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Aus der Stadt Stein des Haarmann-Jägers steht wieder
Hannover Aus der Stadt Stein des Haarmann-Jägers steht wieder
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22:01 07.08.2013
Von Conrad von Meding
Zurückgekehrt:  Stiftungschef Marco Schmidt am wieder  aufgearbeiteten Grabstein von  Kriminal­kommissar Heinrich Rätz. Quelle: Surrey
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Hannover

Jetzt hat das St.-Nikolai-Stift den Stein aufarbeiten und als Gedenkstein auf dem Nordstädter Friedhof An der Strangriede wieder aufstellen lassen.

HAZ-Leser Holger Büsing war bei einem Friedhofsbesuch im Februar aufgefallen, dass der Grabstein verschwunden war, der so eng mit der Geschichte des Hackebeil-Mörders verknüpft ist. Er fand den Stein in einer Friedhofsecke, bereit zum Abtransport. Meist wird Straßenschotter aus ausrangierten Grabsteinen gefertigt, oft nehmen Steinmetze sie auch als Übungsobjekte für Lehrlinge. Büsing war alarmiert: „Hannover hat schon das Hackebeil verloren, als die Polizeihistorische Sammlung ausgelagert wurde“, sagte der Hobbyhistoriker damals: „Jetzt sollten wir zumindest das Andenken an den ermittelnden Kommissar erhalten.“

Im St.-Nikolai-Stift, zu dem der Neue Nikolaifriedhof gehört, war die Bedeutung des Steins nicht bekannt gewesen. Geschäftsführer Marco Schmidt sagte damals spontan zu, den Stein erhalten zu wollen, wenn die Angehörigen nichts dagegen hätten. Sie hatten nicht. Jetzt hat ein Steinmetz zu Wochenbeginn das schwere Monument ganz in der Nähe seines Ursprungsorts wieder aufgestellt.
Die Mordserie von Fritz Haarmann gehört zu den dunkelsten Kapiteln der jüngeren Stadtgeschichte. Haarmann hatte in den zwanziger Jahren mindestens zwei Dutzend junge Männer totgebissen und mit dem Hackebeil zerkleinert, ihr Fleisch angeblich zu Lebensmitteln verarbeitet, ihre Habseligkeiten verkauft und ihre Knochen in der Leine entsorgt. Als Polizeispitzel blieb er lange Zeit unentdeckt, trotz mehrerer Hinweise aus der Bevölkerung wurde lange Zeit nicht ernsthaft gegen ihn ermittelt. Erst auf eindeutige Zeugenaussagen hin nahm die Polizei Haarmann im Sommer 1924 fest. Die wochenlangen Vernehmungen wurden von Kriminalkommissar Rätz geleitet, der schließlich genug Beweise für ein Todesurteil zusammentrug. Haarmann wurde am 15. April 1925 wegen Mordes in 24 nachgewiesenen Fällen hingerichtet.

Der St.-Nikolai-Friedhof lag einst an der Goseriede. Auf ihm sind bedeutende Grabanlagen hannoverscher Familien zu finden, etwa Bahlsen, Sprengel, Benecke, Stier oder Siebrecht.

Andreas Schinkel 07.08.2013
Stefanie Nickel 07.08.2013
Mathias Klein 07.08.2013