Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Studenten warten verzweifelt auf ihr Geld vom Bafög-Amt
Hannover Aus der Stadt Studenten warten verzweifelt auf ihr Geld vom Bafög-Amt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 19.02.2013
Foto: Ailin Langner hat ihren Bafög-Antrag schon vor Monaten ausgefüllt. Auf das Geld wartet die Studentin aber immer noch.
Ailin Langner hat ihren Bafög-Antrag schon vor Monaten ausgefüllt. Auf das Geld wartet die Studentin aber immer noch. Quelle: Akbaba
Anzeige
Hannover

Beim Studentenwerk Hannover geht es momentan drunter und drüber. Weil 1900 Bafög-Anträge aus dem Jahr 2012 noch nicht bearbeitet werden konnten, bittet die Bafög-Stelle jetzt andere Studentenwerke in Niedersachsen um Hilfe. „Es gab ein Treffen mit den Verantwortlichen aus Oldenburg, Osnabrück, Göttingen und Ostniedersachsen“, bestätigt der Leiter des Studentenwerks Hannover, Eberhard Hoffmann. Der Hochschulstandort Oldenburg habe schon fest zugesagt, dem Studentenwerk in der Landeshauptstadt 250 Bafög-Anträge abzunehmen. Bis Montag soll klar sein, wer sich noch an der Hilfsaktion beteiligen wird.

Hunderte Studenten in Hannover warten seit Herbst vergangenen Jahres auf ihr Geld. Viele von ihnen sind dringend auf die Zahlungen angewiesen - und nach dem Chaos der letzten Monate verärgert. „Ich habe keine Lust, jede Woche wieder bei der Bafög-Stelle anzurufen“, sagt Ailin Langner, die seit fast fünf Monaten kein Geld bekommen hat. „Die Telefonsprechstunden sind immer belegt, und vor den Räumen bilden sich riesige Schlangen“, berichtet die Studentin der Sozialwissenschaft. Das Geld für ihre Miete und die nötigsten Besorgungen leiht sie sich gerade von ihrem Vater. Ähnlich geht es dem Maschinenbaustudenten André Nürnberg: „Mein ganzes Erspartes ist jetzt dafür draufgegangen, meine Eltern konnten mich noch etwas unterstützen, aber langsam weiß ich nicht mehr, wie es weitergehen soll.“

Die Notlage beim Studentenwerk Hannover ist vor allem auf eine angespannte Personalsituation zurückzuführen. Von 24 Sachbearbeitern, die 14,5 Stellen besetzen, sind im letzten Jahr sieben erfahrene Kollegen in Rente gegangen. Die Stellen wurden zwar neu besetzt, aber die Kollegen seien noch unerfahren und arbeiteten deshalb langsamer, so Hoffmann. „Außerdem hatten wir im letzten Jahr einen extrem hohen Krankenstand“, so der Leiter des Studentenwerks. Die Fehlzeiten stiegen von rund sieben Prozent im Jahr 2011 auf mehr als elf Prozent im vergangenen Jahr. „Die Situation ist nicht einfach, aber wir versuchen alles, was möglich ist“, sagt Hoffmann.

Die Engpässe beim Studentenwerk spürt auch der AStA der Leibniz Universität. Denn überdurchschnittlich viele Studenten suchen zurzeit bei der Bafög- und Sozialberatung Hilfe, berichtet Sprecherin Julia Amthor. Sie weist darauf hin, dass der AStA Studenten in finanzieller Not ein einmaliges zinsfreies Darlehen von 500 Euro gewähren kann. Insgesamt stehen dafür jährlich 140.000 Euro zur Verfügung. „Der Topf war noch nie ganz leer, aber wir kratzen immer an der Grenze“, berichtet die Studentenvertreterin.

Wer sich darüber hinaus mit einem Studentenkredit bei einer Bank über die Durststrecke retten will, muss für die Zinsen selbst aufkommen. Für eine Übernahme der Zinsen durch das Bafög-Amt gebe es keine gesetzliche Grundlage, so Studentenwerksleiter Eberhard Hoffmann.

Studenten, die ihren Antrag vollständig eingereicht haben und seit mehr als zehn Wochen auf ihr Geld warten, haben allerdings laut Gesetz Anspruch auf eine Ausgleichszahlung von 360 Euro monatlich. Der Teufel steckt hier allerdings im Detail, denn von Anfang an vollständig sind die Anträge nur in rund zehn Prozent der Fälle. „Das kann man den Studenten aber nicht vorwerfen, die Beantragung ist wirklich enorm kompliziert“, sagt Hoffmann. Sein Team prüft jetzt, ob es Sinn macht, die Berechtigten der Ausgleichszahlung ausfindig zu machen oder besser gleich alle Anträge ordnungsgemäß zu bearbeiten.

Damit es im nächsten Jahr nicht wieder zu Engpässen kommt, schreibt das Studentenwerk in diesen Tagen zwei neue Sachbearbeiterstellen aus. Das wird für die Aufarbeitung der alten Anträge aber nicht mehr viel nützen. Deshalb liegt die Hoffnung auf den anderen niedersächsischen Hochschulstandorten. Wenn von dort noch mehr Hilfe kommt, will man bis Ende April allen Bafög-Empfängern ihr Geld ausgezahlt haben.

Anne Grüneberg

Heiko Rehberg 18.02.2013