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Aus der Stadt Tag der offenen Moschee in Hannover
Hannover Aus der Stadt Tag der offenen Moschee in Hannover
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07:59 04.10.2011
Von Juliane Kaune
Gemeinsamer Glaube: Fünfmal am Tag beten die Muslime in der Moschee.
Gemeinsamer Glaube: Fünfmal am Tag beten die Muslime in der Moschee. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Ganz dringend sucht Bünyamin Em eine Wohnung in Bayreuth. An der Uni in der bayerischen Stadt hat er einen Studienplatz für das Fach Jura in Kombination mit Wirtschaftswissenschaften erhalten – und das Semester beginnt bald. Doch an diesem Tag lässt sich der 19-Jährige nicht aus der Ruhe bringen. Der junge Türke hat viel Zeit eingeplant, um Besucher durch die Moschee in der Stiftstraße zu führen, ihnen das Gebäude und den muslimischen Glauben näherzubringen. „Ich bin Dialogbeauftragter unserer Gemeinde“, erklärt Em, der älter wirkt, als er ist. Dann fügt er hinzu, was er sonst noch in seiner Freizeit macht: „Ich pfeife als Schiedsrichter in der Fußballkreisklasse und trainiere Taekwondo.“

Seit 14 Jahren laden die in Deutschland lebenden Muslime stets am Tag der Deutschen Einheit zum „Tag der offenen Moschee“ ein. Auch hannoversche Moscheen sind jedes Jahr dabei, am Montag waren es fünf der 18 registrierten Gotteshäuser in der Region. Dass die ehemalige Druckerei in der Stiftstraße schon seit Jahren eine Moschee ist, wüssten viele Leute gar nicht, sagt Em. Denn von außen fehlen ihr die typischen Attribute wie eine Kuppel oder ein Minarett. Im Inneren der Flachbauten aber gibt es alles, was für gläubige Muslime unerlässlich ist: einen mit Teppich ausgelegten Gebetssaal, einen Raum für rituelle Waschungen und eine Bücherei mit den Schriften des Koran. „Gläubige Muslime beten fünfmal am Tag“, erklärt Em.

Mehrere Schulungsräume für Kinder und Jugendliche, eine Teestube, ein Jugendlokal mit Billard- und Krökeltisch und sogar ein Friseur gehören obendrein zu dem Komplex. „Das kann man mit einem Gemeindezentrum der christlichen Kirchen vergleichen“, sagt Em, der sich Stichpunkte auf kleinen Merkzetteln notiert hat, damit er bei seiner Führung nichts Wichtiges vergisst. So erfahren die rund 150 Gäste, die über den Tag verteilt zur Besichtigung kommen, dass auch der für 82 muslimische Gemeinden in Niedersachsen und Bremen zuständige zentrale Landesverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in der Stiftstraße ansässig ist.

Seyhan Samast zeigt sich für alle Fragen der Besucher offen. Auch warum sie ein Kopftuch trägt, beantwortet die 19-Jährige: „Für mich gehört es zu meinem Glauben dazu.“ Jeder müsse das für sich selbst entscheiden, sagt die junge Frau im langen Jeansrock, die eine Ausbildung zur Ergotherapeutin macht. Wie sie ihre Zeiten des Gebets mit den Arbeitszeiten in einer medizinischen Praxis vereinbare, möchten Wolfgang und Elke Engelhaupt aus Anderten wissen, die ihre Radtour in die Stiftstraße gezielt geplant haben und zum ersten Mal in einer Moschee zu Gast sind.

Es sei erlaubt, sagt Seyhan Samast, in bestimmten Fällen Gebete später zu Hause nachzuholen. Negative Erfahrungen aufgrund ihres Glaubens habe sie weder in der Schule noch am Arbeitsplatz gemacht, betont die Türkin, die in Hannover geboren und aufgewachsen ist.

Aus „Interesse und Neugierde“ ist Ingeborg Weinhold beim Moschee-Rundgang dabei, für den die Gäste ebenso wie die Gläubigen ihre Schuhe ausziehen müssen. In arabischen Ländern habe sie bereits muslimische Gotteshäuser besichtigt, sagt die Südstädterin. „Aber eben nicht hier in Hannover.“

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