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Aus der Stadt Von den Erwachsenen lernen
Hannover Aus der Stadt Von den Erwachsenen lernen
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00:15 07.03.2015
Schüler der IGS Kronsberg sprechen mit „Lebenden Büchern“ – hier: Rapper Spax.
Schüler der IGS Kronsberg sprechen mit „Lebenden Büchern“ – hier: Rapper Spax. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Er ist eines der 15 „lebenden Bücher“, die an dem Projekt Living Library in der Stadtbibliothek im Stadtteilzentrum Kronsberg teilnehmen. In dieser besonderen Bibliothek können sich die 170 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen die Bücher in kleinen Gruppen für jeweils 40 Minuten ausleihen. Menschen als Informationsträger stellen sich für ein Gespräch zur Verfügung und berichten aus ihrem beruflichen und privaten Leben. Heidmar Felixson wurde in Island geboren und hat dort schon mit fünf Jahren begonnen, Handball zu spielen. Sein Karrierehöhepunkt sei 2001 die WM in Frankreich gewesen.

Die Schüler gucken ihn mit großen Augen an. Schüchtern hebt der eine oder andere die Hand, um Felixson eine Frage zu stellen. „Was waren deine schlimmsten Rückschläge?“ Ein kleiner blonder Junge liest die Frage von seinem Zettel auf dem Schoß ab. „Das waren meine acht Operationen“, antwortet Felixson und erklärt den Schülern, dass es wichtig sei, mit Rückschlägen umgehen zu können.

Genau das ist eines der Ziele des Projektes. Zu lernen, wie man Krisen bewältigen kann, und zu lernen, mit Erfolg umzugehen. Außerdem geht es um die Förderung von Toleranz, lebendige Wissensvermittlung und das Kennenlernen von verschiedenen Lebensläufen und Schicksalen. „Junge Menschen sollen einmal von Erwachsenen hören, wie das Leben so spielen kann“, sagt Hiltrud von Hofen von der Stadtbibliothek.

Die Wendungen im Leben

In einem anderen Raum der Bibliothek bereitet sich Rapper Rafael Szulc-Vollmann alias Spax darauf vor, „ausgeliehen zu werden“. Schnell huschen die Schüler an ihm vorbei und setzten sich auf ihre Plätze. Spax berichtet von seinem Einstieg in die Rappszene, seiner ersten Aufnahme im Tonstudio und seinen Vorbildern. „Ich halte Eminem für einen wahnsinnig talentierten Rapper“, sagt er, von einem Mädchen danach gefragt. Die Schüler hängen an seinen Lippen. Spax redet schnell und laut. Seine Hände bewegen sich rhythmisch dazu. So, als würde er gerade rappen. Er berichtet von überraschenden Wendungen in seinem Leben. „Auf einmal wurde ich gefragt, ob ich nicht in Afrika Deutschkurse geben will. Und das, obwohl ich immer nur eine drei oder vier in Deutsch hatte“, sagt er lachend. Auch die Schüler müssen bei dieser Vorstellung kichern. Unter anderem leitete Spax für das Goethe-Institut auch Workshops in Portugal und Neuseeland.

„Warum machen Sie eigentlich heute hier mit?“, fragt ein Schüler mit selbstbewusster Stimme. Spax antwortet:“ Ich wollte euch einfach mal von Dingen erzählen, die ich früher gerne als Kind von Erwachsenen gehört hätte.“ Die Jugendlichen nicken zustimmend.

Joana Harmening

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