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Aus der Stadt Stadtentwässerer gehen gegen Kanalgestank vor
Hannover Aus der Stadt Stadtentwässerer gehen gegen Kanalgestank vor
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21:52 01.06.2015
Von Conrad von Meding
In einigen Bereichen der Kanalisation herrscht zuweilen Wassermangel.
In einigen Bereichen der Kanalisation herrscht zuweilen Wassermangel. Quelle: Hagemann
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Hannover

Die ätzenden Substanzen belästigen nicht nur die Nasen der Passanten, sie greifen auch die unterirdischen Bauwerke an. Ein Gutachter untersucht für die Stadtwerke seit vergangenem Jahr Strategien gegen das Geruchsproblem – mit Erfolg. Offenbar werden spezielle Entlüftungsschornsteine wahrscheinlicher, die etwa in der Altstadt oder im Bereich des Lister Damms installiert werden könnten. Sie sollen die faulige Luft hoch über die Hausdächer transportieren. Damit würden sowohl die Gestanksprobleme reduziert als auch mehr Zirkulation in den Kanälen ermöglicht.

Im „Lagebericht der Stadtentwässerung“, den der kommunale Eigenbetrieb am Montag den Ratspolitikern vorgestellt hat, ist von „mehrwöchigen Messreihen“ die Rede, die es 2014 etwa an der Karmarschstraße oder am Lister Damm gegeben hat. Betriebsleiter Helmut von Roden bestätigte am Montag, dass die Messreihen in diesem Jahr fortgesetzt werden. „Schließlich geht es nicht darum, für 30 Euro Gelmatten gegen den Gestank in Kanaldeckel zu hängen, sondern Bauwerke für einige Hunderttausend Euro zu errichten.“

Ursache für den Gestank ist unter anderem der ständig sinkende Wasserverbrauch infolge von Sparspülungen in Toiletten und Sparperlatoren an Wasserhähnen. An einigen Tagen treibt das stinkende Abwasser Hannovers wegen Wassermangels zu träge in den Kanälen und gärt kräftig vor sich hin. Wenn dann noch sogenannte Inversionswetterlagen hinzukommen, in denen sich der Luftdruck ändert, drückt der Gestank an die Oberfläche. „In den Cafés der Karmarschstraße mag man dann manchmal keinen Kaffee trinken“, räumt von Roden ein. In anderen Städten gebe es bereits gute Erfahrungen mit Ventilationsschornsteinen, jetzt solle auch in Hannover damit experimentiert werden. In dicht bebauten Gebiete wieder Altstadt allerdings sollen keine kräftigen Schlote an den Straßenrand gebaut werden. Denkbar sind  etwa zusätzliche Rohre neben den Dachrinnen. Wie stark der Durchmesser sein muss, kann ein Ergebnis der Messreihen sein.

Steigen die Gebühren?

Im vergangenen Jahr haben die Stadtentwässerer einen Jahresgewinn von 10,96 Millionen Euro erwirtschaftet – obwohl 1,2 Millionen Euro mehr in Kanalreparaturen investiert wurden als eingeplant. Unter anderem konnte beim Material und überraschend auch beim Personal erheblich gespart werden. Trotzdem könnte es sein, dass im nächsten Jahr die Gebühren für Abwasser und Niederschlagwasser steigen. Diese werden stets für einen Dreijahreszeitraum kalkuliert, der jetzt endet. Bis November wolle man den Kommunalpolitikern die Gebührenkalkulation für die Jahre 2016 bis 2018 vorlegen, sagte der kaufmännische Leiter Gerhard Tebbenhoff am Montag.

21.02.2018
Conrad von Meding 04.06.2015