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Aus der Stadt Teil des Stadtbilds
Hannover Aus der Stadt Teil des Stadtbilds
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13:56 07.06.2014
Von Andreas Schinkel
Kicken zwischen den Zelten: Alltag im Protestcamp auf dem Weißekreuzplatz. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Gastwirt Wolfgang Sandmann, ein stämmiger Mann im roten T-Shirt, verschränkt die Arme vor der Brust und blickt auf die Zelte nur wenige Meter von seiner Außenterrasse entfernt. Aus zusammengekniffenen Augen beobachtet er die sudanesischen Flüchtlinge auf dem Weißekreuzplatz. Banner mit politischen Parolen flattern im Wind. „Eigentlich müssten die viel mehr Lärm machen und für ihre Sache kämpfen“, sagt Sandmann. Friedlich gehe es auf dem Platz zu, seit die Flüchtlinge vor zwei Wochen ihre Zelte aufgeschlagen haben, um gegen die bundesdeutsche Asylpolitik zu protestieren. „Wesentlich friedlicher als zuvor“, sagt der Wirt der Bar Celona. Die Trinkerszene, die sich normalerweise auf dem Platz treffe, sei wesentlich unangenehmer.

Die sudanesischen Flüchtlinge, die bereits den Weißekreuzplatz mit einem Zeltlager besetzten und mehrere Demonstrationen abhielten, protestierten nun vor dem Verwaltungsgericht gegen Abschiebung und die geltende Asylgesetzgebung.

Die protestierenden Sudanesen sind angekommen im Stadtteil. Die Geschäftsleute rund um den Platz bringen den Flüchtlingen viel Verständnis, ja Sympathie entgegen. „Die Leute im Camp gehören mittlerweile zum Stadtbild“, heißt es. Auch die Gäste der Bar Celona stören sich nicht am ungewohnten Ausblick. „Es ist wichtig, auf die schrecklichen Verhältnisse im Sudan aufmerksam zu machen“, sagt ein Herr im grauen Anzug und lässt sich die Speisekarte reichen.

Der Kontakt mit den Flüchtlingen hält sich jedoch in Grenzen. An ihrem Taxistand, nur wenige Meter von den Zelten entfernt, unterhalten sich zwei Fahrer über den „berechtigten Protest“ der Sudanesen. „Menschenrechte sind ein wichtiges Thema“, sagt Taxifahrer Bahram Saad. Sein Kollege nickt eifrig. Dennoch haben sie in den zwei Wochen noch kein einziges Wort mit den Menschen auf dem Platz gewechselt.

Anders Martin Krastel. Der 20-Jährige arbeitet als Aushilfskraft in einem Café am Weißekreuzplatz und wohnt ein paar Straßen weiter in der Rambergstraße. „Eine Bekannte engagiert sich für die Flüchtlinge und nimmt an deren Diskussionsrunden teil“, erzählt Krastel. Auch er wolle jetzt einsteigen und „irgendwie helfen“. „Wir haben schon kleine Spenden gebracht“, sagt der 20-Jährige stolz. Einen Sechserträger Cola, ein paar Orangen und Pflaster – was gerade benötigt wurde. Auch die abendlichen Gesprächskreise im Camp, von den Flüchtlingen Foren genannt, wolle er demnächst besuchen. Ab und zu, so habe er gehört, gibt es Ärger mit den Obdachlosen, die den Platz offenbar für sich beanspruchten. „Da ist schon mal was aus den Zelten gestohlen worden“, sagt Krastel. Er krempelt die Ärmel hoch, die Espressomaschine faucht. Dann sagt er nachdenklich. „Manchmal bleibt unklar, was die Flüchtlinge genau wollen.“

Die Terrasse der Bar Celona ist inzwischen gut gefüllt. Junge Frauen mit Sonnenbrillen im Haar schlürfen ihren Cappuccino, ein paar Schritte entfernt zwischen den Zelten zeigen junge Männer ihre Fußballkünste. Die Sudanesen spielen sich den Ball zu, tänzeln, lachen. Alltägliche Momente auf einem Platz, der in Hannover zum Zentrum der Demonstration für eine humanere Asylpolitik geworden ist. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn so lange alles friedlich bleibt, sieht die Polizei keinen Anlass, die Flüchtlinge zu vertreiben.    

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