sich. Die Klägerin wollte am Hochbahnsteig Ahlem in eine Stadtbahn der Linie 10 steigen. Weil jedoch die Trittstufen der Bahn abgesenkt waren, stürzte die 64-Jährige in das dadurch entstandene Loch. Dabei zog sie sich eine langwierige Sprunggelenksverletzung zu. Die Üstra will den Schaden jedoch nicht in geforderter Höhe begleichen. Gestern traf man sich vor dem Amtsgericht.

Schmerzhaft muss der Sturz gewesen sein: 44 Zentimeter tief fiel die Frührentnerin in den schmalen Schacht an der Bahnsteigkante. Sie hat neun Wochen lang eine Schiene getragen und noch heute Schmerzen. Der Fahrer bemerkte den Unfall über längere Zeit nicht, erst deutlich später machten ihn andere Kunden darauf aufmerksam.

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Die Frührentnerin hat das Nahverkehrsunternehmen auf 1000 Euro Schmerzensgeld und 227 Euro Schadenersatz verklagt. Bislang, so sagt sie, habe sich die Üstra nur zur Zahlung von 700 Euro bereitgefunden. Entscheiden konnte Richter Roger Heidenreich den Fall gestern nicht: Ein Zeuge fehlte, eventuell wird noch ein Gutachter angehört.

„So ein Fehler darf nicht passieren“

Ein zweiter Zeuge allerdings war anwesend: Ein Stadtbahnfahrer, der einen zerknirschten Eindruck machte und freimütig den Fehler einräumte. Der 63-Jährige hatte seine zwei grünen Waggons am 30. April 2014 gegen 14 Uhr auf das Kehrgleis der Endstation Ahlem manövriert. Dort war er in der Pause ausgestiegen. Dazu hatte er die Trittstufen auf die Position „T“ gestellt, heißt: Beim Auslösen des Türöffnerkontakts werden die Stufen abgesenkt. Dann stieg der Fahrer wieder ein und rollte zur Endstation, um neue Kunden aufzunehmen.

Dort aber vergaß er, auf „H“ zu drücken; die Einstellung sorgt dafür, dass Passagiere an Hochbahnsteigen über eine gerade Plattform - ohne Stufen - ein- und aussteigen können. „So ein Fehler darf nicht passieren, das ist eine schlimme Geschichte“, bekannte er. Auf der Strecke signalisieren Gleismagneten den Bahnen, ob ein Hoch- oder ein Tiefbahnsteig naht - nicht aber an Kehranlagen.

Der Fahrer bemerkte schnell, dass sich die Trittstufen senkten, warnte die am ersten Wagen stehenden Kunden und korrigierte die Schalterstellung. Was sich zugleich am hinteren Zugende abspielte, so der 63-Jährige, habe er nicht sehen können. Erst eine halbe Stunde später, am Aegi, wurde der Üstra-Mann von zwei Fahrgästen über den Unfall informiert und rief einen Rettungswagen.

Nach Ansicht der Üstra hätte die Frau beim Einsteigen sehen müssen, dass die Stufen abgesenkt waren. So treffe sie zumindest eine Mitschuld. Die 64-Jährige sagt, sie habe ihren Fuß auf eine waagerechte Platte gesetzt, die erst im Moment des Betretens nach unten gerauscht sei. Ihre Anwältin Barbara Gebler-Fleischhacker hält diese Detaildiskussion für überflüssig: „Meine Mandantin musste nicht damit rechnen, beim Einsteigen in einen Abgrund zu stürzen.“

Üstra-Sprecher Udo Iwannek möchte sich nicht zu dem vor Gericht laufenden Verfahren äußern, sagt nur einen Satz: „So ein Fall ist mir noch nicht untergekommen.“

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