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Aus der Stadt Stephan Weil verabschiedet sich aus dem Rathaus
Hannover Aus der Stadt Stephan Weil verabschiedet sich aus dem Rathaus
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19:10 31.01.2013
Von Gunnar Menkens
Abschiedsparty im neuen Rathaus: Nach sechs Jahren Amtszeit als Oberbürgermeister von Hannover hat Stephan Weil am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag.
Abschiedsparty im neuen Rathaus: Nach sechs Jahren Amtszeit als Oberbürgermeister von Hannover hat Stephan Weil am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. Quelle: Surrey
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Hannover

Am Mittag wurde noch aufgebaut, die Rathaushalle war ein Gewirr aus Kabeln, Absperrungen, Lautsprechern, Blumen, Lampen und Menschen  die alles zusammenbringen müssen. Gegen 18 Uhr muss alles fertig sein, dann ist das Rathaus offen für alle,einige Hundert Bürger werden erwartet.

Am Morgen gegen 8.30 Uhr trafen sich die Dezernenten in seinem Büro – nicht um, wie sonst üblich, Themen der vergangenen und folgenden Woche zu besprechen, sondern um bei einem Frühstück ein letztes Mal in dieser Runde zusammenzusitzen und ein Geschenk zu überreichen. Die Dezernenten hatten zusammengelegt und ihrem Chef einen Stich von der Marktkirche überreicht. Für Weil ist sie ein zentrales Gebäude Hannovers und da Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) von dieser Einschätzung wusste, lag er beim Kauf des Bildes richtig.

Zwei Stunden später traf sich der noch amtierende Oberbürgermeister mit Journalisten.

Stephan Weil: Kämmerer, Oberbürgermeister von Hannover - und neuer Ministerpräsident.

Sechs Jahre lang war Stephan Weil Stadtoberhaupt, zehn Jahre zuvor Kämmerer und nun ist da dieser letzte Tag in den Räumen eines Gebäudes, das er immer für ein großartiges Gebäude gehalten hat. "Das ist schon ein komisches Gefühl heute. Ich glaube, Wehmut trifft es ganz gut", sagte er bei Tee, Schnittchen und härteren Speisen wie Rührei mit Speck. Die Geschäfte im Rathaus hatte er schon Anfang Januar seinen Kollegen übertragen, "seitdem quatsche ich da nicht mehr rein". Sein Geschäft war in den vergangenen Wochen war Wahlkampf. Bald ist Weil Ministerpräsident von Niedersachsen, jedenfalls dann, wenn die knappe rot-grüne Mehrheit im Landtag ihn im Februar wählt.

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) hat seinen letzten Tag im Rathaus. Es ist kein Tag der Arbeit, es sind Stunden des Abschieds, die am Abend mit einem 40.000 Euro teuren Bürgerfest enden.

Nach einer Stunde Geplauder  war Schluss. Das Rathauspersonal deckte ab, um neu einzudecken für die nächste Abschiedsrunde. Mittagessen. Diesmal waren die Chefs der städtischen Tochtergesellschaften zu Gast, in geschlossener Runde. Um 15 Uhr ging es weiter, dann folgte im Ratssaal die Verabschiedung vom Rat der Stadt Hannover. Um kurz vor 16.00 Uhr ging er, gefolgt von einem Medientroß, und beschenkt mit einem Fußball mit den Unterschriften aller 64 Mitglieder, von links bis rechts. Dazu legte Bürgermeister Bernd Strauch einen Solarrucksack und ein Buch: "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling, ein Wanderfreund wie Weil. Der Oberbürgermeister hatte Strauch zuvor empfohlen, "nicht solange zu machen" mit seiner Abschiedsrede. Strauch hielt sich daran. Er lobte die "intellektuelle Brillanz und ironische Heiterkeit" von Weil und seinen Einsatz für die Stadt. "Es geht ein hoch angesehener und leistungsstarker Oberbürgermeister".

Weil lobte in seiner Abschiedsrede als Oberbürgermeister den Zustand der Stadt, den Zuwachs an Bevölkerung, erklärte die Integrationspolitik zu einem der wichtigsten Ziele der Stadt und warnte davor, in Zukunft die Gewerbesteuer zu erhöhen. Von Rührung war nichts zu spüren, Weil blieb sachlich. Dann ging er. "Machen Sie es gut und tschüß." SPD und Grüne standen zu standing ovation auf, die Opposition blieb sitzen. Der Rat tagte weiter, der demnächst ehemalige Oberbürgermeister von Hannover ging in sein Büro, ein paar Räume weiter auf demselben Flur.