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Aus der Stadt 200.000 Euro abgezweigt: Student zu Haftstrafe verurteilt
Hannover Aus der Stadt 200.000 Euro abgezweigt: Student zu Haftstrafe verurteilt
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00:18 17.12.2017
Jurastudent Lars L. missbrauchte das Vertrauen seines Chefs in eklatanter Weise.  Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Er leistete seit 2011 gute Arbeit in einer kleinen hannoverschen Unternehmensberatung , avancierte zur rechten Hand des Chefs und sollte 30-Prozent-Teilhaber werden. Doch seine Festanstellung hatte sich Jurastudent L. mit gefälschten Zeugnissen der Leibniz Universität Hannover erschlichen; ab Sommer 2015 begann er den Firmeninhaber systematisch zu betrügen, leitete weit mehr als 200.000 Euro auf private Konten um. Jetzt wurde der 31-Jährige, der sich mit hochspekulativen Derivaten an der Börse verzockt hatte und deshalb in Geldnot geraten war, vom Amtsgericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Hochschulzeugnis war gefälscht

Die Hochschulzeugnisse, die der zunächst auf Stundenbasis arbeitende Projektassistent seinem Arbeitgeber Ende 2013 vorlegte, bescheinigten ihm einen Abschluss in den Fächern Rechts-, Volks- und Betriebswirtschaft mit der Note 1,3. Doch nichts daran war echt. Auf dieser Grundlage aber diente der arglose Unternehmensberater dem aufstrebenden jungen Mann, der als sehr talentiert galt und sogar zum Duzfreund des Chefs wurde, eine Festanstellung mit einem Nettogrundgehalt von 1800 Euro plus Gewinnbeteiligung an. 

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Im Juli 2015 waren es zunächst 12.000 Euro aus einem Firmendarlehen, das Lars L. namens der Unternehmensberatung von einer Investmentgesellschaft zurückforderte und auf ein privates Konto umlenkte. Eine Faksimile-Unterschrift des Firmenchefs beglaubigte den Auftrag . Drei Wochen später kündigte der Student einen Bausparvertrag seines Arbeitgebers; nach einem ersten Scheitern des Projekts bekam der Betrüger diese 63.000  Euro im Mai 2016 tatsächlich überwiesen. 

Urlaubsreise des Chefs ausgenutzt

Im August 2015, als sein Chef mehrere Wochen auf Dienstreise und im Australienurlaub weilte,  ging L. auch an anderer Stelle in die Vollen. Er schaffte es, eine betagte Firmensekretärin zu überreden, 50.000 Euro für einen angeblichen Kauf von VW-Papieren auf sein Konto zu buchen. Ähnlich verfuhr er mit zwei weiteren Überweisungen von zusammen 150.000 Euro, die auf ein behauptetes Geldanlage-Konto flossen.  Im Mai 2016 aber flogen L.s Machenschaften auf, wurde er fristlos gekündigt. Am Ende sah die Verlustrechnung für den Unternehmensberater so aus: 51.000 Euro konnten wieder zurückgebucht werden, gut 40.000 Euro hat L. bis heute zurückgezahlt, bleibt ein Verlust von 183.000 Euro.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Michael Siegfried erklärte der 63-jährige Firmenchef, dass seine „persönliche Enttäuschung jeglichen Rahmen sprengt“. Sein angehender Teilhaber, der auch in einer Burschenschaft engagiert war, habe über Jahre „schwerste Unregelmäßigkeiten begangen, die er mir gegenüber vertuscht hat“. Lars L. erklärte, er habe „vollständig die Kontrolle über seine privaten Anlagen verloren“, die aufgelaufenen Verluste mithilfe neuer Spekulationen ausgleichen wollen – und dabei alles verloren. Der 31-Jährige beteuerte,  wie leid ihm alles tue und dass er den Schaden wiedergutmachen wolle; seinen Wunsch, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, erfüllte das Gericht aber nicht.

Von Michael Zgoll