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Aus der Stadt Feuerwehr muss marode Südstadt-Wache schließen
Hannover Aus der Stadt Feuerwehr muss marode Südstadt-Wache schließen
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00:17 16.02.2015
Von Jörn Kießler
Immer wieder verhindert der starke Verkehr auf der Jordanstraße, dass die Feuerwehr schnellstmöglich ihre Einsatzorte erreicht. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Eine Durchsage reicht, um das Dilemma der Feuerwache 3 deutlich zu machen. Als am Freitagmorgen der Ausrückbefehl zu einem Zimmerbrand in der Karl-Wiechert-Allee aus den Lautsprechern an der Jordanstraße schallt, dauert es keine Minute und ein Stau hat sich im Hof zwischen den Fahrzeughallen gebildet. „Das ist die Achillesferse dieser Feuerwache“, sagt Brandschutzbezirksleiter Markus Kropp und zeigt auf das blaue Tor an der Westseite des Areals. „Wir haben nur einen Ausgang, über den wir zu Einsätzen abrücken können.“ Und der ist dann auch noch häufig versperrt.

Immer wieder verhindert der starke Verkehr auf der Jordanstraße, dass die Feuerwehr schnellstmöglich ihre Einsatzorte erreicht. Die Nachricht, dass der 1937 gebaute Standort in der Südstadt für einen Neubau aufgegeben werden soll, kam daher bei der Besatzung gut an. „Wenn wir wirklich nach Bemerode in die Nähe des Messe- und Südschnellweges ziehen, wäre das optimal“, sagt Kropp. Über die beiden Bundesstraßen würden die Feuerretter schnell an alle Orte ihres Einsatzgebietes gelangen, dass sich vom Aegi bis nach Wülferode und vom Maschsee bis zur A 7 im Osten erstreckt. „Allein ein zweites Tor, über das wir abrücken könnten, würde unsere Arbeit erleichtern“, sagt Kropp.

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In der Feuerwehrwache 3 in der Jordanstraße bröckelt es nicht nur an der Fassade. Jetzt ist bald Schuss in der Südstädter Wache. Fotos: Schaarschmidt

Auf der Wunschliste seiner Kollegen stehen neben dieser baulichen Veränderung noch diverse andere Anregungen, für die Architekten, die den Bau bis spätestens Ende 2019 errichten sollen. „Natürlich wäre mehr Platz, eine bessere Ausstattung und vor allem die striktere Trennung bestimmter Bereiche gut“, sagt Detlef Koch. Seit 22 Jahren arbeitet der Berufsfeuerwehrmann im Atemschutzzentrum an der Jordanstraße. Unter der Werkbank, auf der er und Carsten Grothe die Ausrüstungen der Kollegen für die Wartung, Reparatur und Reinigung zerlegen, stapeln sich originalverpackte Vollgesichtsmasken. Einige der unteren Kartons haben über die Zeit schon ihre Steifigkeit verloren und sind an den Rändern eingeknickt.

„Eigentlich ist das hier ein Arbeitsbereich“, erklärt Hauptbrandmeister Grothe.  „Wegen des Platzmangels lagern wir hier aber auch die einsatzbereiten Atemschutzausrüstungen.“ Aus dem gleichen Grund haben die Feuerwehrleute der Wache, in der die Fachgruppe ABC-Gefahrenabwehr untergebracht ist, ein weiteres Problem. „Wenn die schmutzigen Ausrüstungen nach den Einsätzen abgeliefert werden, können wir sie kaum klar von den bereits gereinigten Teilen trennen“, sagt Koch.

Feuchte Wände und defekte Türen

Nicht nur in diesem Fall ist Improvisationstalent von den Feuerwehrleuten gefordert. „Es gab Zeiten, da sind wir mit Klebeband duschen gegangen“, erinnert sich Grothe. Ein Blick in die Waschräume zeigt trotz Renovierung, warum das so war. Noch immer fehlt hier und da eine Kachel an der Wand. Genau wie der Großteil der Aufenthaltsbereiche verströmen die Duschen Jugendherbergscharme. Feuchte Wände, Spuren von Wasserschäden an den Decken und defekte Türen finden sich in dem Trakt, in dem die Einsatzkräfte während ihrer 24-Stunden-Schichten wohnen.

Irgendwie ist das aber auch der Grund, warum einige von ihnen es begrüßen, dass sie noch etwas Zeit haben, um sich von dem Gemäuer zu verabschieden. „Wir sind hier auch groß geworden“, sagt Grothe, der hier seit 15 Jahren seinen Dienst absolviert. „Und wir haben hier auch schon immer mitgestaltet“, erklärt Detlef Koch und verweist auf eine orange gestrichene Wand in der Werkstatt. Mit etwas Glück haben die Feuerwehrleute aus der Wache 3 bei der Wahl der Wandfarben am neuen Standort auch ein Wörtchen mitzureden.

Von Jörn Kießler

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