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Aus der Stadt Das trägt Hannover diesen Winter
Hannover Aus der Stadt Das trägt Hannover diesen Winter
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00:15 20.12.2014
Entenkunst nennt Lisa Duckart (23) ihren Modestil in Anlehnung an ihren Nachnamen. Die quietschgelbe Mütze hat die Jurastudentin in einem Secondhandladen in Hamburg gefunden – und musste sie einfach haben.
Entenkunst nennt Lisa Duckart (23) ihren Modestil in Anlehnung an ihren Nachnamen. Die quietschgelbe Mütze hat die Jurastudentin in einem Secondhandladen in Hamburg gefunden – und musste sie einfach haben. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Es ist ja nicht so, als wären den Designern die Ideen ausgegangen. Jedenfalls dauert es nicht lang, bis Catharina Rüß, Dozentin an der privaten Modeschule Fahmoda, die Trends für den Winter aufgezählt hat. Sie spricht von der modischen Neuinterpretation der sechziger und siebziger Jahre. Von der Wiederentdeckung der Marlene-Dietrich-Hose. Von Kleidern aus Brokat und Samt. Von Rot als neuer Trendfarbe. Von Glamrock und Disko, Nieten und Leder. Dann hält Rüß inne. Denn es gibt da ein Problem: Getragen wird das, was auf den großen Schauen gezeigt wird, auf den Straßen kaum. Die Leute wollen keinen Glamrock, sie wollen es sich gemütlich machen.

Die neue Lust am Lümmeln

Cocooning nennen Trendforscher die Tendenz, sich aus der Öffentlichkeit vermehrt ins Privatleben zurückzuziehen, es sich zu Hause kuschelig zu machen. Auf die neue Lust am Lümmeln hat nun auch die Modeindustrie reagiert. Und bietet in der Wintersaison Strick in allen möglichen Variationen an. Ob Zopfmuster, Rippstrick oder grobe Masche – Hauptsache, der Pullover ist flauschig und bequem. Längst sind es nicht nur die Pullover, die in Strickoptik daherkommen. In den Regalen der Modehäuser liegen auch Hosen aus Strick.

Warm und kuschelig mögen es die Hannoveraner diesen Winter. Und legen dabei Wert auf ihren eigenen Stil.

„Sofalümmelhosen“ nennt Rüß die Hosen in Pyjama-Wellness-Optik etwas abschätzig. Denn die Hosen sind nicht für zu Hause, sondern für die Straße gemacht. „In einer Zeit der ständigen Selbstoptimierung gibt es eine große Sehnsucht nach Ruhe und Gemütlichkeit“, sagt Rüß. „Die neue Strickmode bedient genau das.“ Dazu passt auch die Schuhmode. Die Moonboots sind mit weichem Lamm- oder Schaffell gefüttert, bunte Kordeln, Tierprints und Lederapplikationen sollen sie zum Hingucker machen. Von einem „großen Bedürfnis nach Bequemlichkeit“ spricht denn auch Volker Feyerabend, Professor für Modeillustration an der Hochschule Hannover. „Man will sich auch auf der Straße wie zu Hause fühlen.“

Kai Schmelz (31) hat eine Vorliebe für skandinavische Mode. Er mag klare Schnitte und schnörkelloses Design. Quelle: Wallmüller

Während Yves Saint Laurent also den Glamrock feiert, hat die Gemütlichkeit Einzug gehalten in die Kleiderschränke. Und nicht nur das: Eine Generation hat die Spießigkeit für sich entdeckt. Die Haare lang und geglättet, die Jeans eng anliegend, der Parker mit Fellapplikationen versehen, und am Armgelenk baumelt eine kleine Tasche – am besten von Longchamp. Bloß nicht unangenehm auffallen, bloß nicht anecken – scheint das Credo zu sein. „Es fehlt die Lust am Risiko, die Bereitschaft zu experimentieren“, sagt Rüß. „Der Wille, schön und beliebt zu sein, ist vielleicht so groß wie nie zuvor.“

Wenig Platz für grüne Haare

Für grüne Haare und Sex, Drugs und Rock 'n' Roll ist in der Mode derzeit wenig Platz. Die Norm ist vielerorts das Ziel. Die Marketingabteilungen der großen Modeunternehmen haben bereits einen Begriff für die neue Spießigkeit gefunden. „Normcore“ heißt er. Gefeiert wird der kantenlose Biedermeier-Look. Feyerabend, der bereits für Jil Sander gearbeitet hat, kann über die Normcore-Bewegung nur die die Stirn runzeln. „Ich wünsche mir mehr Vielfalt“, sagt er.

Die Kleiderschränke von Alicya Wardyn (37) und Andreas Heidenreich (44) sind groß und wahre Fundgruben. Quelle: Wallmüller

Die dänische Trendforscherin Li Edelkoort, die unter anderem für Gucci arbeitet, attestiert der Mode gar eine „tiefe Krise“. In einem Interview mit dem Modemagazin „Metal 32“ findet die in Paris lebende Edelkoort drastische Worte: „Die fünf Jahre nach der Finanzkrise haben die Modehäuser umgebracht.“ Statt Mode mit eigenen Kreationen gebe es nur noch Styling. „Wir haben jetzt eine Generation, die alles mixt.“

Von Stefanie Nickel

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