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Aus der Stadt „Flüchtlinge von heute sind Nachbarn von morgen“
Hannover Aus der Stadt „Flüchtlinge von heute sind Nachbarn von morgen“
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00:18 05.10.2014
Von Felix Harbart
Foto: Stephan Weil: „Wir wissen aus Erfahrung: Die Flüchtlinge von heute sind die Nachbarn von morgen."
Stephan Weil: „Wir wissen aus Erfahrung: Die Flüchtlinge von heute sind die Nachbarn von morgen." Quelle: Philipp von Ditfurth
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Bevor es in medias res geht, will Stephan Weil noch etwas loswerden: „Ich bedanke mich bei den Anwohnern des Festes ganz herzlich für ihr Verständnis“, sagt Niedersachsens Ministerpräsident. „Ich weiß, dass das hier für sie kein Zuckerschlecken ist.“ Es ist Donnerstag, später Nachmittag, und nebenan am Aegi bildet sich gerade ein fulminanter Verkehrsstau.

Dann aber kann Weil, noch amtierender Bundesratspräsident, im Zelt des Bundesrates endlich mit drei jungen Frauen über Flüchtlingspolitik diskutieren. 18.000 neue Flüchtlinge wird allein sein Land in diesem Jahr insgesamt aufnehmen müssen, bis hierher waren es 9000. Weil wirbt dafür, diese Menschen nicht nur kurzfristig ordentlich unterzubringen, sondern auch, dafür zu sorgen, dass sie "bei uns auch wirklich ankommen". Viele Flüchtlinge früherer Jahrzehnte seien in Deutschland geblieben und hier heimisch geworden. „Wir wissen aus Erfahrung: Die Flüchtlinge von heute sind die Nachbarn von morgen", sagt Weil.

Ein paar politische Botschaften hat Weil auch mitgebracht. So rügt er die Flüchtlingspolitik verschiedener europäischer Länder, ohne eines beim Namen zu nennen. „Einige machen sich einen schlanken Fuß", meint Weil und mahnt einheitliche Standards beim Umgang mit Flüchtlingen für alle EU-Länder an. Als die handverlesenen Jugendlichen fragen, warum eigentlich nicht jeder Flüchtling dauerhaft in Deutschland bleiben kann, tritt Weil dennoch auf die Bremse. Die Erfahrung der frühen neunziger Jahre zeige, dass es in Deutschland wie überall ein gewisses Maß an Ausländerfeindlichkeit gebe. "Auch diese Gesellschaft stößt irgendwann an Grenzen", sagt Weil - nur seien diese Grenzen derzeit noch nicht erreicht. "Wir sind sehr viel offener geworden seit den Neunzigern", sagt Weil. "Aber wir müssen noch offener werden."

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