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Aus der Stadt Was heißt hier „gut“?
Hannover Aus der Stadt Was heißt hier „gut“?
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21:42 25.07.2014
Von Alexander Dahl
„Ab der dritten Klasse sind Noten okay“: Mailin (li.) und Pia, Viertklässler von der Südstadtschule, haben noch eine Laufbahnempfehlung bekommen.
„Ab der dritten Klasse sind Noten okay“: Mailin (li.) und Pia, Viertklässler von der Südstadtschule, haben noch eine Laufbahnempfehlung bekommen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Kinder wollen gerne Noten, Eltern lieber Lernentwicklungsberichte.“ Auf diese kurze Formel bringt Katharina Badenhop, Leiterin der Tellkampfschule, den seit Langem tobenden Streit über den Sinn von Zensuren für Grundschüler. Die rot-grüne Landesregierung will es Grundschulen bis 2018 ermöglichen, Noten in der dritten und vierten Klasse durch Lernentwicklungsberichte zu ersetzen. So steht es im Koalitionsvertrag. „Weitergehende zeitliche Konkretisierungen sind diesbezüglich noch nicht erfolgt“, sagt ein Sprecher.

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Eines ist aber sicher: Die Kinder, die im September in die vierte Klasse kommen, werden wohl die letzten sein, die am Ende ihrer Grundschulzeit eine sogenannte Schullaufbahnempfehlung für Gymnasium, Haupt- oder Realschule bekommen. Die Streichung der Laufbahnempfehlung wird Teil einer großen Schulgesetznovelle sein, die zum Schuljahr 2015/2016 in Kraft treten soll. Andere Hauptpunkte sind die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren am Gymnasium und die Aufwertung der Gesamtschule von einer ergänzenden zu einer ersetzenden Schulform. Das heißt: Wenn es in einem Landkreis eine Integrierte Gesamtschule gibt, dann müssen keine Haupt- und Realschulen mehr vorgehalten werden. Hat die IGS sogar eine Oberstufe, ist auch kein Gymnasium mehr nötig.

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Wenn es keine Laufbahnempfehlung mehr gibt, braucht man dann überhaupt noch Noten? „Auf jeden Fall“, findet Horst Audritz, Vorsitzender des niedersächsischen Philologenverbandes. „Noten sind die kürzeste und zuverlässigste Form der Rückmeldung einer Leistung. Wer sich zu Noten bekennt, bekennt sich zum Leistungsprinzip.“ Leistungsberichte würden am Ende doch wieder in Noten übersetzt. Während die Landeselternratsvorsitzende Sabine Hohagen wenig davon hält, es den Schulen freizustellen, entweder Noten oder Berichte zu erhalten („Das führt nur zu Chaos gerade beim Übergang auf eine weiterführende Schule“), würde Felizitas Teske, Leiterin der Bonifatius-Grundschule, am liebsten sogar innerhalb einer Klasse differenzieren. „Es gibt Kinder, die Noten anspornen. Und dann habe ich Schüler, die würde ich gern in bestimmten Bereichen eine Zeit lang gar nicht bewerten, sondern sich entwickeln lassen.“

Zensuren könnte es ruhig schon ab der ersten Klasse geben, sagt dagegen Nicole Senst. „Ich finde es gut, wenn die Kinder wissen, wo sie stehen“, betont die 43-jährige Mutter einer Drittklässlerin. „Ich bin gegen Kuschelpädagogik.“ Auch Aleksandra Kawecki ist mit den Beurteilungen nicht so glücklich. „Ich habe das selbst auf der IGS erlebt und konnte damit nicht so viel anfangen“, sagt sie. Vielleicht sei es für die Kinder aber besser, keine Noten ins Zeugnis zu schreiben. „Dann ist der Druck nicht so groß.“

Björn Försterling, Bildungsexperte der FDP im Landtag, sieht das anders. „Kinder empfinden Noten nicht als Belastung, sondern eher als Anerkennung.“ Nicht nur Bildungsverbände, auch viele Grundschulleiter meinen, dass Lernberichte Stärken und Schwächen der Schüler besser widerspiegeln als Zensuren, auch wenn das Formulieren von zwei DIN-A-4-Seiten den Lehrern deutlich mehr Arbeit mache. „Das ist mehr Arbeit, aber sie ist pädagogisch wertvoll“, sagt Stefanie Dohm von der Grundschule Glücksburger Weg.

Von Saskia Döhner und Matthias Klein

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