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Aus der Stadt So lief die „Aktion Roter Punkt“ in Hannover
Hannover Aus der Stadt So lief die „Aktion Roter Punkt“ in Hannover
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00:31 18.03.2018
Die "Aktion Roter Punkt": Unterwegs mit der HAZ.
Die "Aktion Roter Punkt": Unterwegs mit der HAZ.
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Hannover

 „Suche Fahrgemeinschaft in Rick­lingen, biete Mitfahrgelegenheit zu Ikea.“ Mehr als 600 Mitglieder haben rund um den Streiktag auf der kurzfristig eingerichteten Mitfahrzentrale der HAZ nach Alternativen zu Bus und Stadtbahn gesucht. Mitten drin im Berufsverkehr bin auch ich, im silber-blauen Hybrid-Audi der HAZ.

Bis nach Mitternacht hatten autofreie Hannoveraner aller Altersklassen am Mittwoch Such- und Biet-Angebote im Internet gepostet. Ausgedruckt hat den roten Punkt 2018 kaum mehr jemand hinter der Frontscheibe liegen, aber digital scheint er zu funktionieren wie eh und je. 

Als Christopher Knopp gegen 7 Uhr am Küchengarten das Auto mit dem roten Punkt entdeckt, ist er sichtlich erleichtert. „Gleich beginnt mein erster Tag bei der neuen Arbeit, und ich hab kurzfristig vom Streik erfahren“, erzählt er und nimmt Platz. „Ich bin gestern hergezogen und habe es zufällig aus der Lautsprechersäule an einer Haltestelle erfahren.“ Er will nach Groß-Buchholz, zu Fuß ist das eine Odyssee. 

Knopp bleibt nicht der einzige Fahrgast. Wer am Donnerstag bereit ist, Fußgänger und Wartende mitzunehmen, findet schnell dankbare Begleiter. „Ich bin bereits eine Stunde aus Anderten hergelaufen und muss noch mal so weit“, berichtet ein junger Mann, der am Pferdeturm zusteigt. Er ist in Sorge vor der Reaktion, die ihn bei der Behörde erwartet, wenn er zu spät kommt, daher will er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Im zähfließenden Verkehr erzählt er aus seinem Leben, von seinen Plänen und Hoffnungen. 

Nach 9 Uhr flaut der Berufsverkehr langsam ab. Online geht die Aktion Roter Punkt derweil in die zweite Runde. In der Mitfahrzentrale suchen Hunderte Facebook-Nutzer eine Mitfahrgelegenheit für den Heimweg.

In Mittelfeld steigt Frank Ritter zu. Auch er hat einen wichtigen beruflichen Termin – und elf Kilometer ohne Stadtbahn zu bewältigen. „Mein Termin zum Wiedereinstieg in den Beruf hätte ausfallen müssen, gäbe es nicht die Mitfahrgelegenheit“, sagt Ritter. Von Mittelfeld ins Pelikanviertel, zu Fuß kaum zu schaffen, aber das Unternehmen, das ihn einstellen möchte, sieht da kein Problem. „Man hat mir zu verstehen gegeben, dass der Streik kein Grund sei, nicht zu erscheinen“, erzählt Ritter. Im HAZ-Streik-Mobil schafft er es rechtzeitig. Seinen künftigen Arbeitgeber wird so viel Pünktlichkeit freuen – es ist ausgerechnet die Üstra. „Man hat mich gelobt, viele andere sind wohl nicht erschienen“, lächelt Ritter.

„Roter Punkt, das ist aber lange her“, sagt eine Seniorin in der List amüsiert, als sie auf die Frontscheibe schaut. Stimmt, doch an Aktualität hat der Farbklecks auch im digitalen Zeitalter nichts verloren. 

Von Mario Moers

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