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Aus der Stadt Taxifahrer soll Kundin zu Sex genötigt haben
Hannover Aus der Stadt Taxifahrer soll Kundin zu Sex genötigt haben
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20:53 09.04.2013
Von Michael Zgoll
Normalerweise dauert eine Fahrt fünf Minuten, an diesem Tag aber 27. Warum, muss das Amtsgericht klären.
Normalerweise dauert eine Fahrt fünf Minuten, an diesem Tag aber 27. Warum, muss das Amtsgericht klären. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Doch sitzt der Familienvater möglicherweise zu Unrecht auf der Anklagebank? Der Verhandlungstag am Dienstag brachte noch keine Klarheit – der Angeklagte und das mögliche Opfer werden erst am Donnerstag befragt.

Der Tatvorwurf wiegt immer noch schwer. Ibrahim T. soll die Frau, damals 38 Jahre alt, frühmorgens um 4.11 Uhr aus der Nordstädter „Destille“ abgeholt haben. Die Fahrt zu ihrer Wohnung am Herrenhäuser Kirchweg dauert gewöhnlich nur fünf Minuten – in jener Nacht allerdings knapp 27 Minuten. Dies wurde später anhand der GPS-Ortungsdaten der Taxizentrale festgestellt. Laut Anklage soll der eigenständige Taxi-Unternehmer unterwegs angehalten und die Türen verriegelt haben.

Dann habe er sein Opfer zu sexuellen Handlungen, unter anderem zum Oralverkehr, gezwungen; von einer regelrechten Vergewaltigung ist aber keine Rede mehr. Bisheriger Wissensstand sei, so heißt es hinter den Kulissen, dass der Fahrer und seine Kundin tatsächlich sexuellen Verkehr hatten; dann wäre die alles entscheidende Frage, ob dies einvernehmlich geschah oder nicht. Fest steht, dass die 38-jährige Frau zur Tatzeit stark angetrunken war – ihr Blutalkoholwert lag bei knapp drei Promille. 

Der Angeklagte, geboren in der Türkei, besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. 2002 stand er bereits einmal wegen sexueller Nötigung vor Gericht, das Verfahren wurde aber gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Auf der anderen Seite wurde T. im Vorjahr vom Geschäftsführer der Taxizentrale 3811 als „freundlich, liebenswürdig und immer gut gekleidet“ charakterisiert. Selbst eine „Droschke“ steuern darf der Mann aus Vahrenwald seit vergangenem Sommer nicht mehr, hat seine Fahrerlizenz verloren. Seinen Wagen chauffiert derzeit ein Angestellter.

Die beiden Verteidigerinnen Antje Heister und Ayse Eker wollen Freispruch für ihren Mandanten fordern. Von eminenter Bedeutung wird sein, wem das Schöffengericht unter Vorsitz von André Simon mehr Glauben schenkt: Ibrahim T. oder der Frau, die in jener Juli-Nacht 27 Minuten in seinem Taxi verbrachte.

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