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Aus der Stadt 50 Gramm Kokain in Unterhose versteckt
Hannover Aus der Stadt 50 Gramm Kokain in Unterhose versteckt
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00:15 30.01.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

Einem Taxifahrer, der sich in der Calenberger Neustadt nicht ans Tempolimit hielt, verdankt es ein junger Mann, dass er wegen Drogenhandels für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis muss. Der Fahrgast saß – gemeinsam mit zwei anderen Männern – als Fahrgast in der Taxe, die die Polizei an einem Novemberabend 2014 in der Braunstraße stoppte. Weil der 22-jährige Albaner sehr nervös wirkte und eine unnatürliche Ausbuchtung in seiner Hose aufwies, sahen die Beamten genauer hin. In einer schwarzen Socke entdeckten sie 50 Gramm Kokain; bei einer Menge von knapp 40 Gramm reinem Kokainhydrochlorid ergibt das mehr als 1300 Konsumeinheiten. Am Montag verurteilte ein Schöffengericht am Amtsgericht Hannover Amarildo K. wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungs­mittelgesetz.

Der 22-Jährige führte auch 3830 Euro Bargeld mit sich, darunter viele kleine Scheine. Der Vorsitzende Richter Lars Römermann nannte dies eine „szenetypische Stückelung“, die auf Drogenverkäufe hindeute. Die zwei anderen Fahrgäste hatten ebenfalls Bargeld dabei, einer sogar knapp 10 000 Euro. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, laufen die Ermittlungen gegen diese Männer noch.

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K.s Verteidiger Dimitrios Lolis gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Demnach sei dieser im April 2014 nach Deutschland eingereist und habe vorgehabt, Europa als Tourist zu bereisen. Dummerweise sei der junge Mann, der nicht vorbestraft ist, in Hannover an die falschen Leute geraten und hier hängen geblieben. Die 50 Gramm Kokain aus der Taxe seien nur für seinen persönlichen Konsum bestimmt gewesen; die 3830 Euro habe er sich bei vorherigen Nebenjobs zusammengespart.

Doch Staatsanwaltschaft wie Gericht mochten diese Geschichte nicht glauben. Die Anklagevertreterin verwies darauf, dass 40 Gramm reines Kokain das Achtfache der Menge von fünf Gramm darstelle, die im juristischen Sinn als gering angesehen wird. Bei Überschreitung dieser Grenze liegt die Mindeststrafe bei einem Jahr Gefängnis. Im Gegensatz zum Verteidiger, der vom Gericht eine Strafe zur Bewährung erbat, forderte die Staatsanwältin zwei Jahre und drei Monate Haft ohne Bewährung.

Römermann sagte in der Urteilsbegründung, dass Amarildo K. nach Auffassung des Gerichts nach Deutschland eingereist sei, um Straftaten zu begehen. Dass der 22-Jährige innerhalb weniger Monate knapp 4000 Euro gespart habe, sei unwahrscheinlich. Ebenso unglaubwürdig sei, dass er Kokain für den Eigenkonsum „direkt unter seinem Gemächt“ versteckt habe. Seine Sozialprognose sei schlecht, deshalb müsse K. die Strafe im Gefängnis verbüßen. Das Rauschgift wurde ebenso eingezogen wie das Geld; auf Grundlage eines „Wertersatzverfalls“ kann der Staat aus einer Straftat resultierendes Vermögen abschöpfen.

Bernd Haase 29.01.2015
29.01.2015