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Aus der Stadt Teil 2: HAZ-Leserbriefe zur Pegida-Berichterstattung
Hannover Aus der Stadt Teil 2: HAZ-Leserbriefe zur Pegida-Berichterstattung
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19:35 23.01.2015
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Terrorakte verändern das politische Klima

Ich sehe mit Sorge, wie in den Medien zunehmend der Begriff „Islamkritiker“ (der auch daraufhin zu hinterfragen wäre, ob der damit Gekennzeichnete den Islam als Religion insgesamt ablehnt oder nur eine kritische Analyse einzelner Aspekte des Islams vorträgt) durch den Begriff „Islamfeind“ ersetzt wird. Zudem wird die möglicherweise ohnehin nicht bruchlose Trennung zwischen einer Ablehnung des Islam und des Islamismus derart aufgeweicht, dass selbst die Ablehnung des Islamismus zu Islamfeindschaft erklärt wird. Besser könnte es für die Dschihadisten nicht laufen.

Im Übrigen hieß es in einem HAZ-Kommentar: „Terroristen bedrohen unsere Freiheit unmittelbar und brutal – politische Extremisten hingegen schleichend und scheinbar beiläufig.“ Da wäre zu fragen, womit der Autor die Entgegensetzung von Terroristen und politischen Extremisten begründet. Sind die Attentäter von Paris keine politischen Extremisten? Außerdem stimmt der Satz sachlich nicht: Terroranschläge sind auch dazu da, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, indem sie das politische Klima langfristig verändern, Angst auslösen – das kann man an 9/11 sehen. Dagegen begleiten verschiedene politische Extremismen die Bundesrepublik schon lange (etwa DKP, Republikaner und verschiedene andere), ohne Wesentliches bewirkt zu haben.

Und nicht zuletzt: Es gibt nichts Schlimmeres, als anderen Menschen das Leben zu nehmen, ihr fundamentales Grundrecht! Das ist bedeutend schlimmer, als wenn Menschen wie viele der Pegida-Anhänger in Dresden auf der Straße ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen – auch wenn ihre Meinung vielfach nicht gefällt. Mir scheinen hier auf eine schwer verständliche Art Werte und Wertmaßstäbe verrutscht zu sein.

Ahlden, Klaus Todtenhausen

Auch Christen müssen Karikaturen ertragen

Natürlich ist es bedauerlich, dass die Terroranschläge den Pediga-Demagogen noch Auftrieb geben. Aber die Behauptung, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, bleibt trotzdem absurd. In keinem mehrheitlich islamischen Land gibt es Religionsfreiheit, wie sie Muslime hier selbstverständlich in Anspruch nehmen. Jeder Christ muss in Deutschland (und Frankreich) ertragen, dass auch Jesus Gegenstand von Karikaturen wird. Das ist Teil unserer Meinungs- und Pressefreiheit!

Hannover, Ulrich Matthias

Hagidas, distanziert Euch!

Jetzt ist es also heraus: Hinter Hagida stecken sehr wohl Rechtsradikale. Umso erstaunlicher, dass all die Leserbriefschreiber in ihren Gesprächen mit den Hagidas davon nichts mitbekommen haben. Noch erstaunlicher allerdings die Haltung der Behörden: Man weiß um den politischen Hintergrund des Organisators, verrät das aber nicht, um seine Persönlichkeitsrechte zu schützen. Ja, ist denn Herr Schulz in die rechte Szene hineingeboren? Ist das ein Makel wie eine Behinderung? Oder macht er freiwillig mit? Dann muss er auch zu seiner Überzeugung stehen und nicht als maskierter Rattenfänger Mitläufer generieren.

Von Moslems wird täglich verlangt, sie sollten sich von Verbrechern, die den Glauben als Rechtfertigung missbrauchen, distanzieren. Nur zur Erinnerung: Es waren Rechtsradikale, die jahrelang mordend durch Deutschland zogen; es sind Rechtsradikale, die Flüchtlingsheime abfackeln. Hagidas, distanziert Euch! Noch ein Satz zu den Analysen, die Ha-, Pe und Sonstwas–gidas hätten gar nichts gegen den Islam, sondern gegen ,,die Politik‘‘. Dazu gibt es ein altes deutsches Sprichwort: ,,Man haut den Sack und meint den Esel.‘‘ 

Hannover, Raimund Poppinga

Überbordende mediale Aufmerksamkeit

Weniger wäre mehr gewesen, fällt mir zur intensiven Berichterstattung über das augenfällig rechtsextrem dominierte Hagida-Bündnis ein. Tatsächlich versammelten sich dazu 200 Menschen, während die Zahl der Gegendemonstranten 100 mal so hoch war. Ohne die überbordende mediale Aufmerksamkeit, die schon das Vorbild in Dresden groß machte, hätte dieser armselige Haufen politisch Verblendeter keinerlei Bedeutung. Er wäre allenfalls ein Thema für die Sicherheitsbehörden. 

Hannover, Wolfgang Becker

Wir sind bunt

Wir haben gelernt: In Deutschland gibt es keine Islamisierung durch Migranten; logischerweise kann es dann daraus auch keine Probleme geben. "Wir sind ja bunt". Sollte es vielleicht doch einmal zu Konflikten kommen, werden sie bunt "weggetanzt". Ist dieses Deutschland nicht ein wunderbares Land? Geradezu ein "Schlaraffenland". An dieser Art der Wahrnehmung hat die HAZ seit Jahren einen erheblichen Anteil. Also, wir können uns demnächst auf noch viel mehr Menschen als bisher freuen, die zu uns kommen, um unser Land (noch) bunter zu machen.

Hannover, Lutz Gaßdorf

Nicht nur auf Parteilogik setzen

Sei es bei den Trauerfeiern in Paris, Berlin, Hannover. Jedes mal standen die Aufrüstungsbefürworter und Waffenlieferanten mit in der ersten Reihe der Trauernden. Ich frage mich, was in den Köpfen dieser Politiker vor sich geht. Vergiessen sie ihre Tränen für die Opfer oder schämen sie sich, weil die Waffen bei den Greueltaten ja eventuell aus ihren Rüstungsschmieden geliefert wurden? Das ständige Rufen der Politik nach Toleranz ist doch nur Wischiwaschi. Wenn Bürger anders wählen, als es die Parteien wollen, werden diese gleich rechts oder links in die Ecke gestellt. Mein Rat an die Politik wäre, sich bei künftigen Demos mal lieber in den Hintergrund zu stellen. Sie sollen sich Gedanken machen – und nicht nur auf Parteilogik und Netzwerke setzen. Nur so kommen sie den Bürgern, die sie ja gewählt haben näher. 

Hannover, Heinz Kauhausen

Auch sie sind Schuldige!

Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist nach den Terroranschlägen im Dezember in Paris erstmals wieder erschienen und wurde mit einer sagenhaften Auflage von sieben Millionen weltweit binnen weniger Tage verkauft. Also ein satter wirtschaftlicher Gewinn für die neu gebildete Redaktion. Abermals war auf der Titelseite eine fragwürdige Karikatur des Propheten Mohammed abgebildet. Ich frage mich, was damit erreicht werden soll? Haben die verantwortlichen Redakteure dieser Zeitschrift aus den traumatischen Ereignissen der auch selbst erlittenen Terroranschläge nichts gelernt? Warum verletzen sie immer wieder die religiösen Gefühle gläubiger Menschen? Abermals gab es heftige Protestaktionen in verschiedenen muslimischen Ländern. Mindestens zehn Tote gab es dabei. Musste das sein? Sich bei derartigen veröffentlichte Karikaturen auf die Pressefreiheit zu berufen, finde ich unangemessen. Es war absehbar, dass es weltweit wieder zu Reaktionen kommen würde. Wieder mussten Menschen sterben, egal unter welchen Umständen. Die Terrorgefahr ist weiter gestiegen. Menschen in den verschiedensten Ländern fühlen sich total verunsichert. Diejenigen Journalisten, die das ausgelöst und zu verantworten haben, sollten sich endlich selbstkritisch  in einen Spiegel betrachten. Auch sie sind Schuldige!

Falkenberg/Elster, Dieter Lehmann

Viele Bürger fühlen sich 
nicht mitgenommen

Es bringt mich auf die Palme, wenn ich lesen muss, die Hagida „okkupiert“ den Opernplatz. Mal ehrlich, glauben die Medienmacher wirklich, dass die Menschen ihnen abnehmen, dass die 15.000 bis 20.000 Dresdener Demonstranten alle „Nazis“ sind? Man sollte sich lieber mal Gedanken darüber machen, warum es in unserer Demokratie inzwischen etwa 30 Prozent Nichtwähler gibt. Auch ich fühle mich schon lange nicht mehr von den etablierten Parteien „mitgenommen“. Was bleibt mir? Alternativ wählen oder in das Lager der Nichtwähler einzutreten. Es ist zu wünschen, dass diese Bürger endlich von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen, ohne niedergebrüllt zu werden. Ich werde da sein und hoffentlich viele treffen, die sich nicht mitgenommen fühlen. Einen Schulterschluss mit den „Hagida“-Organisatoren wird es nicht geben. Gibt es eigentlich zwischen Toleranz und Intoleranz noch etwas anderes? Merken die eifrigen Erwerber der „Charlie Hebdo“-Ausgaben nicht, wie weh sie den unter uns friedlich lebenden Muslems tun? Aber diese haben sich ja im Friedensgebet als „gute“ geoutet.

Hannover, Jürgen Kramer

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