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Aus der Stadt Streit um Theateraufführung „Zehn kleine Negerlein“
Hannover Aus der Stadt Streit um Theateraufführung „Zehn kleine Negerlein“
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23:38 03.03.2011
Das „Theater am Lindenhofe“ mit ihrem Stück „Zehn kleine Negerlein“. Quelle: Handout
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Der Verein „Theater am Lindenhofe“ hat sich mit einer Aufführung des Stückes „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christie bei einigen Gruppen in die Nesseln gesetzt. Sie werfen den Theatermachern vor, damit unterschwellig Rassismus zu fördern – und das ausgerechnet in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde St. Petri in Döhren, wo das Stück läuft. Der Verein, einst als Gruppe innerhalb der Gemeinde gegründet, weist dies zurück. Die Antidiskriminierungsstelle der Stadt Hannover, eine Ein-Personen-Behörde in Gestalt von Günther Max Behrendt, ist nicht begeistert, will die Sache aber auch nicht zu hoch hängen. „Es gibt Schlimmeres; außerdem ist der Titel von Plakaten schon verschwunden“, sagt Behrendt.

Die Geschichte muss Hannoveranern mit gutem Gedächtnis bekannt vorkommen und Behrendt weiß ohnehin, wovon er spricht. Er hat Anfang des Jahres 2002 maßgeblich dazu beigetragen, dass der deutsche Titel von Agatha Christies Kriminalstück in „Und dann gab es keines mehr“ geändert wurde. Das war nach Aufführungen an der Landesbühne und im Theater am Aegi, als in Hannover lebende Ausländer und auch einheimische Gruppen protestiert hatten. Die Argumente waren dieselben, die auch jetzt etwa der „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ und der „Freundeskreis Tambacounda vorbringen und die auch von den Theatermachern nicht komplett bestritten werden. Das Wort „Neger“ stehe in Verbindung zu Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung und werde außerdem von Rechtsradikalen als Schimpfwort benutzt.

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„Wir wissen, dass der Titel belastet ist“, sagt Uwe Schomburg, Vorstandsmitglied des Theatervereins. Andererseits handele es sich um ein Stück Literatur. Außerdem verweisen die Laienschauspieler auf den Inhalt: In dem 1939 erschienenen Krimi tauchen gar keine dunkelhäutigen Personen auf. Es geht um zehn sehr bleichgesichtige Mitglieder einer illustren Gesellschaft auf einem englischen Landschloss, die einer nach dem anderen ermordet werden. Deshalb wählten seinerzeit die Übersetzer den Kinderabzählreim von den „Zehn kleinen Negerlein“ zum deutschen Titel.

Schomburg verweist darauf, dass in der St.-Petri-Gemeinde auch viele dunkelhäutige Mitglieder vertreten seien und dass sich die Zahl der Beschwerden mit „fünf oder sechs Telefonaten sowie ein paar E-Mails“ in Grenzen gehalten habe. Dass von unbekannter Hand ein Schaukasten mit einem Theaterplakat zerstört worden ist, sei intolerant.

Pikant ist, dass die Döhrener wegen der Titeländerung von 2002 das Stück gar nicht unter seinem alten Namen hätten laufen lassen dürfen. Sie sind aber laut Behrendt nicht die Einzigen, die das tun: „Der frühere Titel ist bestens eingeführt und eines der meistgespielten Amateurtheaterstücke überhaupt. Deshalb verschwindet er nicht ganz.“ Schomburgs Erfahrungen stützen die These: Wir hatten bisher 600 Zuschauer und damit so viel Resonanz wie lange nicht mehr.“ Freitag und Samstag finden die letzten von sieben Vorstellungen statt.

Bernd Haase