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Aus der Stadt Südschnellweg braucht einen Ersatztunnel
Hannover Aus der Stadt Südschnellweg braucht einen Ersatztunnel
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06:00 24.08.2016
Von Conrad von Meding
Die Sanierungsarbeiten an der Südschnellwegbrücke ziehen sich hin. Sie könnten sogar erneut gesperrt werden. Quelle: Philipp von Dithfurt
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Hannover

Hannovers erster Tunnelbau stellt die Planer vor immer neue Herausforderungen: Bis 2023 soll die bröckelnde Südschnellwegbrücke über der Hildesheimer Straße abgerissen sein und einem Autotunnel weichen. Weil aber während dessen mehrjähriger Bauzeit der Verkehr auf den Schnellwegen weiter rollen muss, reift dieser Plan: Wahrscheinlich werden zunächst zwei Tunnelröhren rechts und links der alten Brücke gegraben. Wenn sie fertig sind und der Verkehr durch sie rollt, also spätestens 2023, wird die Brücke zwischen den Röhren abgerissen und der Tunnel dann in der Mitte vervollständigt. Eine Mammutaufgabe, die einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag verschlingen wird. Wie lange der Bau der Ersatztunnel dauern wird, ist unklar.

Wie saniert man eigentlich eine Brücke? Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat der HAZ erstmals Zugang zum Brückenkasten gewährt. Gemeinsam mit den Fachingenieuren ist Behördenchef Friedhelm Fischer durch das Innere gekrochen.

„Die Lösung mit den zwei seitlichen Tunneln ist derzeit das Szenario, mit dem wir rechnen“, sagt Jan Hanel, bei der Landesstraßenbaubehörde Projektleiter für den Neubau. Ursprünglich war geplant, während der Bauzeit eine Behelfsbrücke nördlich des defekten Bauteils zu installieren, um dann die alte Brücke abzureißen und Platz für den Tunnelbau in einem Zug zu haben. Dafür aber müssten Privatgrundstücke in Anspruch genommen werden. „Wir wollen die Eingriffe möglichst gering halten“, sagt Hanel. Im Planungsdialog mit Anwohnern und Fachleuten würden derzeit sieben verschiedene Varianten für den Tunnelbau diskutiert, „bis Jahresende müssen wir eine Entscheidung treffen, sonst kippt der Zeitplan“, sagt der Projektleiter.

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Für Autofahrer in Hannovers Süden ist die Brücke mit ihren dauerhaften Spursperrungen oben und den Verkehrsbehinderungen unten ein Dauerärgernis. Für Behörden und Planer aber ist sie zugleich ein riesiges Experiment. „Immer wieder führen wir Expertengruppen aus ganz Deutschland über die Baustelle und diskutieren mit ihnen die Konzepte“, sagt Behördenleiter Friedhelm Fischer. Die Aufgabe ist keine leichte: Die völlig marode Brücke muss mit hohem Aufwand so stabilisiert werden, dass sie hält, bis ab 2023 eine Ersatzlösung fertig ist.

Derzeit werden außen und innen Verstärkungen für das Brückenbauwerk gegossen, sogenannte Konsolen. An ihnen werden demnächst Verspannungen aus dickem Stahl angebracht, die mit bis zu 300 Tonnen Druck Stabilität in das Bauwerk bringen sollen. Die Arbeiten liegen schon jetzt nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan, sie werden bis zum nächsten Sommer dauern. Doch auch dann wird sich für Autofahrer nichts ändern: Es bleibt bei der einspurigen Verkehrsführung pro Fahrtrichtung. Nur die Schwerlastbeschränkungen und die Abstandsregelungen für Lkw werden aufgehoben.

Erst Notsperrung, jetzt Vollsperrung

20 Stunden Zeit zum Trocknen braucht der Beton – und in der Zeit darf er keinen Erschütterungen ausgesetzt werden. Für die Ingenieure ein Problem – denn jeder Lastwagen bringt das Bauwerk zum Schwingen. An einem Wochenende Ende Juni ordneten die Verkehrsbehörden daher ein Lkw-Befahrverbot für die Brücke an. Doch es endete in einer kleinen Katastrophe. Die Lkw hätten ab Freitagabend den Weg über Willmer- und Zeißstraße nehmen sollen, also direkt vor der Brücke ab- und sofort dahinter wieder auffahren. Dazu wurde eine Spurverengung angeordnet, entsprechend wurden die Baken auf der Brücke enger gesetzt. „Es war die Hölle“, sagt Projektleiterin Britta Baumgarten: „Viele Lkw-Fahrer ignorierten die Schilder, sie fuhren mit hohem Tempo auf die Brücke – die Baken spritzen nur so nach links und rechts.“ Sogar als die Arbeiter schwere Kubikmetertüten (Big-Pags) mit Sand gefüllt postierten, seien die Lkw-Fahrer einfach dagegengefahren.

Die Polizei ordnete wegen der Vielzahl der Unfälle schließlich ab 22.30 Uhr eine Notsperrung der Brücke an, sodass betoniert werden und der Beton schließlich bis Sonntagmorgen trocknen konnte. Für das bevorstehende Wochenende denkt die Straßenbaubehörde jetzt erneut eine Vollsperrung nach. „Wir gehen das Risiko einer Sperrung nur für Lkws nicht noch einmal ein“, sagt Behördenleiter Friedhelm Fischer.

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