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Aus der Stadt Stickereien von Kurfürstin Sophie zu sehen
Hannover Aus der Stadt Stickereien von Kurfürstin Sophie zu sehen
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00:19 04.09.2014
Von Simon Benne
Pastorin Martina Trauschke präsentiert in der Neustädter Hof- und Stadtkirche Stickereien von Kurfürstin Sophie. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Der Abt von Loccum war ganz außer sich vor Begeisterung: In einem überschwänglichen Brief machte sich Gerhard Wolter Molanus daran, seiner Herzogin eine „geziemende, demütigste dancksagung abzustatten“. Er sei voller Freude, „daß diesem guten Closter eine solche glücksehligkeit widerfahren sey“, schrieb er am 3. Januar 1692 nach Hannover. Sophie hatte der Loccumer Kirche ein paar Wochen zuvor ein besonderes Geschenk gemacht: Eigenhändig hatte sie ein Altartuch für das Gotteshaus gestickt. Die machtbewusste Frau, die ganz handfest Politik trieb und mit dem großen Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz parlierend durch die Herrenhäuser Gärten wandelte, war auch eine begnadete Handarbeiterin. Sticken war für sie weit mehr als ein Hobby. Es gehörte unter adeligen Damen zum guten Ton; die Arbeiten von aristokratischer Hand dienten der Repräsentation bei Hofe.

Die Neustädter Kirche zeigt zu den Leibniz-Festtagen eine monumentale Stickarbeit von Hannovers großer Herzogin Sophie.

Damals wurde das Tuch feierlich zum Weihnachtsgottesdienst am Altar der Loccumer Kirche aufgehängt. Später nahm man es ab, der Altar wurde 1851 umgestellt, das Tuch geriet in Vergessenheit. Jetzt wird die Preziose erstmals seit mindestens anderthalb Jahrhunderten wieder öffentlich gezeigt: Pünktlich zu den Leibniz-Festtagen, die gestern in der Neustädter Hof- und Stadtkirche mit einem Vortrag des Publizisten Eike Christian Hirsch begannen, ist das 6,13 Meter lange Antependium, das sonst in Loccum verwahrt wird, wieder zu sehen - passenderweise am Altar der Kirche.

„Die Stickarbeit zeugt vom Selbstbewusstsein einer Frau, die von der Frühaufklärung inspiriert ist“, sagt Pastorin Martina Trauschke. Das Tuch, das die spätere Kurfürstin in mühseliger Kleinarbeit mit rund 400.000 Stichen verzierte, wirkt dabei gar nicht wie ein sakrales Kunstwerk: Sophie war Kalvinistin, und nach dem reformierten Katechismus waren religiöse Bildmotive verpönt. Stattdessen dekorierte sie das Tuch mit Blütenornamenten, geometrischen Bändern - und einer Unmenge von Bildern, die Porzellangefäße zeigen. Genau ein solches Porzellankabinett ließ sie sich vier Jahre später, beim Bau des Herrenhäuser Galeriegebäudes 1695, in dessen Westflügel einrichten.

Ganz ohne Glauben ging es bei der toleranten Kalvinistin Sophie dann aber doch nicht: Ein Medaillon auf dem Altartuch zeigt eine Gartenlandschaft, die in ein mildes Abendrot getaucht ist - eine Anspielung auf ihren italienischen Wahlspruch „Senza turbarmi al fin m’accosto“ - „Ohne mich verwirren zu lassen, nähere ich mich dem Ende“. In der barocken Frömmigkeit ihrer Zeit lagen weltlicher Glanz und Todesnähe eng beieinander. Davon zeugt auch der teils morbide Briefwechsel, der sich zwischen der Herzogin und dem Loccumer Abt um das Altartuch entspann: Sophie habe mit der Stickerei mehr für ihre Unsterblichkeit getan, als wenn sie einen Palast aus Marmor errichtet hätte, schmeichelte ihr der Klostermann. Ihre nüchterne Antwort: „Wenn mich die Würmer gegeßen haben, so werden sie auch meiner arbeit nicht schonen.“

Sophies Altartuch ist in der Neustädter Hof- und Stadtkirche bis zum 24. September zu sehen. Informationen unter (05 11) 1 71 39. Die Leibniz-Festtage werden dort am Mittwoch, 10. September, 20 Uhr fortgesetzt: Claudia Kaufhold und Michael Kempe referieren dann über Leibniz und den Komponisten Agostina Steffani.

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