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Aus der Stadt Tausend Reisende nutzen Übernachtungszüge
Hannover Aus der Stadt Tausend Reisende nutzen Übernachtungszüge
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15:55 01.04.2015
In Hannover übernachteten etwa 1000 Fahrgäste in den Zügen.
In Hannover übernachteten etwa 1000 Fahrgäste in den Zügen. Quelle: dpa
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Hannover

Vassily Gelfan nippt an einem Pappbecher mit Kaffee. In der Hand hält er einen Umschlag mit Zugtickets für seine Familie. Seit den frühen Morgenstunden wartet der 46-Jährige beim Reisezentrum der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof Hannover. "Ich hatte mich auf ein weiches Hotelbett in Brüssel gefreut", sagt Gelfan. Stattdessen verbrachte er die Nacht zum Mittwoch auf einem Sitzplatz in einem Übernachtungszug der Bahn. "Richtig gut schlafen kann man da natürlich nicht." Er habe sich aber über ein paar Stunden Erholung und Wärme im Zug gefreut.

Das Sturmtief „Niklas“ zieht über die Region Hannover hinweg und hinterlässt umgestürzte Bäume und mehr.

Für die gestrandeten Passagiere hatte die Bahn am Dienstag in Hannover drei Züge zur Notunterkunft umfunktioniert. Wie viele Fahrgäste bundesweit wegen "Niklas" ihr Reiseziel nicht erreichten, konnte die Deutsche Bahn am Mittwochmittag nicht sagen. Deutschlandweit wurden in 20 Bahnhöfen 22 Übernachtungszüge bereitgestellt. Außer in Hannover auch in Berlin, Frankfurt und am Münchner Ostbahnhof. Die meisten Fahrgäste blieben in Hannover, Hamburg und Braunschweig auf ihren gepackten Koffern sitzen, nachdem der Zugverkehr in Niedersachsen eingestellt worden war.

In Hannover übernachteten etwa 1000 Fahrgäste in den Zügen. Im Übernachtungszug im Frankfurter Hauptbahnhof verbrachten laut Bahn 200 Reisende die Nacht. In Kassel seien es ungefähr 300, im Berliner Hauptbahnhof weitere 150 Fahrgäste gewesen. "Wir nutzen die Übernachtungszüge nur in besonderen Ausnahmefällen", sagt ein Sprecher der Bahn am Mittwoch. Zunächst werde versucht, die Fahrgäste in Hotels einzuquartieren. In Hannover seien sämtliche Zimmer im Umkreis des Bahnhofs jedoch nach kurzer Zeit ausgebucht gewesen.

"Züge, die bei diesem Wetter nicht weiterfahren können, werden dann an Knotenpunkten abgestellt", sagt der Sprecher. Beleuchtet und beheizt sollen die ICE- und IC-Wagen den Fahrgästen dann wenigstens ein Dach über dem Kopf bieten. Schlafwagen könne die Bahn nicht sofort bereitstellen. "Die meisten Züge sind gleich am Morgen wieder in Betrieb gegangen." In den meisten Bahnhöfen waren die Übernachtungszüge spätestens nach 7 Uhr morgens wieder abgefahren.

Größere Einsätze des Technischen Hilfswerks (THW) oder des Deutschen Roten Kreuzes zur Versorgung der Fahrgäste gab es nicht. Lediglich an den Bahnhöfen in Bremerhaven und Bremen wurde Suppe an Reisende ausgegeben. Im Notfall können die Einsatzkräfte Feldküchen aufbauen, Decken und Getränke reichen. "Die Helferinnen und Helfer haben aber natürlich auch ein offenes Ohr für die Fahrgäste", sagt Henning Zanetti, Sprecher des THWs in Bonn. Der letzte große Einsatz der Übernachtungszüge fand im Jahr 2007 statt, als Sturm "Kyrill" das Bahnnetz lahmlegte.

dpa

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