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Aus der Stadt Bahn lässt Fahrgäste in „Hotelzügen“ schlafen
Hannover Aus der Stadt Bahn lässt Fahrgäste in „Hotelzügen“ schlafen
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00:21 03.04.2015
Die Bahn hat für gestrandete Reisende Hotelzüge am Hauptbahnhof Hannover eingerichtet. Quelle: Wiedersheim
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Hannover

Das hat es in Hannover noch nicht gegeben: Die Deutsche Bahn hat am Dienstagabend im Hauptbahnhof an den Gleisen 3, 4 und 10 insgesamt 36 Waggons älterer Intercity-Züge zu „Hotelzügen“ umfunktioniert. Gestrandete Reisende durften dort bei Strom und Heizung warten – Hunderte machten davon Gebrauch. Denn der Bahnverkehr rund um Hannover war infolge des Sturms weitgehend zusammengebrochen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Strecke von Wernigerode nach Würzburg einer Weltreise gleichen würde“, sagte Michael Ansorge am späten Abend etwas entnervt. Mit seiner Frau Isolde und Sohn Daniel war er auf Rückreise aus dem Harz – in Hannover ging es nicht mehr weiter. Am Nachmittag war bereits der S-Bahnverkehr zusammengebrochen, dann traf es die Regionalzüge, abends schließlich ging kein einziger Zug mehr ab. Die Schlangen im Hauptbahnhof reichten gegen 22 Uhr vom Info-Punkt am Eingang bis zu Gleis 5 – in zwei Reihen. Hunderte warteten mehr als zwei Stunden, weil sie sich Hotelgutscheine abholen wollten.

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Das war auch so ziemlich das Einzige, was am Info-Schalter ging – Auskünfte über Zugabfahrten gab es nicht, weil ja ohnehin nichts fuhr. Uwe Lippert, Leiter des Reisezentrums im Hauptbahnhof, versuchte, trotz der Menge aufgebrachter Kunden ruhig zu bleiben. „Ich bin selbst unglücklich über die Situation“, sagte er. Auch bei ihm und seinen Kollegen kämen die Informationen zu den Zügen nur kleckerweise an. Wann sich der Zugverkehr wieder normalisiere, könne er nicht sagen.

Bereits am Nachmittag war die Verzweiflung im Bahnhof groß. Einzelhandelskauffrau Jenny Barmann wollte zurück nach Wolfsburg, doch die Chancen standen schlecht. „Ich hoffe, dass ich es bis nach Braunschweig schaffe“, sagte sie. „Von dort aus kann ich mich abholen lassen.“ Da hatte sich Sabrina Engelmann schon mit der Situation abgefunden. Sie schob den Kinderwagen mit ihrem wenige Monate alten Sohn ans Ende der langen Schlange, die sich vor dem Info-Schalter in der Bahnhofshalle gebildet hat. „Ich werde nicht fragen, wie ich meine Reise von Dresden nach Hamm fortsetzen kann – ich werde den angebotenen Hotelgutschein nehmen“, sagte sie. Allerdings wurden bald auch die Hotelbetten in der Innenstadt knapp.

Per Lautsprecher riet die Bahn dazu, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.  Doch nicht viele gingen darauf ein. Die Taxis vor dem Bahnhof fuhren zwar im Minutentakt an und ab, Schlangen bildeten sich aber nicht. Die Bahnkunden stellten sich auf eine lange Nacht ein.

Von Isabel Christian und Volker Wiedersheim

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