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Aus der Stadt Man kann über alles reden
Hannover Aus der Stadt Man kann über alles reden
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07:12 21.01.2015
Von Bernd Haase
Der Oberbürgermeister und sein Vorzeigeprojekt: Stefan Schostok beim Stadtdialog im gut besuchten VIP-Bereich der HDI-Arena.
Der Oberbürgermeister und sein Vorzeigeprojekt: Stefan Schostok beim Stadtdialog im gut besuchten VIP-Bereich der HDI-Arena. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Irgendwann während der vierten (!) Auftaktveranstaltung zum Stadtdialog „Mein Hannover 2030“ im VIP-Bereich der HDI-Arena sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok, er habe sich am Abend zuvor hingesetzt und eine Sortierung der bisher aufgekommenen Themen vorgenommen. Dann hielt er ein eng beschriebenes Blatt Papier vor die Kamera. Zu sehen gab es: eine Fülle von Stichworten, manche umkringelt, andere verbunden mit Linien. „Das ist kein Strickmuster“, erläuterte Schostok.

Das mit dem Strickmuster sollte ein Witz sein, aber vielleicht hat Schostok den inhaltlichen Stand seines Vorzeigeprojekts nach der Auftaktphase damit ganz gut zusammengefasst. Man hat über vieles geredet, aber der Dialogfluss schlängelt noch so vor sich hin. Eine Auswahl der Themen, die Schostok in der HDI-Arena selbst nannte und als interessant bezeichnete: Soziale Stadt, Integration, Wohnungsbau, Globalisierung, Kultur des Teilens, Digitalisierung. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit. Fehlende Fokussierung war ein Grund dafür, dass sich das Publikum gegenüber der Aufforderung, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren, eher reserviert verhielt.

Rund 500 Besucher waren in die HDI-Arena gekommen, darunter viele bekannte Gesichter aus Rat und Verwaltung, von Vereinen und Interessensgruppen. Unter dem Motto „Unsere Stadt, unsere Themen“ diskutierte Schostok mit seinen Amtskollegen Ulrich Maly aus Nürnberg und Boris Palmer aus Tübingen sowie der ehemaligen Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Weil der Franke und der Schwabe, beide viel gebuchte Talkshow-Gäste, die ersten Plätze bei jedem Eloquenzwettbewerb unter Deutschlands Verwaltungschefs unter sich ausmachen würden, wurde es streckenweise unterhaltsam.

Maly zum Beispiel, ehemals Kämmerer seiner Heimatstadt, verblüffte das an Spardebatten gewöhnte hannoversche Publikum in Sachen Finanzpolitik. „Eine Festlegung auf Nullverschuldung ist ein Akt der politischen Selbstkastration“, sagte er zum Thema Kreditaufnahme. Es sei nichts Verwerfliches daran, an der Finanzierung neuer Schulen über die später fälligen Kreditzinsen auch diejenigen zu beteiligen, die sie nutzen.

Wie Maly hat Palmer Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung. „In der Universitätsstadt Tübingen gibt es den höchsten durchschnittlichen Intelligenzquotienten in Deutschland. Dort wohnen viele Menschen, die wissen, wie es besser geht und das auch gut formulieren können.“ Einig war er sich mit Maly, dass es kein Patentrezept für eine gelungene Bürgerbeteiligung gibt. Es komme auf den Einzelfall an; außerdem müssten Verwaltung und Ratspolitik das Heft in der Hand behalten. „Die Aufforderung zu unbürokratischen Lösungen ist oftmals eine zum Rechtsbruch“, sagte Maly.

Rund 50 Veranstaltungen sind geplant

Mit der Veranstaltung im Stadion hat der Stadtdialog seine Auftaktphase hinter sich. Bis zum Herbst folgt nun die 
sogenannte Dialog- und Konzeptphase, also rund 50 Foren, Workshops und Onlinedialoge, an denen sich jeder beteiligen kann. Alle Ergebnisse will die Stadt dokumentieren und in Teil drei auswerten, der sogenannten Konzept- und 
 Entscheidungsphase. Über den daraus resultierenden Konzeptentwurf 
 „Hannover 2030“ soll erneut öffentlich debattiert werden, bevor dann der Rat bis zum Sommer 2016 über Hannovers Weg in die Zukunft entscheidet.
Informationen zu einzelnen Terminen und zum gesamten Stadtdialog stehen unter www.meinhannover2030.de im Internet. Als Ergänzung erscheint alle zwei Monate eine Zeitung mit einer Auflage von 15 000 Exemplaren. Die erste 
 Ausgabe liegt seit Anfang der Woche vor und ist in Bürgerämtern, Stadtteilbibliotheken, Freizeitheimen sowie 
weiteren öffentlichen Einrichungen 
erhältlich.

Bernd Haase 21.01.2015
Michael Zgoll 23.01.2015