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Aus der Stadt Notdienste sollen Kita-Streik lindern
Hannover Aus der Stadt Notdienste sollen Kita-Streik lindern
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00:15 06.05.2015
Von Andreas Schinkel
370 Plätze in Notgruppen sollen während des Kita-Streiks zur Verfügung stehen. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Das sind deutlich mehr Angebote als beim letzten unbefristeten Kita-Streik vor sechs Jahren. Damals wurden nur 220 Kinder in Notgruppen betreut.

Fast 10.000 Kita-Angestellte und Sozialpädagogen aus neun verschiedenen Bundesländern haben am Donnerstag auf dem Opernplatz gestreikt. Fotos: Rainer Droese

„Uns ist wichtig, dass wir in städtischen Kitas vor allem die Kinderbetreuung für alleinerziehende Berufstätige sicherstellen können“, sagt Personaldezernent Harald Härke. Deshalb sei es gut, dass man sich auf mehr Plätze einigen konnte. Verdi-Sekretärin Birgit Schütte gibt zu Bedenken, dass es 2009 deutlich weniger Kitas gegeben habe als heute. Dennoch halte auch die Gewerkschaft einen gut ausgestatteten Notdienst für sinnvoll. „Wir zeigen, dass wir nicht Eltern und Kinder bestreiken“, betont Schütte.

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Derzeit lässt Verdi über einen unbefristeten Streik abstimmen. Ein Ergebnis liegt erst am morgigen Dienstag vor. Am Rande der Maikundgebung aber hat die Gewerkschaft schon signalisiert, dass es aller Voraussicht nach zum Streik kommt. „Erste Tendenzen besagen, dass es eine überdeutliche Mehrheit für den Streik geben wird“, sagte der Verdi-Landesvorsitzende Jürgen Hohmann.

Im Grundsatz sind sich Stadt und Verdi über die Notgruppen einig. Am heutigen Montag soll die Vereinbarung unterschrieben werden. Nach HAZ-Informationen soll es in jedem größeren Siedlungsgebiet Hannovers eine Kita geben, in der Notdienste angeboten werden. Dabei ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Eltern eine längere Anfahrtsstrecke inkauf nehmen müssen. Auch Integrationskitas zählen zu den Orten mit Notdiensten.

Wie lange die städtischen Kitas in Hannover tatsächlich geschlossen bleiben, ist unklar. Vermutlich wird die erste Streikphase bis zum Himmelfahrtstag am Donnerstag, 14. Mai, dauern. Danach folgt ein verlängertes Wochenende mit dem Freitag als Brückentag. Viele Eltern dürften sich diese Tage ohnehin für eine gemeinsame Familienzeit reserviert haben.

Die Fronten zwischen den Tarifparteien sind verhärtet. Verdi fordert eine Aufwertung sozialer Berufe und einen Lohnsprung von durchschnittlich zehn Prozent. Die kommunalen Arbeitgeberverbände verweisen auf die leeren Kassen vieler Städte und Gemeinden. Die Arbeitgeber sind bisher nur bereit, Erziehern mit besonderen Aufgaben, etwa in der frühkindlichen Bildung, einen höheren Lohn anzubieten. Die Gewerkschaft hat das zurückgewiesen.

Notprogramm in der Jugendhilfe: Da zum Streik auch Sozialarbeiter aufgerufen sind, dürfte es ab Freitag Engpässe in Jugendzentren und Freizeitheimen geben. Stadt und Verdi haben sich aber darauf geeinigt, bei der Jugendbetreuung ebenfalls einen Notdienst einzurichten. So werden Jugendliche, die vor ihren Familien fliehen und Schutz bei der Stadt suchen, keinesfalls abgewiesen. Einrichtungen wie die Unterkunftsstelle Bed-by-Night halten ihren Betrieb aufrecht. Auch das Familien-Service-Büro richtet einen Notdienst ein.

Kommentar von Andreas Schinkel

Wenigstens ein Notprogramm

Da mag die Gewerkschaft noch so oft mit dem Finger auf kommunale Arbeitgeber zeigen: Der Kita-Streik trifft vor allem Eltern und Kinder. Zwar betont der Kita-Stadtelternrat stets, dass die Solidarität den streikenden Erziehern gilt, die zu Recht für ein höheres Gehalt kämpften. Doch hört man sich in der Elternschaft um, sind die Sorgen groß. Mütter und Väter fürchten Ärger am Arbeitsplatz, wenn sie tagelang ausfallen, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Zweifellos bringen in vielen Betrieben Chefs und Kollegen Verständnis auf – in den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan. Aber ob der Geduldsfaden bei Dauerstreiks nicht doch reißt, kann niemand vorhersagen.

370 Notfallplätze helfen da nicht viel. Aber immerhin: Es ist ein gutes Signal, dass sich Stadt und Gewerkschaft auf ein solches Notprogramm einigen konnten. So wird für einen Teil der Leidtragenden die Last des Streiks erträglicher. Jetzt muss die Stadt eine gerechte Verteilung der Notplätze sicherstellen. Das wird keine leichte Aufgabe.

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