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Aus der Stadt Streik führt zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr in Hannover
Hannover Aus der Stadt Streik führt zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr in Hannover
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10:50 10.03.2011
Von Mathias Klein
Die GDL hat  am Donnerstag mit ihrem Streik den Bahnverkehr zeitweise lahmgelegt.
Die GDL hat am Donnerstag mit ihrem Streik den Bahnverkehr zeitweise lahmgelegt. Quelle: Nancy Heusel (Archivbild)
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Hannover ein Schwerpunkt des Lokführerstreiks

Die Lokführergewerkschaft hat am Donnerstagmorgen ihr Muskeln spielen lassen: Der sechsstündige Streik führte in Hannover zu starken Behinderungen im Fern- und Nahverkehr. Die niedersächsische Landeshauptstadt war ein Schwerpunkt des bundesweiten Streiks.

Nach dem Beginn des Ausstandes um 4 Uhr, an dem in Hannover zunächst rund 30 Lokführer beteiligten, kam es zu massiven Behinderungen vor allem im S-Bahnverkehr. Im Fernverkehr waren alle Strecken von und nach Hannover betroffen. Ein Bahnsprecher sprach von "starken Beeinträchtigungen". Er rechnete damit, dass es im Fernverkehr bis zum späten Abend dauern werde, bis der Fernverkehr wieder fahrplanmäßig rollt. Die S-Bahnen sollen am Nachmittag wieder im Takt fahren. Unterdessen war die Bahn-Hotline für Kunden mehrere Stunden nicht erreichbar.

„Ich kann nur jedem Reisenden raten, seine Reise vor 10 Uhr gar nicht erst anzutreten“, sagte der GDL-Bezirksvorsitzende Nord, Lutz Schreiber, am Mittwoch. In den großen Zentren wie in Hannover seien Zugausfälle und stundenlange Verspätungen zu erwarten. Auch der Metronom, die Nord-Ostsee-Bahn und die S-Bahn in Hannover würden bestreikt.

Aktuelle Infos finden Sie im Internet unter: www.bahn.de

Außerdem gibt es Auskünfte über Zugausfälle und Verspätungen unter der kostenlosen Nummer 0800-996633.

Die GDL will mit dem Streik einheitliche Tarifbedingungen für die 20.000 Lokführer bei der Deutschen Bahn und weitere rund 6000 Lokführer bei der DB-Konkurrenz durchsetzen. Nach drei Warnstreiks in den vergangenen Wochen hatte sich bei einer Urabstimmung am Montag eine Mehrheit der GDL für unbefristete Streiks ausgesprochen.

Bereits seit Mittwoch, 20 Uhr, stehen auch viele Güterzüge bis Donnerstag um 10 Uhr streikbedingt in den Bahnhöfen. Schwerpunkte in Niedersachsen sollten nach GDL-Angaben die Rangierbahnhöfe in Seelze und Lehrte sowie Osnabrück, Bremen und Maschen sein. Vor allem Güterzüge aus Ostdeutschland sollen nicht wie geplant fahren, weil die GDL dort besonders stark organisiert ist.

Niedersachsens Industrie, die auf termingerechte Lieferungen angewiesen ist, fürchtet durch den Ausstand im Güterverkehr erhebliche Engpässe und Zusatzkosten. „Niedersachsen ist mit den großen Seehäfen und der Stahl- und Autoindustrie besonders betroffen“, sagte Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Unternehmerverbände. Die Tarifauseinandersetzung der Bahnunternehmen werde auf dem Rücken von Unbeteiligten ausgetragen.
Der hannoversche IHK-Vize Horst Schrage attestiert dem Güterverkehr „eine enorme Hebelwirkung“. Zwei bis drei Tage könnten die meisten Unternehmen überbrücken. „Danach wird es eng.“ Die Salzgitter AG sieht die Lage noch gelassen. „Bis auf Weiteres“ sehe man aufgrund gefüllter Lager keine Beeinträchtigungen, sagte ein Sprecher.

DB-Personalvorstand Ulrich Weber nannte den Streik im Güterverkehr am Mittwoch „absurd“. „Das versteht kein Mensch mehr“, sagte der Manager.

Ein schwarzer Tag für Pendler

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will in Hannover während des Streiks am Donnerstag 80 Prozent des Personenverkehrs lahmlegen. Das hat der örtliche Streikführer Jan Manfras am Mittwoch im Gespräch mit der HAZ angekündigt. Nähere Angaben über die Streiktaktik wollte der Streikführer nicht machen. Die Deutsche Bahn will sich dennoch bemühen, den S-Bahn-Verkehr aufrechtzuerhalten, allerdings mit einer niedrigeren Taktfrequenz, wie Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis am Mittwochabend ankündigte.

Pendler und Reisende müssen sich darauf einstellen, dass es nicht nur in der Zeit des angekündigten Streiks zwischen 4 Uhr morgens und 10 Uhr, sondern den ganzen Tag über zu Zugausfällen und massiven Verspätungen kommen wird. Bis der Verkehr wieder reibungslos läuft, wird es erfahrungsgemäß Stunden dauern. Bahnkunden sollen im Hauptbahnhof durch zusätzliche Servicekräfte informiert und mit warmen Getränken und Brezeln bei Laune gehalten werden. Einen Notfallfahrplan könne die Bahn nicht herausgeben, da die Streiktaktik unbekannt sei, hieß es. Die Bahn befürchtet offenbar, dass die streikenden Lokführer mit den Güterzügen, die zum Teil seit Mittwochabend nicht mehr fahren, wichtige Strecken, Bahnknotenpunkte und Bahnhöfe blockieren, um dadurch den Zugverkehr komplett zum Erliegen zu bringen.

Durch den Bahnstreik wird es nach Ansicht der Verkehrsmanagementzentrale auch zu Problemen im Straßenverkehr kommen. „Wir rechnen während des Berufsverkehrs mit 20 Prozent mehr Autos“, sagte am Mittwoch Thomas Läpple von der Verkehrsmanagementzentrale. Dadurch müssten die Pendler eine längere Fahrzeit einplanen. Wartezeiten werde es zwischen 7 Uhr und 9 Uhr geben, weil dann die meisten Autos in die Stadt führen. Wer besser durchkommen wolle, dem empfehlen die Verkehrsexperten, früher oder später loszufahren.

Besonders kritische Punkte sind der Messeschnellweg aus beiden Richtungen vor dem Pferdeturm, am Weidetorkreisel, an der Schwanenburgkreuzung, am Ricklinger Kreisel, am Landwehrkreisel und am Tönniesbergkreisel sowie auf der Hildesheimer und der Vahrenwalder Straße. „Das beste wäre, wenn möglichst viele Pendler Fahrgemeinschaften bilden“, sagte Läpple. Davon sei allerdings kaum auszugehen.

Die Üstra ist darauf eingerichtet, dass Pendler am Stadtrand vom Auto auf Stadtbahnen umsteigen, berichtete Sprecher Udo Iwannek. „Wir können zusätzliche Fahrgäste verkraften“, sagte er. Die Erfahrungen der vergangenen Bahnstreiks hätten allerdings gezeigt, dass die Pendler, die sonst in Zügen unterwegs seien, direkt in die Stadt hineinfahren wollten.

Bei Zugausfall gibt es Geld zurück

Wer seine Fahrt durch Zugausfälle oder Verspätungen nicht antreten kann, kann sein Ticket umtauschen oder sich den Kaufpreis erstatten lassen. Bahnkunden können einen anderen Zug nutzen, wenn der ursprüngliche Zug oder der Anschlusszug wegen des Streiks ausfällt. Sie können dann auch in einen ICE steigen, selbst wenn sie dafür keine Fahrkarte haben. Wer ein Ticket für ein privates Bahnunternehmen hat, kann auch mit der Deutschen Bahn fahren, muss das aber von einem Bahnmitarbeiter vorher vermerken lassen. Für Verspätungen gibt es bei Streiks keine Entschädigungen, die Bahnunternehmen berufen sich auf höhere Gewalt. Bei ausgefallenen Zügen durch Streiks wird jedoch der Fahrpreis erstattet. Für Arbeitnehmer ist ein Bahnstreik keine Entschuldigung, zu spät zur Arbeit zu kommen. Von Beschäftigten wird erwartet, dass sie sich auf einen Streik einstellen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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