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Aus der Stadt Studenten protestieren für vollere Hörsäle
Hannover Aus der Stadt Studenten protestieren für vollere Hörsäle
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20:37 30.05.2013
Von Juliane Kaune
Es geht um die Wurst: Weil ihre Lehrräume zu leer sind, werben die angehenden Lebensmittelverpackungsexperten für ihren Studiengang.
Es geht um die Wurst: Weil ihre Lehrräume zu leer sind, werben die angehenden Lebensmittelverpackungsexperten für ihren Studiengang. Quelle: Emine Akbaba
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Ganze 15 Anfänger schreiben sich jedes Jahr für den Studiengang mit dem langen Namen Lebensmittelverpackungstechnologie ein. Mehr als doppelt so viele Plätze gibt es. Gegen dieses Missverhältnis wollen die Studenten etwas unternehmen - auch wenn sie derzeit unter traumhaften Bedingungen studieren. „Wir wollen zeigen, was für ein superinteressantes Fach mit tollen Berufsperspektiven wir studieren, und auch andere dafür interessieren“, sagt die 23-jährige Christina Adoms.

Für die Werbung in eigener Sache scheuen sie und ihre Kommilitonen vor unkonventionellen Methoden nicht zurück: Rund ums Schillerdenkmal sind die Studenten von 9 bis 16 Uhr als überdimensionale wandelnde Senftuben, Keksschachteln und Marmeladengläser unterwegs. Die Verpackungsexperten verpacken sich selbst. Ausnahmsweise sind alle diese Behältnisse aus dem Grundstoff Pappe gebastelt worden - andernfalls wären sie als Kostüme für die Werbeaktion nicht tragfähig.

Grundsätzlich aber gilt: Verpackungsmaterialien sind ebenso vielseitig wie es der Beruf des Verpackungstechnologen ist - das meinen die Studenten, und das meint auch ihr Professor. „In einem einzigen Studiengang bilden wir Lebensmittelexperten, Techniker und Künstler aus“, wirbt Rainer Brandt, der einen der beiden Lehrstühle innehat und mit seinem Kollegen Prof. Matthias Weiß insgesamt rund 70 Studenten betreut. Essbare Ware ist ein anspruchsvolles Gut. Sie muss vor allem haltbar und sicher verpackt werden. Zugleich aber wünscht sich der Kunde eine attraktive Präsentation des Produkts. Obendrein soll sich die Hülle möglichst leicht öffnen oder wieder verschließen lassen, sie soll nicht allzu viel Platz im Kühlschrank beanspruchen oder sich gut in der Speisekammer stapeln lassen. Um all diese und viele andere Kriterien zu erfüllen und damit Verkaufserfolge zu erzielen, sei ein umfangreiches Wissen nötig, sagt Brandt. Die Technologen in spe werden darum nicht nur in den Natur- und Ingenieurwissenschaften geschult, sondern auch im Produktdesign, in Marketing und Betriebswirtschaft.

Vielfalt, die bei der Zielgruppe offenbar noch nicht hinreichend angekommen ist. Den Grund für die Flaute in dem 2007 gegründeten Studiengang, den es bundesweit nur viermal gibt, fasst Brandt in einem Satz zusammen: „Verpackung verbinden die Leute mit Müll, und mit Müll will sich keiner beschäftigen.“ Bisherige Werbeaktionen auf einschlägigen Berufsmessen liefen weitgehend ins Leere. Daher unterstützt Brandt den neuen Weg in die Öffentlichkeit, den seine Studenten heute gehen. Der Professor selbst wird in der City dabei sein und Passanten informieren. Sich in Tuben und Kartons aus Pappe zu zwängen, überlässt er lieber seinen Studenten.

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