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Aus der Stadt Tauschbörse für Talente in Hannover
Hannover Aus der Stadt Tauschbörse für Talente in Hannover
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17:50 16.04.2012
Von Gunnar Menkens
Neben Dienstleistungen tauschen die Mitglieder des Tauschrings auch allerlei Hausrat und Kleidung. Ansonsten gilt: Wer handwerklich beschlagen ist, hat gute Karten. Quelle: Christian Burkert
Hannover

Selbstgestrickte Wollsocken, dick und bunt. Eine weiße Bluse mit roten Tupfen. Krimis und, als Taschenbuch, „Die Kräuterküche“. Zwei Mäntel. Seifen in bunten Farben. Kerzen. Es könnte am Fernsehprogramm dieses Abends liegen, dass auf dem Holztisch im überheizten Raum des Umweltzentrums eher Produkte aus der weiblichen Waren- und Produktionswelt zum Tausch liegen. Ein Sender zeigt Fußball, Champions League. Um den Tisch sitzen fast nur Frauen. „Sonst kommen schon mehr Männer“, sagt Organisator Harald Vincent. Er offeriert Kleider und Schminke. Vincent, dem frisurtechnisch die Haare zu Berge stehen, löst gerade sein kleines Theater auf.

Vor mehr als einem Dutzend Jahren hat sich in Hannover ein Tauschring gegründet, der seither, wenig bekannt, recht praktische Dinge tut und dem 250 Menschen angehören. Es geht darum, untereinander Fähigkeiten und Zeit zu verrechnen. Man kann auch Dinge verkaufen. Die interne Währung ist das Talent. Der Preis ist Verhandlungssache, 15 Talente entsprechen grob einer Stunde Arbeit. Man kann hoch im Plus stehen auf seinem Konto oder tief im Minus. Echtes Geld fließt nicht, dann käme man leicht in den Ruch von Schwarzarbeit. Es wird quittiert und verbucht, mit dreifachem Durchschlag.

Beim Tauschring versteht man sich als Nachbarschaftshilfe. Aber wie im richtigen Leben bestimmt die Nachfrage die Chance, den eigenen Kontostand zu verbessern. Auf eine Faustformel gebracht: Handwerker sind gefragter als Menschen, die Horoskop können.

Ute ist seit Langem dabei. Ihren vollständigen Namen möchte sie nicht sagen, aber wichtiger als er ist ihre Geschichte. Lange Zeit hat sie ihren Vater gepflegt und war beruflich sehr eingespannt. Freunde zogen weg. „Damals bin ich aus vielem rausgefallen“, sagt sie. Der Tauschring war eine Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. Und er half ihr, Geld zu sparen, denn auch das ist ein Grund für viele Mitglieder, hier mitzumachen. „Für Arbeitslose oder Menschen mit wenig Geld kann das Tauschen eine große Hilfe sein.“

Rechnet man in der Talentewährung, dann hat die Altenpflegerin mit den langen Haaren einen Haufen Schulden. Um die 300 Talente, ganz genau weiß sie es nicht. Das liegt daran, dass sie viel mehr Hilfen in Anspruch genommen hat, als sie zurückgab. Ute hat ein schlechtes Gewissen. Niemand kann hier seine Schuld drücken, indem er Euro auf den Tisch legt. Er muss etwas tun. Aber manchmal lässt Ute ihr Job einfach keine Zeit, manchmal passen die Gesuche nicht. Wenn sie Glück hat, kann sie ihre getupfte Bluse tauschen.

„Vielleicht gehen wir mal ’rum am Tisch, dass sich jeder mal vorstellt, sind ja auch einige neue Gesichter dabei heute.“ Harald Vincent, Sprecher des Tauschrings und Organisator des Abends im Umweltzentrum Hannover, will loslegen. Jetzt sind an die 20 Mitglieder beim monatlichen Treffen versammelt.

Barbara macht auf Bestellung Seifen und füttert Tiere, wenn die Besitzer im Urlaub sind. Mit Computern kennt sie sich auch aus. Helga, die nächste in der Reihe, kann auch alles am PC. Baut sich hier ein Überangebot auf?

„Hallo, ich bin Kerstin. Ich kann Käsekuchen backen, Babysitten, und wer möchte, kann mit mir im Deister wandern gehen. Und dann brauch’ ich jemanden, der mir hilft, zwei Säcke Gartenlaub abzutransportieren.“

Ute wird aufmerksam. Irma sagt, sie könne schneidern. Birgit hat Umzugskartons abzugeben. Paul ist 62 und Handwerker und ein reicher Mann, jedenfalls nach den Maßstäben des Tauschrings. „Ich kann eigentlich fast alles, was im Haushalt so anfällt. Ich habe auch meine Möbel selbst geschreinert.“ Pauls Konto steht mit 500 Punkten im Plus.

Ute sucht eine Frau, die ihre Wohnung renoviert, „meinetwegen auch ein Mann“. Sie bietet an: Fahrten zu übernehmen, alte Menschen zu betreuen, sie kennt sich mit heilpraktischen Verfahren aus, hilft in Gärten und bei Umzügen und nicht zuletzt „kenne ich mich aus mit der Pflege offenporiger Holzböden“. Wäre sie Unternehmerin, man könnte sagen, dass sie mit ihrem Bauchladen breit aufgestellt wäre.

Der Talentetauschring in Hannover ist eine unter zahlreichen Tauschbörsen in Deutschland. Die Währungen heißen Prinzen oder Motten, im Internet gibt es zahlreiche Adressen, Fähigkeiten gegen Fähigkeiten zu wechseln. Manche sind als Verein organisiert, in Hannover kommt man dagegen ohne Satzung aus. Es gibt eine Mitgliederverwaltung und eine Buchungsstelle für die Konten, dreimal im Jahr erscheint der „Talentzirkel“, ein rund 40 Seiten umfassendes Heft mit Hunderten Angeboten der Mitglieder. Man kann Talente für handfeste Dinge tauschen wie Übersetzungshilfe, Fahrradreparaturen und selbst gefertigte Hagebuttenmarmelade. Oder Leistungen buchen, an deren Wirkung man unbedingt glauben muss, Lichtkosmetik etwa. Und weil Organisation Geld kostet, zahlt jedes Mitglied zehn Euro im Jahr. Echte Euro.

Die Tauschring-Welt ist keine heile Welt, es gibt Enttäuschungen. Menschen ließen sich nie wieder sehen, nachdem sie sich haben helfen lassen. Oder es stellt sich heraus, dass professionelle Anbieter nur die erste Leistung im Tauschring anbieten, danach aber Euro sehen wollen. Vincent sagt, das seien Ausnahmen.

An diesem Abend bahnen sich echte Geschäfte an. Paul will einige seiner vielen gesammelten Talente für eine Ayurweda-Massage ausgeben. Die kostet draußen viel Geld, sagt er un d würde sie sich sonst nicht leisten. Draußen, das ist die Welt des Kapitalismus. Kerstin und Ute verhandeln noch. Es geht um zwei Säcke Gartenabfall.

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