Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Ich will fette Projekte machen“
Hannover Aus der Stadt „Ich will fette Projekte machen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:02 31.08.2014
Von Rüdiger Meise
Strandleben, Stricken für Gottschalk: Mansha Friedrichs bestrickende Idee für ein Boot, das auf Deutschlandtour gehen soll. Quelle: Steiner
Anzeige
Hannover

Frau Friedrich, Sie arbeiten derzeit daran, eine Strickmütze für die Kuppel der Basilika St. Clemens zu fertigen. Dafür muss eine alte Frau lange stricken. Das Sprichwort führt zu zwei Fragen: Wie lange werden sie daran sitzen? Und wie alt sind Sie eigentlich?
Für das Projekt stricke ich gar nicht selbst. Rund 120, tatsächlich vor allem ältere Frauen haben seit Monaten lange Decken gestrickt, die momentan zusammengefügt werden. Ich bin voll und ganz mit der Organisation beschäftigt - das ist viel mehr Arbeit, als ich dachte.

Wann bekommt die Kuppel ihre Mütze?
Am 8. Oktober ist es soweit. Industriekletterer bringen die Stoffbahnen an - alle Dachdecker und Gerüstbauer haben mir abgesagt. Das wird spannend und muss klappen, wir haben nur einen Versuch - und schließlich hat so etwas noch niemand probiert. Umso mehr Begeisterung und Herzblut stecken alle in das Projekt. Das ist es, was mich vor allem daran begeistert.

Anzeige

Das ist bislang Ihr größtes Projekt ...
Ja, aber man muss auch sagen, dass es nicht meine Idee war, sondern die Idee von Anne Beelte, der ehemaligen Pressesprecherin der katholischen Kirche in Hannover. Ich mache das quasi als Auftragsarbeit.

Und was sehen Sie als ihre bislang größte Aktion?
Witzigerweise ist das Projekt, das bislang die weltweit größte Aufmerksamkeit erreichte, ein ganz Kleines: Nachdem die Polizeiinspektion West aus der Gartenallee in Linden ausgezogen war, habe ich ein kleines Strickplakat als Dankeschön für die Beamten am Bauzaun angebracht: „Happy New Year“ stand darauf. Das fand 2012 den Weg in die Silvestercollage einer Fotoagentur und ging um die Welt. Ich bekam Reaktionen von allen Kontinenten. Leider haben das in Hannover irgendwie nicht so viele Menschen wahrgenommen.

Woran messen Sie eigentlich den Erfolg einer Aktion? Mit Strickkunst wird man ja kaum reich.
Erfolgreich ist ein Projekt schon dann, wenn die Realisierung gelungen ist. Ich will fette, amtlich große Projekte machen. Bei Strickkunst habe ich viel Potenzial gesehen, das hat vor mir in Hannover noch niemand in größerem Stil gemacht. Gleich meine erste Aktion, die Mütze für die Kröpcke-Uhr, war das bis dahin größte Strickprojekt.

Das klingt nach Ehrgeiz.
Ja. Im Job bin ich zielstrebig, diszipliniert und ehrgeizig. Privat mag ich ruhiger wirken, aber beruflich hat es mich schon immer gereizt, Neues auszuprobieren und Pionierin zu sein. 

In welchen Disziplinen?
Naja, nach der Schule habe ich zunächst Graffiti gesprayt und war Moderatorin beim Sender Tele 5 in Berlin. Ich war DJane und Rapperin, habe viel mit den Fantastischen Vier auf der Bühne gestanden. Eine Frau, die rappt und sprüht, das war damals was Besonderes - da gab es nur Schwester S., Cora E. und mich. Aber die Jugendkulturschiene ist spätestens vorbei, wenn du drei Kinder hast. Dann hab ich mir das Drehbuchschreiben beigebracht, aber es ist sehr schwer, damit Geld zu verdienen. Ich war Dozentin für Street-Art und habe Rap- und Graffiti-Workshops geleitet. Heute arbeite ich neben meiner eigenen Kunst an mehreren Jugendkulturarbeit-Projekten, beispielsweise bei „Quattro Stationi“ für die Stadt Hannover.

Ich nehme an, als hippe Sprayerin haben Sie damals auch illegal gesprüht?
Eine Weile, aber das war nichts für mich. Zu aufregend. Bei so etwas bin ich zu nervös. Außerdem wurde mir schnell klar, dass illegales Sprayen Vandalismus ist: Es zerstört die Bausubstanz, wenn Graffiti beseitigt werden müssen. Ich möchte aber Dinge gestalten, nicht zerstören. Bei meiner Kunst habe ich immer versucht, Nachhaltigkeit zu bedenken. So werden beispielsweise auch die Stoffbahnen der Basilikakuppel anschließend gereinigt und als Decken verkauft.

Sie haben der Kröpcke-Uhr eine Mütze aufgesetzt, den Baum am Lichtenbergplatz bestrickt, kürzlich eine Allee am Engesohder Friedhof eingekleidet, im Oktober die Basilika St. Clemens. Was kommt als nächstes?
Ich arbeite daran, ein Schiff einzustricken. Der Plan ist, im kommenden Jahr ein verkleidetes Boot auf Binnenwasserstraßen quer durch Deutschland zu schicken und unterwegs die Zukunftswünsche von Bürgern einzusammeln. Die werden dann in Berlin vor dem Abgeordnetenhaus aufgebaut und dann für einen guten Zweck versteigert. Eine schöne Idee, für die mir auch schon Yoko Ono Glück gewünscht hat.

Das wünsche ich auch. Auf eine Frage haben Sie nicht geantwortet: Wie alt sind Sie?
Sag’ ich nicht.

Zur Person

Mansha Friedrich lebt mit ihren drei Kindern in Linden. Ihr Atelier hat sie in einem Hinterhof am Lindener Marktplatz. Sie ist in Berlin geboren und in Hannover zur Schule gegangen. Schon mit ihrem ersten Strickkunstprojekt, der Verkleidung der Kröpcke-Uhr, ist die ehemalige Graffitisprayerin einem größeren Publikum bekannt geworden.

Aus der Stadt Institut zur Früh-Förderung - Begnadete studieren schon mit 13 Jahren
Michael Zgoll 31.08.2014
Bernd Haase 31.08.2014
31.08.2014