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Aus der Stadt Geht der Streik in den Osterferien weiter?
Hannover Aus der Stadt Geht der Streik in den Osterferien weiter?
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00:33 18.03.2018
Die Streikenden versammelten sich vor dem Hauptbahnhof zur Kundgebung. 
Die Streikenden versammelten sich vor dem Hauptbahnhof zur Kundgebung.   Quelle: Foto: Heidrich
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Hannover

 Der Streik im öffentlichen Dienst hat am Donnerstag in Hannover zeitweise zum Stillstand im Straßenverkehr geführt. Betroffen waren im Berufsverkehr vor allem der City-Ring und die Innenstadt. „Das große Chaos ist aber ausgeblieben“, berichtete ein Sprecher der Verkehrsmanagementzentrale. Er vermutet, dass viele Arbeitnehmer spontan einen freien Tag oder Urlaub genommen hätten. 

Busse und Bahnen der Üstra fahren nicht, der Müll bleibt liegen: Die Beschäftigten verleihen ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt in den Tarifverhandlungen mit einem Warnstreik in Hannover Gehör.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Dadurch war der Nahverkehr mit Bussen und Bahnen der Üstra komplett lahmgelegt. Normalerweise transportiert das Unternehmen 450.000 Fahrgäste pro Tag. Außerdem waren alle städtischen Kitas geschlossen, es gab keinen Notdienst. Am Flughafen Hannover-Langenhagen kam es zu mehreren Verspätungen, Flugausfälle gab es nach Angaben einer Sprecherin nicht. In der ganzen Region blieb der Müll liegen. Außerdem waren unter anderem auch zahlreiche Mitarbeiter der Verwaltung aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. 

Nach Verdi-Angaben zogen rund 5000 Streikende durch die Innenstadt zum Ernst-August-Platz, die Polizei sprach dagegen von etwa 1500 Teilnehmern. Am Flughafen sollen sich 600 Streikende versammelt haben. Bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof machte sich Verdi-Bezirksgeschäftsführer Haral Memenga vor allen für die Auszubildenden stark. „Wenn wir jetzt nicht für gute Ausbildungsbedigungen sorgen, werden die Arbeitgeber schon bald über Fachkräftemangel jammern“, betonte er. Gewerkschaftssekretärin Stefanie Reich sprach von einem erfolgreichen Tag. „Die Demonstranten haben ein starkes Signal für die nächste Tarifrunde gesendet“, sagte sie. 

Hannovers Kämmerer Axel von der Ohe warnte die Beschäftigten vor zu hohen Erwartungen. Er habe Verständnis für die Forderungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst nach Lohnerhöhungen, sagte er. Für die Stadt Hannover würde die Umsetzung der Forderung der Gewerkschaft eine zusätzliche Belastung von rund 28 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Das würde den Konsolidierungsdruck steigern, meinte er. 

Verdi fordert für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten bei den Kommunen und beim Bund sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber ein Plus von 200 Euro. Nachdem die zweite Verhandlungsrunde Anfang der Woche ohne Ergebnis geblieben war, hatte Verdi-Chef Frank Bsirske eine Ausweitung der Warnstreiks angekündigt. Das werde dazu führen, dass die Arbeitgeber „auf einen konstruktiven Weg hin zu einem Abschluss zurückkehren“, meinte Bsirske.

Für die Arbeitgeber ist die Forderung der Gewerkschaft deutlich zu hoch. Sie lehnen vor allem die Mindestanhebung von 200 Euro ab. Das sei nicht erfüllbar, hatte zuletzt der bisherige Bundesinnenminister Thomas de Maizière gesagt. 

Während der Osterferien sind nach HAZ-Informationen in Hannover keine weiteren Streikaktionen zu erwarten. Allerdings müssen sich die Bürger der Region für die ersten beiden April-Wochen erneut auf einen ganztägigen Warnstreik einstellen. Verdi will vor der nächsten und entscheidenden Verhandlungsrunde am 15. und 16. April in Hannover erneut ein „mächtiges Zeichen“ setzen, wie es in Gewerkschaftskreisen heißt. Das bedeutet, dass dann wieder die Üstra, die städtischen Kitas, die Müllabfuhr und weite Bereiche der Verwaltung betroffen sein werden. Wie es heißt, will dann auch Verdi-Chef Bsirske in Hannover sprechen. 

Von Mathias Klein

15.03.2018
18.03.2018