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Aus der Stadt Wo gibt es die beste Sicht auf die Promis?
Hannover Aus der Stadt Wo gibt es die beste Sicht auf die Promis?
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08:01 24.09.2014
Von Andreas Schinkel
Matthias Woiwode ist seit 2011 Leiter des Protokolls in der Niedersächsischen Staatskanzlei. 
Matthias Woiwode ist seit 2011 Leiter des Protokolls in der Niedersächsischen Staatskanzlei.  Quelle: Kleinschmidt
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Herr Woiwode, die Feier zum Tag der Deutschen Einheit wird eine gigantische Veranstaltung mit Hunderttausenden Besuchern und etlichen prominenten Gästen. Als Protokollchef müssen Sie alle Fäden in der Hand behalten. Schlafen Sie noch gut?
Aber ja, ich habe keinen Grund, unruhig zu schlafen. Zwar ist die Veranstaltung eine außergewöhnliche Herausforderung, aber in ihren Grundzügen auch nicht anders als andere protokollarische Veranstaltungen. Mit den Protokollchefs unserer hochrangigsten politischen Vertreter waren beispielsweise im Vorfeld drei Treffen angesetzt. Aber nach zwei Begegnungen war schon alles geklärt.

Jetzt wissen Frau Merkel und Herr Gauck, wann sie wohin zu laufen haben?
Genau. Mit den Protokollchefs gehe ich die Wege ab, die später auch die Gäste beschreiten. Das müssen Sie sich wie eine Choreografie vorstellen. So entwickeln wir beispielsweise eine Idee, wie wir unsere Gäste schnell für ein Gruppenfoto zusammenstellen können. Hochrangige Politiker sind es gewohnt, sich etwas von uns lenken zu lassen.

Zur Person

Der 51-Jährige ist weder Jurist noch Sozialwissenschaftler, wie man aufgrund seiner Arbeit annehmen könnte. Woiwode hat Katholische Theologie in Tübingen und in Belo Horizonte (Brasilien) studiert. Mit soziologischen Theorien habe er sich dennoch intensiv beschäftigt, sagt er. Seit 1994 war er im Bistum
 Hildesheim tätig, zuletzt als Referent des Generalvikars.

Dann lassen Sie uns die Wege einmal abschreiten. Am 3. Oktober beginnt der offizielle Festakt mit ...
...einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Um Punkt 9.40 Uhr werden die Vertreter der fünf Verfassungsorgane im Alten Rathaus erwartet. Die protokollarische Reihenfolge sieht vor, dass sich zuerst der Bundespräsident, Joachim Gauck, einträgt, dann folgt Bundestagspräsident Norbert Lammert, hinter ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel, danach Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der den Bundesrat vertritt, und zum Schluss der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle. Danach ...

Moment. Das Goldene Buch Hannovers befindet sich doch im Neuen Rathaus am Trammplatz. Eigentlich heißt es, dass das Goldene Buch das Rathaus nicht verlassen darf.
Richtig, aber in unserem Fall wird es nur von einem Rathaus ins andere gebracht. Das Alte Rathaus liegt für unsere Zwecke wesentlich günstiger, denn danach betritt die Delegation die Marktkirche gleich nebenan. Dort beginnt um 10 Uhr der ökumenische Gottesdienst mit 800 geladenen Gästen. Zuvor stellt sich die Gruppe noch fürs Familienfoto zusammen. Oberbürgermeister Stefan Schostok wird auch dabei sein.

Und wann können die Bürger einen Blick auf die politische Prominenz werfen?
Am besten nach dem Gottesdienst um 11 Uhr. Dann werden die fünf Gäste aus der Marktkirche treten und kurz mit den Bürgern plaudern. Ein Teil des Platzes rund um die Marktkirche wird aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Den besten Ausblick auf die Prominenten haben Sie, wenn Sie sich vor die Buchhandlung gegenüber der Marktkirche stellen. In diese Richtung wird die Gruppe gehen, um kurz mit den Bürgern zu sprechen.

Bei den Sicherheitskräften dürfte dann der Angstschweiß ausbrechen.
Für die Sicherheitsorgane ist das keine ungewöhnliche Situation. Eine Besonderheit liegt aber darin, dass fünf Spitzenpolitiker gemeinsam auftreten. Dementsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen.

Kommen wir kurz auf das Thema Sicherheit zu sprechen. Eine Gegendemonstration ist angemeldet, Autonome kündigen im Netz an, Flagge zu zeigen. Rechnen Sie mit Störungen?
Nein. Die Kundgebung auf dem Opernplatz überschneidet sich nicht mit dem Festakt. Ich habe schon drei Einheitsfeiern begleitet und bisher keine nennenswerten Turbulenzen erlebt. Das wird auch dieses Mal so sein.

Liegt das daran, dass an jeder Ecke von Hannovers City ein Trupp Polizisten postiert wird?
Ich gehe davon aus, dass die Polizei präsent ist, aber nicht übermäßig sichtbar. Auf dem Bürgerfest rund um den Maschsee werden Sie kaum Polizisten sehen. Dort sorgt der von uns engagierte Ordnungsdienst für die Sicherheit der Besucher. Der wird auch darauf achten, dass die Festplätze nicht zu voll werden.

Zurück zum Protokoll. Nach dem Marktkirchengottesdienst und dem Bad der Politiker in der Menge steht vermutlich der Festakt im Hannover Congress Centrum auf dem Programm.
Richtig. Der Festakt mit der Ansprache der Bundeskanzlerin beginnt um 12 Uhr. Alle müssen pünktlich im HCC sein, weil die ARD die Veranstaltung live im Fernsehen überträgt. Die Gruppe der Spitzenpolitiker wird die Kramerstraße entlanggehen bis zum Leibnizhaus. Oberbürgermeister Schostok und Ministerpräsident Weil werden in die Rolle der Stadtführer schlüpfen. Am Leibnizhaus wartet eine Autokolonne, die die Politiker zum Congress-Centrum fährt. Zur gleichen Zeit bringen wir die 800 geladenen Gäste des Gottesdienstes mit Sonderbussen zum HCC. Dabei dürfen wir nicht viel Zeit verlieren.

Wann sollten sich die Zaungäste am HCC bereithalten?
Vor der Stadthalle zu warten, lohnt sich nicht. Denn der Platz vor dem Gebäude ist weiträumig abgesperrt. Die Gäste werden vor dem Haupteingang auch nicht stehenbleiben, sondern zügig durchs Portal schreiten. Die Zeit ist knapp bemessen.

Nach dem Festakt ist dann alles vorbei?
Nicht ganz. Ab 13 Uhr gibt der Bundespräsident im HCC einen Empfang für alle Gäste. Dort begrüßt er unter anderem die Bürgerdelegationen aus den 16 Bundesländern. Danach ist aber wirklich Schluss.

Wo übernachten die Honoratioren in Hannover?
Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident werden am selben Tag wieder abreisen. Sie haben auch zuvor nicht in Hannover genächtigt. Anders dagegen die Ministerpräsidenten, die Hannover ebenfalls besuchen. Zwar kümmern sich die Länderchefs selbst um ein Quartier, aber wir haben ein Kontingent im Hotel Luisenhof reserviert. Etwa die Hälfte der Ministerpräsidenten aus den 16 Bundesländern kommt persönlich, die andere Hälfte schickt einen Stellvertreter, meist den jeweiligen Innenminister. Die Gäste aus den Bundesländern werden es sich nicht nehmen lassen, die Länderpavillons am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer zu besuchen. Wir stellen ihnen Scouts zur Seite. Das sind Mitarbeiter von uns, die den Länderchefs helfen, sich in Hannover und auf dem Bürgerfest zu orientieren.

Herr Woiwode, die Einheitsfeier erinnert insbesondere an den Mauerfall vor 25 Jahren. Wie haben Sie den Umbruch damals erlebt?
Ich habe 1989 noch studiert und befand mich im Südwesten Deutschlands. Am 9. November bin ich mit dem Auto nach Aachen zu einer Hochzeit gefahren. Das Radio lief, ich hatte Tränen in den Augen. Die Ereignisse haben mich sehr berührt.

Zwei Tage Voksfest und Gedenken

In mehrfacher Hinsicht ist die Feier zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober etwas Besonderes. Das Land Niedersachsen richtet die Feierlichkeiten aus, damit rückt Hannover in den Mittelpunkt Deutschlands. Zudem fiel vor genau 25 Jahren die Berliner Mauer, der erste Schritt zur Einheit war getan. Das geschichtsträchtige Datum steht im Mittelpunkt der Festivitäten am 2. und 3. Oktober in Hannover.

Zeitzeugen kommen zu Wort, Bürgerrechtler aus der ehemaligen DDR werden empfangen, und am Schluss der Feiern soll das Gedenken an den Mauerfall einen stimmungsvollen Höhepunkt erreichen. „Wir werden gegen 21.30 Uhr am Maschsee-Nordufer nicht nur ein Feuerwerk zeigen“, sagt der Protokollchef der Staatskanzlei, Matthias Woiwode. „Das Glück der Wiedervereinigung“ soll gefeiert werden.

Zuvor gibt es eine Menge zu sehen und zu erleben. „Die Einheitsfeier ist vor allem ein Volksfest“, sagt Woiwode. Kernstück dürfte die Ländermeile auf dem Rudolf-von-Bennigsen-Ufer sein. Alle 16 Bundesländer sind mit einem eigenen Pavillon vertreten. „Klischees werden erfüllt, aber auch Überraschungen geboten“, verspricht Woiwode. Um eine Weißwurst im Bayern-Zelt oder einen Riesling im Pavillon von Rheinland-Pfalz wird man also nicht herumkommen. Wie eine Perlenschnur reihen sich die Stände vom Altenbekener Damm bis zum Nordufer aneinander. Protokollchef Woiwode empfiehlt, das Feld von hinten aufzurollen. Also nicht am Nordufer mit dem Niedersachsenzelt zu beginnen, sondern im Süden mit dem Pavillon der Zipfeldörfer. Dort präsentieren sich die südlichsten, nördlichsten, westlichsten und östlichsten Gemeinden Deutschlands.

„Für Familien bietet es sich an, erst die Feuerwehr- und Polizeiautos auf der ,Blaulichtmeile’ an der Kreuzung Altenbekener Damm/Rudolf-von-Bennigsen-Ufer zu besuchen und danach mit dem Dampfer auf die andere Maschseeseite überzusetzen“, sagt Woiwode. Dort steigen Kinder und Eltern in eine Bimmelbahn, die sie zum Kinderfest nahe dem Biergarten am Nordufer bringt. Deutschlands bekannteste Kinderliedermacher, Rolf Zuckowski und Volker Rosin, treten auf. Zuckowski will in seinen Darbietungen sogar auf das Thema deutsche Einheit eingehen. Ein paar Schritte entfernt, nahe dem Stadion, präsentiert sich der Landessportbund mit zahlreichen Mitmach-aktionen. Auf dem Maschsee soll eine Meisterschaft im Wakeboarden ausgetragen werden.

Los geht es an beiden Tagen jeweils um 11 Uhr, die meisten Veranstaltungen dauern bis 20 Uhr, in einigen Länderzelten geht das das Programm bis 24 Uhr. Die Stadt empfiehlt allen Besuchern, mit Bussen und Bahnen oder mit dem Rad anzureisen.

asl

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