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Aus der Stadt Rekordbesuche und Stromausfall beim Gartenfestival
Hannover Aus der Stadt Rekordbesuche und Stromausfall beim Gartenfestival
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00:15 27.05.2015
Von Bernd Haase
Der Rekordandrang auf dem Gartenfestival am Pfingstsonntag ist möglicherweise der Grund für einen vierstündigen Stromausfall.  Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sie: „Ich würde gern noch gucken, was es hier an Basilikumsorten gibt. Oder willst du lieber weiter?“ Er: „Lass dir Zeit, wir haben genug davon.“ Die kleine Szene, die sich am Pfingstsonntag am Stand der „Demeter-Kreuterey“ von Udo Schäfer auf dem Gartenfestival im Georgengarten abspielt, sagt einiges darüber, warum derartige Veranstaltungen so erfolgreich sind, obwohl es größere und kleinere mittlerweile an jeder Ecke gibt. Sie sind irgendwie beschwingt, es lässt sich prima bummeln. Rund 20 000 Besucher haben das über das lange Wochenende getan.

Am Pfingstsonntag ist der Andrang deutlich am größten. Die Sonne lacht, es ist aber nicht zu heiß, und der Georgengarten präsentiert sich wie gemalt. Die Schlange am Eingang reicht bis zu 100 Meter zurück. „Wir sind aus Weyhe bei Bremen angereist. Da kommt es auf die paar Minuten Wartezeit auch nicht an“, sagt Dörte Lochny. Sie und ihre Freundin sind Stammgäste in Herrenhausen.

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Die Panne kommt zur Unzeit

Das darf man getrost Pech nennen: Ausgerechnet am Sonntag, als das Wetter schön und der Andrang zum Gartenfestival am größten war, gab es auf dem gesamten Gelände für vier Stunden keinen Strom. Gegen 13 Uhr kündigte sich das Unheil bereits an, als am zentralen Generator eine Rauchwolke und Funkenflug zu beobachten waren. „Da war nichts mehr zu reparieren. Leider hängt die gesamte Versorgung an diesem Gerät“, schilderte Geschäftsführerin Christine Koch von der Veranstaltungsagentur Evergreen das Malheur. Weil derartige Aggregate nicht an jeder Ecke verfügbar sind, dauerte es vier Stunden, bis Ersatz aus Stadthagen herbeigeschafft und angeschlossen waren.
Viele Besucher bekamen von dem Stromausfall zunächst nichts mit. Das änderte sich, wenn sie einen Kaffee oder ein Glas Wein trinken wollten. Die Gastronomen auf dem Gelände waren die Hauptbetroffenen – Kaffeemaschinen liefen nicht, Wein, Wasser und Säfte konnten nicht mehr gekühlt werden,  das Bier aus den Fässern wurde zusehends wärmer. Wer seine Geräte nicht mit Gas betrieb, konnte auch nicht kochen. „Wir sind extra aus Hamburg-Bergedorf gekommen. Bei uns standen die Leute in einer 30 Meter langen Schlange an, als der Strom plötzlich weg war. Der Tag ist gelaufen“, sagte André Bollmann, der mit seinen Kollegen einen nostalgischen Eiswagen betreibt.

Auch einige Aussteller hatten unter dem Blackout zu leiden. „Wir haben eine elektronische Kasse, die nun nicht funktioniert“, sagte Sieglinde Kicker, die Perlenketten anbietet. Wer Springbrunnen oder wie Ingrid und Dirk Preuten mit der Firma „Aqua und Sun“ Gartenwhirlpools präsentieren wollte, musste zeitweilig auf den für das Geschäft wichtigen Vorführeffekt verzichten. „Das passiert ausgerechnet, wenn das Gelände rappelvoll ist“, ärgerte sich Dirk Preuten. Zu dem Zeitpunkt ahnte er schon, dass das Wetter am Pfingstmontag nicht mehr so mitspielen würde. Den Stab über den Veranstaltern wollte er nicht brechen. „Das mit dem Strom kann passieren, man steckt nicht drin“, sagte Preuten. Trotzdem werden Koch und ihre Mitstreiter von Evergreen in den kommenden Tagen wohl verhandeln müssen. Einige Aussteller und Gastronomen kündigten an, dass man auf Kürzungen bei den Standgebühren dringen werde.

Es gibt nicht viel, was es nicht gibt auf so einem Festival. Eine kleine Auswahl: Der Berliner Reber Sanchez preist lautstark einen Gartenschlauch aus Latex an, den man nach Gebrauch nicht aufrollen oder -hängen muss, sondern platzsparend zusammendrücken kann. Ganz in der Nähe gibt es für 6 Euro „die perfekte Buchsbaumschere“. Guntram Ball, der mit einem allzeit fröhlichen Gesicht und einem breiten Strohhut jede Werbung für Gartenartikel zieren würde, schickt Kräutermax ins Rennen, das „clevere Kräuterregal mit geneigten Böden für die optimale Sonneneinstrahlung und Wasserablauf ohne Staunässe“. „Das hat mein Vater erfunden und sich patentieren lassen“, erzählt Ball.

Kräutermax ist für 160 Euro zu haben, es geht aber auch mehr. Für 2900 Euro kann man sich bei Bali-Gardens einen Tisch samt Glasplatte kaufen, dessen Fuß aus einer ausladenden Wurzel eines Kaffeebaums besteht. Wer beim Grillen, das mittlerweile häufig Wettkampfcharakter annimmt, vorne mit dabei sein will, bekommt bei Dirk Luttermann von der hannoverschen Firma Bob Grillson ein Modell, dass mit Pellets betrieben wird, 100 Prozent authentischen Barbecue-Geschmack verspricht – und sich bei Bedarf per App steuern lässt. 3500 Euro werden für dieses Gerät aufgerufen. Beim Whirlpool für den Garten kommt man dann schon bei entsprechender Ausführung in den fünfstelligen Bereich.

Schön bunt hier: Eindrücke vom Gartenfestival 2015 im Georgengarten in Herrenhausen.

Nicht alles, was die Aussteller offerieren, hat auf den ersten Blick mit Garten zu tun. Die Segmente Mode, Schmuck und Kulinarik sind stark vertreten. „Es ist ja auch ein Lifestyle-Festival, da passt Käse dazu“, sagt Hauke Petersen, der im eigenen Familienbetrieb in Schleswig-Holstein Gruyere herstellt und in Herrenhausen viele dankbare Abnehmer für Probierhäppchen findet. Manchmal lassen sich die Grenzen zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz nicht klar abstecken. Baumwächter zum Beispiel sind Skulpturen, die wie Kletterer gestaltet sind. „Sie bekommen einen Schutzpatron für ihren Baum. Er wird von einer kraftvollen Geste beseelt“, heißt es zur Erläuterung. Man muss daran glauben.

Am Leibniztempel riecht es nach Orient, nach exotischen Tees und Gewürzen. Soll es auch. „Auf den Spuren der Seidenstraße“ lautet das Motto in dieser Ecke. Die zwei Kamele Kashim und Marsha von Beke und Andreas Marquardt sind allerdings nicht zum Transport der Waren eingesetzt worden, sondern dienen der Dekoration und sind beliebtes Fotomotiv.

Heinz-Jürgen Kracke aus Celle steht danach nicht der Sinn. Er ist handwerklich interessiert und daher schon kurz hinter dem Eingang beim Stand von Bildidee aus Bad Salzuflen stehen geblieben. „Wir machen Upcycling“, sagt Sandra Palm. Paletten, Gerüstbohlen und andere Materialien bauen sie, ihr Mann Georg und Simona Schäffer zu neuen Gebrauchsgegenständen um, zu Küchenmöbeln oder Regalen etwa. So entstehen lauter Unikate, nichts in Serie. Kracke, der sich jetzt vorstellen kann, so etwas für seine geplante Küche selbst zu bauen, fachsimpelt lange mit Georg Palm und geht dann seiner Wege.

Der kommerzielle Erfolg war für Stadtbetreiber Palm in diesem Fall eher gering, aber das macht ihm nichts aus. „Ich muss nicht auf Teufel komm raus verkaufen. Dafür kann ich mit vielen Besuchern nette Gespräche führen. Das Wetter und die Umgebung sind Klasse. So macht Pfingsten Spaß“, sagt Palm. Noch so ein Grund, warum Gartenfestivals funktionieren.

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