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Aus der Stadt Ach du dicker Hund
Hannover Aus der Stadt Ach du dicker Hund
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00:15 25.11.2014
Von Michael Zgoll
Foto: Zu dick? Die TiHo berät beim Tag der offnenen Tür Hundebesitzer.
Zu dick? Die TiHo berät beim Tag der offnenen Tür Hundebesitzer. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Theo ist fünf und durchaus gut gebaut. An Übergewicht leidet der muskulöse Labrador Retriever sicher nicht. Trotzdem verabreicht ihm sein Frauchen, die Tierärztin Anna Bockskopf, seine Trockennahrung gern per Futterball. „Er saugt sonst alles auf, ist in 30 Sekunden mit dem Fressen fertig“, erzählt die 26-Jährige. Den Futterball aber muss Theo vor sich hertreiben, nur dann fallen die Leckerlis bröckchenweise heraus. Der Stand „Ach du dicker Hund“ war eine von viele Stationen, die die Tierärztliche Hochschule (TiHo) am Tag der offenen Tür aufgebaut hatte.„Man kann seinen Hund gar nicht satt füttern, das ist eine Illusion“, sagt Claudia Rade, Fachtierärztin für Tierernährung.

Ist Ihr Hund zu dick? Und was kann Ihr Hund? Beim Tag der offenen Tür der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) können sich Hundebesitzer informieren. 

Darum solle man sich auch nie vom traurigen Blick seines Lieblings nach der Fütterung erweichen lassen, sondern immer die Kalorienzahl im Blick haben. Spätestens, wenn die Taille des Tiers nicht mehr zu erkennen ist und die Rippen nicht mehr erfühlt werden können, sollte der Hundebesitzer gegensteuern. So würden Futternäpfe mit eingebauten Hindernissen oder Bewegungsspielzeug die Nahrungsaufnahme verlängern und das Tier am Laufen halten.Mehr als 20 Abteilungen präsentierten ihre Tätigkeitsfelder in verschiedenen Instituten am Bünteweg.

Alle zwei Jahre lädt die TiHo Bürger ein, um ihnen einen Blick ins Hochschulleben zu gewähren. In der Klinik für Geflügel konnte man erfahren, woher die Chicken Nuggets kommen, der AStA lud zum Wettmelken ein. Selbstgebaute Modelle zum praktischen Lernen für die Studenten stellte das Team um Tierarzt Marc Dilly im Clinical Skills Lab vor. So versuchte die zwölfjährige Leonie die Trächtigkeit einer Kuh zu ertasten – per Griff durch ein künstliches Rektum. Neben ihr lag der Vorderlauf eines Hundes, nachgebildet aus Kautschuk.

Daran können Studenten praxisnah üben, wie man eine Braunüle legt.Ganz Mutige probieren am Tag der offenen Tür die Seidenspinner-Frikadellen aus, die Fachtierarzt Nils Grabowski in heißem Fett frittiert hat. Auch ein Potpourri aus Heuschrecken, Heimchen und Mehlwürmern brutzelt in der Pfanne. „Die Insekten wurden bei uns im Labor gründlich auf Salomonellen oder andere Erreger untersucht, wir haben sie vorgekocht und kurz vor dem Verzehr gut durchgebraten“, berichtet der Fachtierarzt für Milchhygiene.

Offiziell zugelassen als Lebensmittel seien Seidenraupen-Burger oder gebratene Zikaden in Deutschland nicht; allerdings könne die TiHo als erste Anlaufstelle für Insektenkonsum in Deutschland mit Fug und Recht darauf verweisen, dass hier nichts Gefährliches auf den Teller kommt. „Es gibt bereits 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, die sich von Insekten ernähren“, unterfüttert Grabowski sein Plädoyer für alternative Esskultur.„Sieht frittiert aus, ist ziemlich salzig und schmeckt nach Soja-Knoblauch-Marinade“, lautet das Urteil von Jonathan Raue aus der Südstadt. Auch das anderthalb Jahre alte Töchterchen Ronja findet an der Seidenspinner-Frikadelle Gefallen. „Und dürfen wir die Beine der Heuschrecke mitessen?“, wollen Martina und Jürgen Brauns wissen. Sie dürfen – wenn sie den Knusperhappen nur schön kauen.

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