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Aus der Stadt Telefonterror bei der Polizei Hannover
Hannover Aus der Stadt Telefonterror bei der Polizei Hannover
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19:03 21.08.2013
Von Tobias Morchner
Allein zwischen Mitte Mai und Mitte Juni dieses Jahres wählte die Frau mehr als 400 Mal die Rufnummer 110. (Symbolfoto) Quelle: dpa
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Die Polizei ermittelt gegen eine 45-jährige Frau aus Garbsen, die über Monate hinweg den Notruf der Behörde missbraucht hat. Allein zwischen Mitte Mai und Mitte Juni dieses Jahres wählte sie mehr als 400 Mal die Rufnummer 110. Sämtliche Gespräche zeichnete die offenbar psychisch Kranke auf, veröffentlichte sie im Internet und machte sich damit abermals strafbar. „Wir haben zudem Ermittlungen gegen sie wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes eingeleitet“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg.

In ihren Telefonaten mit der Leitstelle der Polizei berichtet die 45-Jährige immer wieder davon, dass sie sich verfolgt fühlt – von ihrem ehemaligen Lebensgefährten, den Nachbarn und schließlich der Polizei selbst. Sie versteigt sich in zum Teil abstruse Verfolgungsfantasien und gibt dabei auch an, sie werde gegen ihren Willen mit Strahlen behandelt. Die Beamten in der Leitstelle versuchen in aller Regel beruhigend auf die Frau einzuwirken. Gelingt dies nicht und beenden sie das Gespräch, um die Leitung für echte Notfälle frei zu machen, drückt die Anruferin entweder die Wahlwiederholung und alles beginnt von Neuem oder sie wählt die Nummer irgendeiner Polizeistation in der Stadt oder der Region. „Es kommt zwar immer mal wieder vor, dass wir seltsame Anrufe bekommen, aber das hier ist doch ein außergewöhnlicher Fall“, erklärt Hilgenberg.

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Polizei steckt in einem Dilemma

Doch nicht nur die Polizei, auch andere Behörden und Ämter überzieht die 45-Jährige mit regelrechtem Telefonterror. Sie ist beim Jugendamt, dem Amtsgericht und auch der hannoverschen Staatsanwaltschaft hinlänglich bekannt. Selbst ihr Rechtsanwalt hatte unter den ständigen Anrufen zu leiden. „Als ich erfahren habe, dass sie alles in Internet stellt, habe ich den Kontakt zu ihr sofort abgebrochen“, sagt der Jurist.

Auch die Polizei stieß mit ihren Möglichkeiten bald an Grenzen. „Die Kollegen waren mehrfach bei ihr in der Wohnung, um nach dem Rechten zu sehen, konnten aber nie etwas feststellen“, sagt Behördensprecher Hilgenberg. Die Beamten steckten in einem Dilemma. Sie können die Notrufe der Frau nicht ignorieren, da nie ausgeschlossen werden kann, dass es sich nicht doch um einen Ernstfall handelt. Sie können die 45-Jährige aber auch nicht in Gewahrsam nehmen, weil weder die öffentliche Ordnung, noch das Wohl der Anruferin selbst in Gefahr ist.

Schließlich schaltete die Polizeidirektion den sozialpsychiatrischen Dienst der Region Hannover ein. Auf Rat der Experten ließ sich die 45-Jährige zwar in einer Klinik behandeln. Doch das Problem war damit nicht gelöst. „Ein paar Wochen lang hatten wir Ruhe, seit Anfang August ruft sie wieder regelmäßig bei uns an“, sagt der Polizeisprecher. Die Region Hannover kann sich aus rechtlichen Gründen nicht zu dem konkreten Fall äußern. Grundsätzlich basiere die Zusammenarbeit mit dem sozialpsychiatrischen Dienst immer auf Freiwilligkeit. „Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie kann nur auf Anordnung des Amtsgerichts erfolgen und auch nur dann, wenn die Person sich selbst oder Dritte oder die öffentliche Ordnung gefährdet“, sagt Regionssprecher Nils Meyer.

Solange dies nicht geschieht, müssen die Polizisten in der Leitstelle die Anrufe weiter ertragen. Die Arbeit der Beamten wird dadurch zwar zum Teil massiv behindert, es ist aber ausgeschlossen, dass die Notrufzentrale gänzlich lahm gelegt wird. „Wir haben insgesamt 15 Leitungen für die Rufnummer 110 und selbst wenn alle belegt sein sollten, werden die eingehenden Notrufe automatisch auf die Leitstelle der Feuerwehr umgeleitet“, sagt Polizeisprecher Hilgenberg.

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