Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Tag 5: Die Lehrerin gibt ihren ersten Mathe-Kurs
Hannover Aus der Stadt Tag 5: Die Lehrerin gibt ihren ersten Mathe-Kurs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 07.08.2017
Die Abiturienten, die Hülya Türkal unterrichtet, sind wenig jünger als sie selbst. Quelle: Heidrich
Anzeige
Hannover

Der Altersunterschied ist nicht groß. Wenn Junglehrerin Hülya Türkal Abiturienten unterrichtet, trennen sie manchmal nur fünf, sechs Jahre von den jungen Erwachsenen. „Sicher sind die Schüler wieder alle größer als ich“, spekuliert die 26-Jährige auf dem Weg zu ihrem Mathe-Kurs im 13. Jahrgang. „Aber das kenne ich schon aus meiner Ausbildungsschule.“ Klein und zierlich ist die Berufsanfängerin tatsächlich, doch wenn sie vor der Klasse steht, kommen keine Zweifel auf, wer die Richtung vorgibt.

Die HAZ-Lehrerin

Vor dem Start - das ist die HAZ-Lehrerin Hülya Türkal.

Türkal freut sich sehr, dass sie neben den anderen Lerngruppen auch einen Oberstufenkurs bekommen hat. Keiner der Schüler wird Mathe in der Abiprüfung haben, das erleichtert den Einstieg für die Lehrerin, die an der Leonore-Goldschmidt-Schule (Integrierte Gesamtschule Mühlenberg) ihre erste Stelle angetreten hat. Abi-Klausuren werden nicht zu korrigieren sein.

Anzeige

Wie eigentlich immer wählt Türkal betont freundliche Worte zur Begrüßung. Die Schüler dürfen ruhig spüren, dass sie gerne unterrichtet. „Ich habe die Ehre Euch, den Hobby-Mathekurs, wie die Kollegen sagen, zu unterrichten.“ Bei den jungen Leuten kurz vor dem Abitur darf der Ton ruhig locker sein, hat Türkal intuitiv entschieden. „Ich bin vor so einer Gruppe nicht so streng wie bei den Jüngeren, weil Disziplinprobleme seltener auftreten.“ Dennoch, meist bleibt die Lehrerin sachlich und klar in der Ansage. Eine Schülerin berichtet von einem recht entgegenkommenden Benotungssystem, das ein Vorgänger Türkals angeblich gepflegt hat. Die Junglehrerin lässt sich nicht darauf ein. „Bei mir müsst ihr euch ein bisschen mehr anstrengen. Aber ich bemühe mich, euch faire Noten zu geben“, verspricht sie.

Der 5. Tag von Junglehrerin Hülya Türkal in der IGS Mühlenberg.

Fünf Schüler aus dem Kurs hatten ein halbes Jahr lang keinen Matheunterricht. Nun versucht Türkal zu ermitteln, wie weit die gesamte Gruppe in Stochastik gekommen ist. Doch eigentlich ist das Themengebiet abgehakt. Dieses Halbjahr wird es ab der nächste Unterrichtsstunde um Analytische Geometrie gehen. „Also ein Neustart, bei dem alle auf dem gleichen Stand beginnen.“

Ihr Referendariat hat Türkal an einem Gymnasium gemacht. Aber die junge Lehrerin hat nach dem Studium auch drei Monate lang an einer Hauptschule gearbeitet. „Ich hatte vorher Vorurteile, dachte die Schüler haben keine Lust zu lernen.“ Sie merkte schnell, dass viele andere Hindernisse den Kindern im Weg stehen. Und dass die Schüler durchaus gerne lernen, wenn sie Hilfe bekommen.

Für Türkal war wohl auch die Erfahrung mit den jüngeren ihrer insgesamt fünf Schwestern ein Grund, Lehrerin zu werden. Sie half den beiden gerne und freute sich über den „Aha-Effekt“. Die eine studiert Pharmazie, die andere hat jetzt das Abi geschafft. Die drei Älteren haben ihren Weg auch so gemacht.

An den ersten beiden Schultagen an der IGS hat Türkal vier Klassen oder Kurse kennen gelernt. Die Elftklässler hat sie in Mathe einen Test schreiben lassen, den die Schüler sich am Ende gegenseitig korrigieren. „Ich will wissen, was sie können, damit wir vielleicht jetzt am Anfang in das eine oder andere noch einmal Zeit investieren.“ Bruchrechnen scheint so ein Bereich zu sein, wo noch Klärungsbedarf besteht.

„Die Schüler hier sind wirklich sehr unterschiedlich. Einige sind mit einem Test halb fertig, während andere noch an der ersten Aufgabe arbeiten“, stellt die Lehrerin fest. Auch an Gymnasien gebe es deutliche Leistungsunterschiede. „Aber nicht so große wie hier.“ Deshalb ist Türkal erleichtert, in manchen Lerngruppen von Achtklässlern gemeinsam mit einer Förderschullehrerin unterrichten zu können. Und von der Hilfsbereitschaft ihrer neuen Kollegen ist sie nach wie vor begeistert. „Ich bin sehr froh, an dieser Schule gelandet zu sein. Die erste Woche war einfach schön.“        

Alle Folgen der HAZ-Serie "Die neue Lehrerin"

Die 26 Jahre Hülya Türkal tritt an der IGS Mühlenberg ihre erste Stelle als Lehrerin an. Die HAZ begleitet die Junglehrerin ihre erste Arbeitswoche. Hier finden Sie alle Folgen der Serie zum Nachlesen.

Conrad von Meding 07.08.2017
Susanna Bauch 04.08.2017