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Aus der Stadt 28-Jähriger in Shisha-Shop angeschossen
Hannover Aus der Stadt 28-Jähriger in Shisha-Shop angeschossen
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00:18 03.05.2015
Von Tobias Morchner
Beamte der Spurensicherung beim Tatort am Marstall.
Beamte der Spurensicherung beim Tatort am Marstall. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Männer am Steintor ist ein 28-Jähriger durch einen Schuss in den Oberkörper schwer verletzt worden. Er wurde in einem Krankenhaus notoperiert und ist inzwischen außer Lebensgefahr. Die Täter konnten entkommen.

Was genau gegen am Donnerstagnachmittag 15.45 Uhr in und vor einem Geschäft für Wasserpfeifen und dem dazugehörigen Tabak an der Straße Am Marstall geschehen ist, ist unklar. Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass zunächst vor dem Laden ein Streit zwischen dem späteren Opfer und mehreren Männern entbrannt war, der sich im folgenden Verlauf in das Geschäft verlagert hat. Warum es zu dem Streit gekommen ist, ist unbekannt. Zwar hat der 28-Jährige bei der Polizei eine umfassende Aussage gemacht. Über den Inhalt schweigt die Behörde allerdings.     

Am Steintor ist am Donnerstagnachmittag ein 28-Jähriger nach einem Streit in einer Shisha-Shop angeschossen worden.

Ein Zeuge hatte die Polizei alarmiert, nachdem er Knallgeräusche – offenbar mehrere Schüsse – gehört hatte und anschließend beobachtete, wie mehrere Männer vom Geschäft aus in Richtung der Straße Am Hohen Ufer rannten. Kurz darauf kam der 28-Jährige blutüberströmt aus dem Laden. Zeugen riefen den Notarzt. Der Angeschossene wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Bei dem Opfer soll es sich nach HAZ-Informationen um den Sohn des Betreibers des Shisha-Shops, einen 28-jährigen Deutsch-Türken, handeln.

Bei der HAZ meldete sich ein Augenzeuge, der das Geschehen aus einer Entfernung von etwa 20 Metern beobachtet haben will. Er war vor dem Laden auf drei Männer aufmerksam geworden, die laut miteinander sprachen. „Es sah so aus, als seien sie gerade aus dem Laden verwiesen worden und regten sich darüber sehr auf“, sagt der Zeuge, der aus Angst vor Rache anonym bleiben möchte. Dann soll der kleinste der drei Männer eine kleine schwarze Schusswaffe gezogen haben. Einer der Begleiter soll noch vergeblich versucht haben, den Mann mit der Waffe zurückzuhalten. Der Schütze soll anschließend in die Knie gegangen sein und zunächst einen Schuss durch die geöffnete Ladentür ins Innere des Geschäfts abgegeben haben. „Dann dauerte es etwa zehn Sekunden, erst dann hat er noch vier oder fünf Schüsse von draußen auf den Laden abgefeuert“, sagt der Zeuge. Anschließend seien die Männer davongerannt.

Die Polizei sperrte den Bereich zwischen Reitwallstraße und Steintorstraße – das Areal rund um den Tatort – weiträumig ab. Vermummte und schwer bewaffnete Beamte einer Spezialeinheit suchten den Laden vergeblich nach möglichen weiteren Komplizen ab. Als klar war, dass sich niemand mehr in dem Geschäft aufhielt, begann die Spurensicherung. Dabei entdeckten die Ermittler leere Patronenhülse auf der Straße. Die Spezialisten bauten eine 360-Grad-Kamera vor dem Geschäft auf, um jeden Winkel des Tatorts fotografieren zu können. Zu der Frage, ob der Shisha-Shop mit Überwachungskameras ausgestattet ist und es deswegen Bilder von bislang unbekannten Männern gibt, wollte die Polizei sich nicht äußern.

Das Geschäft existiert noch nicht so lange. Im November hatte der Betreiber den ehemaligen Vodafone-Shop übernommen und ihn in ein Geschäft für Wasserpfeifen umgebaut.     

Ein Mann ist bei einer Schießerei am Marstall schwer verletzt worden. Quelle: Scherer

Die Ermittlungen gestalten sich für die Polizei überaus zäh. Denn obwohl die Bluttat am helllichten Tag in einem der belebtesten Viertel der Stadt geschehen ist, will kaum jemand etwas von dem Vorfall bemerkt haben. Ein Mitarbeiter eines Geschäfts für Sportwetten an der Reitwallstraße, von dem eine Hintertür in den Shisha-Shop führt, will nicht einmal die Schüsse gehört haben.

Auch der Mitarbeiter eines Geschäfts an der Steintorstraße, das günstige Telefonate ins Ausland anbietet und das ebenfalls an den Tatort grenzt, will von dem Vorfall nichts mitbekommen haben. „Hier war den ganzen Nachmittag so viel los“, sagte er der HAZ.

Die Polizei sucht Zeugen, die etwas über die vier flüchtigen Männer, die vermutlich Südländer sind, sagen können. Hinweise unter Telefon (05 11) 1 09 55 55.     

Gewalt im Steintorviertel

Im Steintor kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Eine Chronik:

  • 2. Juni 2012: Nach einem Streit vor einer Disko am Steintorplatz stirbt ein 32-Jähriger durch mehrere Schüsse.
  • 27. Januar 2011: Ein 43-jähriger Kosovare wird im Café „Karisma“ erschossen.
  • 5. Juli 2010: Der 42-jährige Holger B. erschießt in der Bar „Columbus“ zwei Italiener.
  • 11. Mai 2008: Aus einem Auto heraus feuern Täter an der Schmiedestraße auf einen Mann. Der 51-Jährige wird lebensgefährlich verletzt.
  • 11. Dezember 2007: Bei einer Schießerei an der Steintorstraße wird ein Kosovare lebensgefährlich verletzt.
  • 21. Mai 2005: Zwei Albaner greifen einen Türsteher der „Sansibar“ an. Ein Helfer wird verletzt und verblutet.
Saskia Döhner 30.04.2015
Isabel Christian 30.04.2015