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Aus der Stadt So haben HAZ-Leser den Streik erlebt
Hannover Aus der Stadt So haben HAZ-Leser den Streik erlebt
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09:28 16.03.2018
Quelle: Heidrich
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Hannover

  Wie kommt man ohne Üstra und ohne Auto zur Arbeit? Viele HAZ-Leser hat der Streik im öffentlichen Dienst in Hannover vor große Herausforderungen gestellt. Wir haben bei Facebook gefragt, wie die Menschen in Hannover den Tag erlebt haben – und zahlreiche Reaktionen erhalten. Und nicht alle fielen negativ aus.

Busse und Bahnen der Üstra fahren nicht, der Müll bleibt liegen: Die Beschäftigten verleihen ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt in den Tarifverhandlungen mit einem Warnstreik in Hannover Gehör.

So zum Beispiel bei Anni Wiegand. „Also ich finde den Streik natürlich auch nicht so toll. Ich habe aber in der HAZ-Mitfahrzentrale zum Streik der Üstra am Mittwochabend eine nette Person kennengelernt, die mich Donnerstagfrüh mit zur MHH genommen hat. Wir haben uns total nett unterhalten, das war ein sehr angenehmer Morgen im Gegensatz zur Anonymität und des Gedränges in den Bahnen und Bussen!“, schreibt sie der HAZ.

Auch Jaqueline Biering kann von netten Erfahrungen berichten: „Ich bin nach einer Stop&Go-Fahrt zum Streiken gegangen, habe viele interessante Leute getroffen und bin danach teils zu Fuß, teils mit dem Taxi nach Hause gekommen. Die Menschen waren erstaunlich angenehm drauf, trotz Müll vor der Tür und fehlender Öffis.“

Anassa Ba zeigt sich ebenfalls positiv gestimmt: „Ich fand’s ehrlich gesagt toll, zur Abwechslung so viele Menschen morgens zu Fuß oder auf dem Rad zu sehen. Die Stadt wirkte so viel lebendiger. Und zum Glück hat das Wetter mitgespielt.“

Langes Warten im Stau

Bei vielen anderen war der Alltag durch lange Wartezeiten im Auto geprägt. „Ich stand im Stau... Zweimal...“, schreibt etwa Martin Bergen. Auch bei Angelika Klein lief es nicht besser. „Zum Glück fuhren die Regiobusse, sonst hätte ich vom Hauptbahnhof bis nach Ahlem laufen müssen. Trotzdem braucht ich mit dem Bus eine halbe Stunde. Mega viel Stop and Go“, schreibt sie. 

Gleich mehrere Leser hatten keine Lust auf den Stress und sind lieber zu Hause geblieben, wie sie auf der HAZ-Facebook-Seite schreiben. 

Andere haben improvisiert und mal ganz neue Fortbewegungsmittel ausprobiert. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Kai-Olaf Stehrenberg berichtet: „Ich wollte auf Nummer sicher gehen und habe mir bereits am Mittwoch ein Call a bike gemietet, in unserem Keller abgestellt und gedacht, nun kann mir nix passieren. Am Donnerstag hatte ich einen heftigen Migräneanfall, mit dem ich dennoch irgendwie das Rad zurückbefördern musste. Geld und Stress für nix quasi. Dennoch war ich dankbar für so ein originelles Angebot!“

Andere nehmen es mit Ironie. So zum Beispiel Ingo Meisenburg: „Die Aktion "Raus aus der Bahn, raus aus dem Bus und rauf aufs Rad" der Üstra war eine tolle Idee. Leider wurde sie im Vorfeld etwas missverständlich beworben und deshalb haben die Meisten leider statt dem Rad das Auto genommen. Schade. Beim nächsten Mal wird's bestimmt besser“, schreibt er bei Facebook.

„Wir alle sollten hinter den Streikenden stehen!“

Und bei manchen regt die Streik-Erfahrung auch zum Nachdenken an. „Es war ein sehr guter Tag“, schreibt etwa Adis Ahmetovic. „Wir konnten alle noch mal ganz genau sehen und spüren, wie wichtig die Menschen für uns sind, die für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Ich hoffe, sie bekommen das, was ihnen zusteht. Ohne diese Menschen kollabiert die halbe Innenstadt – Staus und Panik überall. Und ich musste zwei Termine absagen. Aber nicht schlimm – wir alle sollten hinter den Streikenden stehen!“

Auch Madeleine Schwarz hofft, dass andere ihre Lehren aus der Erfahrung ziehen. „Vielleicht haben einige Autofahrer, die sich vor ein paar Wochen noch beschwert haben, sie wollten kostenlose Öffis nicht mitfinanzieren, weil sie diese ja nicht nutzten, im Stau ja mal gemerkt, dass sie ohne Öffis ihr Auto in der Stadt vergessen könnten? Schlimmer noch, wenn nun auch noch Fußgänger und Radfahrer aufs Auto umstiegen“, schreibt die Facebook-Nutzerin. 

„Laufen, weil andere ihren Job nicht machen.“

Doch es gibt natürlich auch jene, die sich sehr über den Streik geärgert haben. So etwa Zeynep Charlyn. „Eigentlich war mir das relativ egal, bis ich mit meinem Sohn vor der Turnhalle vom Fussballvereins stand, und uns mitgeteilt wurde, dass auch die Hausmeister streiken. Also war niemand vor Ort, um der Mannschaft die Sporthalle zu öffnen.“

Auch Jessica Santelmann stellte der Streik vor Probleme. „Meine Tochter konnte nicht zur Schule, da man ohne Bus oder Bahn nicht dorthin kommt, und ich musste mir einen Tag Urlaub nehmen“, schreibt sie auf Facebook. 

Und Stefan Regel erklärt frustriert: „15,6 Kilometer laufen! Weil andere ihren Job nicht machen.“ 

Von Elisabeth Woldt