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Aus der Stadt Mehr Babys, weniger Kliniken
Hannover Aus der Stadt Mehr Babys, weniger Kliniken
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00:21 10.11.2015
Von Bärbel Hilbig
Großer Andrang beim Tag der offenen Tür der Geburtskliniken im Friederikenstift. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Ende Januar soll ihr Kind zur Welt kommen, doch noch hat sich Betül Topcu nicht für ein Krankenhaus entschieden. „Vor allem ist es mir wichtig, dass ich mich dort wohlfühle und die Mitarbeiter mich beruhigen.“ Beim offenen Tag in den Geburtskliniken sieht sich die 27-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Fatih im Friederikenstift um – und staunt über den in hellen, warmen Farben eingerichteten Kreißsaal mit Gardinen und einem Tuch, das an stabilen Karabinerhaken von der Decke hängt. „Frauen in den Wehen mögen sich gerne daran festhalten“, erzählt Hebamme Tanja Bujalla. Die Fachfrau zeigt auch gleich im Nebenraum die Wanne, in der die Frauen zur Entspannung ein Bad nehmen oder auch die Geburt im Wasser vollbringen können.

Zahlreiche zukünftige Eltern kamen am Samstag ins Friederikenstift, um sich beim Tag der offenen Geburtskliniken rund um die Geburt zu informieren.

So wie im Friederikenstift ist am Sonnabend auch in den anderen Geburtskliniken am gemeinsamen Tag der offenen Tür der Andrang groß. Medizinische Hochschule, Henriettenstift, Kinderkrankenhaus Auf der Bult, Vinzenzkrankenhaus, Klinikum Großburgwedel und Robert-Koch-Klinikum Gehrden zeigen Schwangeren, die meist in Begleitung ihrer Partner und oft weiterer Familienmitglieder sind, ihre Räume – und die Mitarbeiter beantworten viele Fragen.

Auf mehrere Hundert Besucher kommt jede der sechs Kliniken im Lauf des Tages. Der Andrang fällt besonders groß aus, seit die Geburtenabteilung des Klinikums Nordstadt im Mai 2015 geschlossen wurde. Vor allem im nahe gelegenen Friederikenstift ist die Zahl der Geburten seitdem stark gestiegen. Vor drei Jahren kamen hier noch 1400 Kinder zur Welt. Als im Jahr 2013 die Entbindungsstation der Paracelsus-Klinik in Langenhagen schloss, stieg die Zahl bereits auf 1500 Geburten.

Vergangenes Jahr zählte das Friederikenstift dann 1638 Geburten. „Auch da hatten sich viele Paare schon umentschieden, weil unklar war, wann in der Nordstadt Schluss ist. Dieses Jahr kommen wir bestimmt auf 1800 Geburten“, schätzt die leitende Hebamme Reinhild Mikolajewski. Seit drei Monaten hat das Friederikenstift einen vierten Kreißsaal eingerichtet. Personell gab es nach Schließung des Nordstadt-Klinikums nur eine halbe Stelle dazu. Die Situation sei schwierig, räumt Mikolajewski ein. „Zwei neue Stellen sind jetzt bewilligt. Es ist ein wichtiger Verhandlungserfolg, dass wir bald neue Leute bekommen.“

Beim Rundgang lassen sich die freundlichen zugewandten Hebammen nicht anmerken, wie viel mehr Arbeit sie seit einiger Zeit haben. Tanja Bujalla ist ganz auf die schwangeren Besucherinnen konzentriert, fragt nach, wenn eine im gut geheizten Kreißsaal blass wird, und holt ihr schnell Wasser. Die Hebamme erzählt den Frauen von Geburten im Stehen oder auf dem Hocker. „Auch die Betten sind beliebig umbaubar. Seien Sie offen dafür, was am besten passt.“ Zaneta Zbyryt hat sich darüber noch keine Gedanken gemacht. „Ich lasse mich überraschen. Eine Geburt kann man eh nicht planen.“ Betül Topcu sieht nach dem Besuch schon viel zuversichtlicher aus. „Den Kreißsaal habe ich mir anders vorgestellt, viel steriler. So ist es viel angenehmer.“ Nur ihr Mann Fatih weiß immer noch nicht, ob er bei der Geburt wirklich dabei sein will. „Ich werde schon ohnmächtig, wenn mir Blut abgenommen wird.“

Kurve der Geburten zeigt weiter nach oben

Der Babyboom in Hannover hält weiter an. Bis zum 31. Oktober hat das Standesamt Hannover 7244 Geburten beurkundet. Bis zum Jahresende hochgerechnet bedeutet das, dass in Hannover in diesem Jahr rund 8700 Mädchen und Jungen geboren werden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet einen Anstieg, auch wenn dieser nicht so stark ausfällt wie in den Vorjahren. Im vergangenen Jahr waren in Hannover 8636 Kinder auf die Welt gekommen. Für das Jahr 2013 meldete das Standesamt 7918 Geburten, im Jahr 2012 waren in Hannover 7195 Mädchen und Jungen auf die Welt gekommen. Nach Angaben von Rathaussprecher Udo Möller sind rund zwei Drittel der in Hannover beurkundeten Geburten hannoversche Kinder, der Rest kommt überwiegend aus dem Umland.

Die Geburtskliniken in Hannover verzeichnen in diesem Jahr starke Zuwächse. Das liegt vor allem an der Schließung der Geburtshilfe des Nordstadtkrankenhauses zum 1. Mai. Dadurch müssen aufs ganze Jahr gerechnet die 1000 dort wegfallenden Geburten in anderen Krankenhäusern stattfinden.

Offenbar gehen die meisten Eltern, die früher zur Geburt ihres Kindes ins Nordstadtkrankenhaus gegangen wären, jetzt ins Friederikenstift der Diakonischen Dienste DDH. Dort hat es bis zum 31. Oktober 1551 Geburten gegeben, im vergangenen Jahr waren im Friederikenstift bis zum gleichen Zeitpunkt 1364 Kinder zur Welt gekommen. Gemeinsam mit der Henriettenstiftung werden in den beiden DDH-Krankenhäusern in diesem Jahr insgesamt erstmals mehr als 4000 Mädchen und Jungen geboren werden.

Auch die Medizinische Hochschule erwartet in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Geburten. Bis zum 31. Oktober haben dort 2153 Kinder das Licht der Welt erblickt, hochgerechnet werden dort deutlich mehr Kinder zur Welt kommen, als in den Vorjahren.

Einen Rekord meldet auch das Vinzenzkrankenhaus. Dort kam bereits vor mehr als einer Woche das 1000. Baby zur Welt. Insgesamt rechnet das Vinzenzkrankenhaus mit einem Anstieg der Geburten in diesem Jahr um 15 Prozent.

mak

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