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Aus der Stadt Scharfe Kritik an Dauerbaustelle auf der A2
Hannover Aus der Stadt Scharfe Kritik an Dauerbaustelle auf der A2
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00:15 02.06.2015
Behinderungen programmiert: Im Juni stehen auf der A 2 in Richtung Berlin (links) nur zwei Spuren zur Verfügung. Quelle: Foto: Schaarschmidt
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Hannover

Autofahrer in der Region müssen sich in den kommenden Wochen und Monaten auf starke Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn 2 einstellen. Vom 8. Juni an lässt die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Fahrbahndecke der Spuren in Richtung Berlin zwischen dem Autobahndreieck Hannover-West und der Anschlussstelle Langenhagen erneuern. Dadurch werden auf diesem Streckenabschnitt bis Ende September nur zwei Spuren in jede Richtung befahrbar sein. Vor allem die Wahl der Bauzeit, die in die Sommerferien aller Bundesländer fällt, stößt auf Kritik. „Wir haben ohnehin schon sehr viel Verkehr auf der A 2“, sagt Christiane Rettig, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) Niedersachsen. „Warum wird solch eine Maßnahme dann gerade während der Hauptreisezeit durchgeführt?“

Grund für die lange Dauer der Bauarbeiten ist nach Informationen der Landesbehörde, dass nicht nur die Fahrbahndecke saniert werden muss, sondern auch die darunterliegenden Betonplatten teilweise ausgetauscht werden. Insgesamt kostet die Erneuerung des 3,7 Kilometer langen Abschnitts 3,1 Millionen Euro, die aus der Bundeskasse bezahlt werden. „Natürlich sind solche Sanierungen nötig und auch wichtig“, sagt Rettig. „Aber wieso werden sie nicht besser geplant, damit nicht an mehreren Stellen auf ein und derselben Autobahn zur gleichen Zeit gebaut wird.“

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Die Baustelle zwischen dem Dreieck West und Langenhagen ist nicht die einzige in diesem Sommer. Schon seit vergangenen Mittwoch wird eine Brücke zwischen dem Kreuz Hannover-Ost und der Anschlussstelle Lehrte saniert. Die Verkehrsmanagementzentrale erwartet, dass es dort noch bis zum 20. Juni zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommt.

Nur einen Tag, bevor diese Baustelle  eingerichtet worden ist, waren erst die Baken im Autobahnabschnitt zwischen Bad Nenndorf und Wunstorf-Luthe abgebaut worden. Dort hatte die Straßenbaubehörde auf einer Länge von mehr als 7 Kilometern ebenfalls die Fahrbahndecke erneuern lassen. Das Gleiche hat die Behörde auch vom 10. September bis zum 10. Oktober auf dem Teilstück zwischen Wunstorf-Kolenfeld und Garbsen vor. „Gerade bei der Baustelle bei Wunstorf haben wir wieder festgestellt, wie schnell es wegen einer Baustelle zu Staus kommen kann“, sagt Rettig. Immer gab es an den Stauenden dort auch Unfälle, weil unaufmerksame Fahrer die stehenden Wagen übersahen. Ein Phänomen, das nicht erst seit den Bauarbeiten östlich der Landeshauptstadt zu beobachten ist.

Im vergangenen Jahr war Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) in die Kritik geraten, nachdem es eine Serie von Unfällen auf der A 2 zwischen den Anschlussstellen Hämelerwald und Lehrte-Ost gegeben hatte. Der Abschnitt dort wurde saniert und auf vier Spuren erweitert. Während der Bauarbeiten kam es zu vielen schweren Unfällen, bei denen mehrere Menschen starben und mehr als ein Dutzend schwer verletzt wurden. Um dieses Problems Herr zu werden, besserte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr damals immer wieder bei den Sicherheitsmaßnahmen nach.

Immer wieder kommt es auf der A2 zu schweren Unfällen: Eine Übersicht über die schlimmsten Zusammenstöße.

Dieser Fehler soll bei der Baustelle zwischen Hannover-West und Langenhagen offenbar nicht gemacht werden. Die Behörde hat angekündigt, schon 7 Kilometer vor dem Beginn der Baustelle Schilder aufzustellen und mit gelben Markierungen den Verkehr so zu lenken, dass möglichst keine Staus entstehen. Zudem werden Stauwarnanlagen an der A 2 und der A 352 in beiden Fahrtrichtungen aufgestellt. Um die Fernfahrer, die auf der A 2 unterwegs sind, zusätzlich zu warnen, sollen mehrsprachige Ansagen über den von Lkw-Fahrern genutzten CB-Funk gesendet werden.

2029 von 2815 Unfällen auf A 2

Die Polizeidirektion Hannover ist für insgesamt 330 Kilometer Autobahn in der Region Hannover zuständig. Jeden Tag passieren etwa 330 000 Verkehrsteilnehmer dieses Gebiet, 45 000 davon sind Lastwagen.
Im vergangenen Jahr gab es auf den Autobahnen in der Region insgesamt 2815 Unfälle, 2029 davon ereigneten sich auf der A 2. Auch der Anteil der getöteten Verkehrsteilnehmer und der Schwerverletzten zeigt, wie gefährlich die Ost-West-Verbindung durch Niedersachsen ist.

12 Menschen verloren 2014 ihr Leben, 10 davon auf der A 2, 68 wurden schwer verletzt, 53 auf der A 2.

Grund für die schweren Unfälle sind aber nicht allein die Staus. „Zu hohe Geschwindigkeiten, abgelenkte Fahrer und zu geringer Sicherheitsabstand sind die Hauptunfallursachen“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg. In Verbindung mit der extrem hohen Verkehrsdichte auf der Strecke zwischen Bad Nenndorf und Hämelerwald kommt es dann immer wieder zu verheerenden Unglücken – auch weil einige Fernfahrer sich der Gefahr offenbar nicht immer bewusst sind. Beamte der Autobahnpolizei berichten immer wieder von Lastwagenfahrern, die am Steuer SMS schreiben, sich Essen zubereiten oder sogar Bücher lesen oder fernsehen.

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